Straßenkunde: Zum Ursprung der Rabenstraße
Kein Ort von vielen Krähenvögel

Westerkappeln -

Warum trägt die Rabenstraße diesen Namen? Auffallend viele Raben wurden hier nicht gesichtet und auch in der Hambürener Schulchronik sind die mystischen Krähenvögel, denen unter anderem Weisheit zugeordnet wird, kein Thema.

Freitag, 03.03.2017, 09:03 Uhr

In den frühen 1970er Jahren wurde die Rabenstraße – hier vor der Gaststätte Görtemöller – mit einer Teerdecke befestigt.
In den frühen 1970er Jahren wurde die Rabenstraße – hier vor der Gaststätte Görtemöller – mit einer Teerdecke befestigt. Foto: Repro: Astrid Springer

Von der alten Kreuzung Meese, heute der Kreisverkehr an der ehemaligen Bundesstraße, verläuft unterhalb des Laurien die Rabenstraße in Richtung Görtemöller. Tiefe Entwässerungsgräben links und rechts der Straße zeigen an, dass der Untergrund hier sehr morastig ist.

Das wundert nicht, fließt doch der quellnahe Velper Mühlenbach durch den Bruchwald jenseits der Rabenstraße und quert diese im Verlauf in Richtung Mühlteich. Entsprechend nass ist das Gelände und bis vor gut 100 Jahren galt das auch noch für die Straße selbst.

Trotzdem oder gerade deswegen gehört die Rabenstraße mit zu den ältesten Verbindungswegen in Velpe . Dabei war sie unter anderem Schulweg für die Hambürener Schulkinder, für die es höchst beschwerlich sein konnte, in das Schulhaus zu kommen: „so war unseren Kindern, ... ein Weg überworfen, der sich nur insofern von dem umliegenden Ackerland unterschied, als dass er tiefer lag und an Regentagen als Wasserstraße dienen konnte“, beschreibt es die Schulchronik im Jahr 1910 mit feiner Ironie.

Tioefe Entwässerungsgräben links und rechts im Außenbereich der Rabenstraße zeigen an, dass der Untergrund hier sehr morastig ist.

Tioefe Entwässerungsgräben links und rechts im Außenbereich der Rabenstraße zeigen an, dass der Untergrund hier sehr morastig ist. Foto: Astrid Springer

Um diesem Übel Abhilfe zu schaffen, wurde die Rabenstraße zunächst als Fußweg angelegt und später befestigt. 1910/1911 soll sie eine Steindecke erhalten haben und ist auch lange vor der Einführung der Straßennamen in den 1970er Jahren bereits als Rabenstraße – plattdeutsch: Raabenstraude – bekannt.

An seinen nassen, teils überschwemmten Schulweg kann sich auch der 90-jährige Velper Alfred Hackmann noch gut erinnern, „Wenn das Wetter schlecht war, gingen wir immer in Stiefeln zur Schule“. Zwar sei die Rabenstraße zu seiner Schulzeit bereits befestigt gewesen, aber die rege Nutzung durch Pferdefuhrwerke habe die Steine und die Oberfläche in starke Mitleidenschaft gezogen, sodass sie trotzdem sehr schlammig und oft überschwemmt war.

„Erst mit den Traktoren kamen auch Teer und Split“, bringt es der ehemalige Ratsherr Hackmann auf den Punkt. In den 1970er Jahren wurde die Rabenstraße schließlich mit einer modernen Teerdecke versehen, in den 1980ern noch einmal auf vier Meter verbreitert.

Dabei hätte die Rabenstraße bei Vergabe von Straßennamen im Jahr 1971 ihren alten Namen beinahe eingebüßt: Bei der öffentlichen Beratung wurde die Bezeichnung Hambürener Straße seinerzeit hoch gehandelt. Wie wir heute wissen, konnte sich diese Idee an der Rabenstraße letztlich aber nicht durchsetzen.

  Foto: Astrid Springer

Bleibt die Frage, woher die alte Straße ihren Namen hatte. Auffallend viele Raben wurden hier nicht gesichtet und auch in der Schulchronik sind die mystischen Krähenvögel, denen unter anderem Weisheit zugeordnet wird, kein Thema.

Wohl ist aber die sogenannte „Flurverkoppelung“ erwähnt, auf neudeutsch Flurbereinigung. Im Zuge dieser Ackerflächenzusammenlegung soll auch die Rabenstraße gebaut worden sein – und zwar von den Gebrüdern Rabe, einer Straßenbaugesellschaft. Ein Familienname steht also auf dem heutigen Straßenschild.

Mittelbar betrachtet führt die Rabenstraße den schwarzen Krähenvogel trotzdem im Schilde. Der Vogel erhielt seinen Namen aufgrund des rabentypischen Krächzens, lautmalerisch nennen das die Sprachwissenschaftler, wenn sich der Name an ein Geräusch anlehnt.

Sein krächzender Ruf brachte dem Raben bei den Germanen die Bezeichnung hrabna ein. Hrabanus war in alter Zeit auch als Vorname gebräuchlich, beispielsweise hieß der Erzbischof von Mainz im achten Jahrhundert Hrabanus Maurus; im Mittelalter wurde dann die Variante Rave als Rufname beliebt.

Der Verwendung des Familiennamens Rabe könnte demnach von einem ehemaligen Vornamen abgeleitet oder auch einfach einer Eigenschaft des Trägers gefolgt sein, beispielsweise schwarzem Haar. Insofern stand der Vogel bei der Rabenstraße also doch Pate, wenn diese auch nicht direkt nach ihm benannt wurde.

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