Westerkappelner Umweltausschuss begrüßt Reaktivierungskonzept
Wichtiges Signal für die Tecklenburger Nordbahn 

Westerkappeln -

Ein wichtiges Signal an die Landespolitik für die Reaktivierung der Tecklenburger Nordbahn hat am Donnerstagabend der Westerkappelner Ausschuss für Umwelt, Energie und Landwirtschaft gegeben. Mit großer Mehrheit wurden die Pläne begrüßt – vorausgesetzt, es gibt Landesmittel für die Umsetzung.

Freitag, 03.03.2017, 16:03 Uhr

Die Pläne für die Reaktivierung der Tecklenburger Nordbahn für den Personennahverkehr wurden einmal mehr vorgestellt – dieses Mal im Umweltausschuss des Westerkappelner Rates.
Die Pläne für die Reaktivierung der Tecklenburger Nordbahn für den Personennahverkehr wurden einmal mehr vorgestellt – dieses Mal im Umweltausschuss des Westerkappelner Rates. Foto: Oliver Langemeyer

Nur Wilhelm Miete, sachkundiger Bürger der Bürgergemeinschaft, stimmte dagegen.

Zuvor hatten Markus Rümke, Angebotsplaner beim Zweckverband Schienenpersonennahverkehr (ZVM), Johann Ubben , Planer bei der Westfälischen Landeseisenbahn und Michael Klüppels , Verkehrsmanager beim Personenbeförderer RVM, das Reaktivierungskonzept für die rund 29 Kilometer lange Strecke von Recke bis nach Osnabrück vorgestellt. Dabei ging es vorrangig um den etwa 6,5 Kilometer langen Abschnitt durch Westerkappeln .

Wesentlichste Änderung zur Ursprungsplanung ist, dass im Bereich der Tonabgrabung „Am Sundern“ ein sogenannter zweigleisiger Betriebsbahnhof entstehen soll, wo sich die Züge auf einer Länge von 950 Metern begegnen können. „Der wird da nicht willkürlich gebaut, sondern passt ideal dahin“, betonte Ubben. Diese Lösung erlaube eine kurze Wende in Recke und habe zur Folge, dass die Investitionskosten in die Sicherungstechnik viel geringer seien. „Das bedeutet aber auch, dass über Recke hinaus kein Bahnverkehr mehr stattfinden wird, auch kein Güterverkehr“, erklärte der Planer.

Anfänglich war der zweigleisige Abschnitt in der Westerkappelner Ortslage geplant. Durch die „fliegende Kreuzung“ in Langenbrück könne nun am Westerkappelner Bahnhof auf einen zweiten Bahnsteig verzichtet werden. Das spare weitere Kosten.

Alle acht Stationen auf der Strecke sollen nach einheitlichem Standard gebaut werden: 120 Meter lange und mindestens 2,50 Meter breite, gänzlich barrierefreie Bahnsteige mit Wetterschutzhäuschen.

Diskussionsbedarf gebe es sicher noch für die Bahnübergänge, meinte Ubben. Weil deren technische Sicherung von mindestens 150 000 bis zu 1,5 Millionen Euro kostet und die Genehmigungsbehörden eine möglichst geringe Zahl von Übergängen zwingend forderten, seien auch in Westerkappeln Schließungen unausweichlich. Neun von 20 Bahnübergängen sollen hier wegfallen (WN berichteten). In den meisten Fällen handelt es sich um Feldwege und -zufahrten.

Klüppels stellte schließlich das ergänzende Buskonzept vor. Die Schnellbuslinie S 10 wird gestrichen, ebenso die Linie R 11. Stattdessen sollen die Bahnhöfe von einem Regiobus 10 angefahren werden, der von Mettingen bis nach Wersen unterwegs ist. „Möglicherweise wird der auch bis Osnabrück durchfahren“, stellte Klüppels in Aussicht.

Die nächsten Schritte für die Reaktivierung : Bis Ende 2018 sollen genehmigungsreife Planfeststellungsunterlagen vorliegen. In allen Anrainergemeinden soll dafür mit den Betroffenen vor Ort das Konzept für die Bahnübergänge abgestimmt werden. Das Wichtigste: Auf Landesebene muss das Projekt in den ÖPNV-Bedarfsplan NRW aufgenommen werden. Nur dann trägt das Land die geschätzten 35,2 Millionen Euro Gesamtkosten für den Streckenausbau und die Bahnhöfe zu 100 Prozent.

Die Diskussion im Ausschuss drehte sich in erster Linie um die Kosten, Parkflächen am Bahnhof und die Sicherheit. Rümke erläuterte in diesem Zusammenhang, dass die Kosten für die Anlagen im Umfeld der Bahnhöfe zu 90 Prozent förderfähig seien.

Bedenken wurden zu den Schließzeiten an den Bahnübergängen laut. Insbesondere an der Heerstraße drohe „das Chaos“, befürchtete Dieter Mittelberg (SPD). Ubben erläuterte, dass die Schranken nie länger als 40 bis 50 Sekunden geschlossen sein werden. „Jeder einzelne Bahnübergang wird im Verfahren einzeln bewertet“, versicherte der Fachmann. Auch die Frage des Lärmschutzes würde genau geprüft.

Die Züge sollen alle halbe Stunde halten. Nur in Espel, Schlickelde und in Büren bei Kromschröder ist ein 60-Minuten-Takt vorgesehen. Für letztgenannte Station mahnte Michael Puke (SPD) Nachbesserung an. „Der Fahrplan sollte den Schichtplänen angepasst werden, damit auch Berufspendler die Bahn nutzen.“

Technisch sei ein Halt bei Kromschröder nach derzeitigem Stand nur stündlich möglich, sagte Ubben. „Wir sind aber flexibel, zu welchen Zeiten das geschieht.“ Auch zeigte er sich überzeugt, dass in den kommenden fünf Jahren die Technik so weit voranschreitet, dass dort gegebenenfalls auch öfter gestoppt werden kann.

Astrid Springer, sachkundige Bürgerin der Grünen, wollte wissen, was denn mit dem Nachtbus (N 19) passiere, der samstags von Osnabrück über Westerkappeln nach Ibbenbüren fährt. Darüber werde in Absprache mit den Kommunen entschieden. „Ich denke aber, dass es völlig unstreitig ist, dass der Nachtbus nach 22 Uhr weiter fährt“, sagte Klüppels.

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