Inklusion: Eltern müssen sich gut informieren
„Es geht darum, Qualität zu erhalten“

Tecklenburger Land -

„Rettet die Inklusion“ – unter diesem Motto kämpft unter anderem ein Bündnis von Elternverbänden für die Verbesserung der Situation und trifft die Feststellung: „Inklusion in NRW verschlechtert die Bildung behinderter Kinder“. Das Bündnis zieht zwei Jahre nach Inkrafttreten des 9. Schulrechtsänderungsgesetzes/ 1. Inklusionsgesetzes eine traurige Bilanz, spricht von frustrierten und schlecht geförderten behinderten Kindern, in ihren Erwartungen enttäuschten Eltern, überforderten Lehrern und einer allgemeinen Verlangsamung und Verschlechterung der Schulausbildung in den Inklusionsklassen.

Donnerstag, 06.04.2017, 08:04 Uhr

Eltern haben es nicht leicht, den richtigen Förderort für ihr Kind zu finden. Sich gut zu informieren, ist wichtig..
Eltern haben es nicht leicht, den richtigen Förderort für ihr Kind zu finden. Sich gut zu informieren, ist wichtig.. Foto: contrastwerkstatt - fotolia

In Gesprächen mit Lehrern und Schulleitern von Regelschulen sowie von Förderschulen war die Inklusion in den vergangenen zwei Jahren permanentes Thema. Auch in lokalen politischen Gremien wurde und wird das Thema engagiert und kontrovers diskutiert.

Im Gespräch mit uns äußert sich der Leiter einer Förderschule sehr zurückhaltend. Eine einfache Lösung habe er auch nicht, sagt er. Seiner Meinung nach wurde das Thema Inklusion „viel zu schnell herunterdekliniert“. Eigentlich sei das gemeinsame Lernen, das es zuvor schon unter der Bezeichnung Gemeinsamer Unterricht (GU) – übrigens „anfangs recht gut ausgestattet¨– gegeben habe, eine gute Idee. Seiner Meinung nach wäre es sinnvoller gewesen, den gemeinsamen Unterricht zu evaluieren und schrittweise auszubauen.

Der Gesetzgeber habe es in die Hände der Eltern gegeben, den richtigen Förderort für ihr Kind zu finden. Eltern müssten sich gut informieren. Sie hätten zum Beispiel die Möglichkeit, im Unterricht zu hospitieren, sowohl an einer Grundschule als auch an einer Förderschule, um die richtige Entscheidung für ihr Kind zu treffen. Aber: „Sie glauben gar nicht, was Eltern mitunter für Hürden nehmen müssen, damit den Kindern das Recht auf Förderung zuteil wird.“

Der Kreis Steinfurt habe den Eltern durch die Neuorganisation der Förderschullandschaft immerhin das Wahlrecht – Förder- oder Regelschule – erhalten können.

Das Elternbündnis „Rettet die Inklusion“ erklärt Inklusion, wie sie derzeit in NRW praktiziert wird, für gescheitert und macht den Mangel an Förderschullehrern maßgeblich dafür verantwortlich. Anstatt einer flächendeckenden Inklusion in den Regelschulen solle der gemeinsame Unterricht auf wenige, regional verteilte Schulen begrenzt werden, fordert das Bündnis. Seit dem Schuljahr 2014/15 haben Kinder mit Behinderung einen Rechtsanspruch auf Unterricht an Regelschulen. Die Qualität der Förderung für diese Kinder habe sich aber durch das Gesetz verschlechtert, meint das Bündnis.

Lennarts Geschichte ist exemplarisch für das, worum es Kritikern der gegenwärtigen Praxis schulischer Inklusion geht: Qualität. Darauf angesprochen, sagt uns der Leiter einer Förderschule: „Inklusion ist vom Gedanken her eine Sache, die sich gerade Sonderpädagogen auf die Fahne geschrieben haben. Es geht nicht darum, die Inklusion zu verteufeln. Es geht darum, Qualität zu erhalten.“ Die Kinder hätten ein Recht auf Förderung. Und zwar auf die Art Förderung, die sie brauchen. „Für die drei Förderschwerpunkte Lernen, Sprache und emotionale und soziale Entwicklung (ESE) gibt es jeweils eigene Studiengänge.“ Diese passgenaue Zuordnung sei an den Grundschulen in der Regel nicht gegeben.

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