„Tag der Megalithik“ am 30. April bei Westerkappeln
Frühgeschichte wird lebendig

Westerkappeln/Lotte -

An den Großen Sloopsteenen herrscht ja meistens Friedhofsruhe. Am Sonntag, 30. April, wird es rund um die steinzeitliche Grabanlage aber richtig lebendig. Denn die Altertumskommission für Westfalen wird dort den „3. Tag der Megalithik“ veranstalten.

Montag, 17.04.2017, 14:04 Uhr

 
  Foto: Altertumskommission für Westfalen

Bereits im Januar hatten die Wissenschaftler aus Münster anlässlich der Vorstellung von Heft 1 in der Heft 1 der neuen Schriftenreihe „Megalithgräber in Westfalen “ angekündigt, so ein Event für die ganze Familie im Werser Holz auf die Beine stellen zu wollen. Die Planung wurde erst vergangene Woche festgezurrt. „Das hat ein bisschen gedauert, weil wir erst eine Genehmigung brauchten. Es handelt sich ja um ein Naturschutzgebiet“, erläutert Dr. Kerstin Schierhold , die das Projekt der Altertumskommission zur Megalithik in Westfalen leitet.

„Moving Stones – Steine bewegen“ lautet das Motto des Megalith-Tages, das zum Programm wird. An den Großen Sloopsteenen wird den Besuchern von 10 bis 17 Uhr ein abwechslungsreiches Programm rund um das Thema Transport von großen Steinen (Megalithen) geboten, verspricht Kerstin Schierhold.

Eine „Infogasse“ an der Zuwegung halte viele Attraktionen bereit. Dort können die Großen Sloopsteene bereits im Kleinen bewegt werden: ein im Maßstab 1:100 ausgedrucktes 3-D-Modell soll es möglich machen, sich selbst daran zu versuchen, das Grab in seiner ursprünglichen Form wieder aufzubauen.

Um ein Gefühl dafür zu bekommen, welche Arbeitsleistung hinter dem Bau des riesigen Monuments steckt, steht ein Findling, der bei den Ausgrabungen der Altertumskommission 2015 ans Licht kam, als Versuchsobjekt zur Verfügung: „Wer beim Anheben das Gewicht richtig schätzt, wird mit einem Preis belohnt“, kündigt Schierhold an.

Zusätzliches „Futter“ biete ein Infostand, der Wissen über die aktuellen Projekte der Altertumskommission und die Europäische Kulturstraße der Megalithik bereit hält. Der Kultur- und Heimatverein Westerkappeln wil darüber hinaus über seine Tätigkeiten rund um die Großen Sloopsteene informieren.

Erlebnisangebote soll es für Jung und Alt geben. Das Bild entstand beim „1.Tag der Megalithik“ vor zwei Jahren in in Beckum-Dalme

Erlebnisangebote soll es für Jung und Alt geben. Das Bild entstand beim „1.Tag der Megalithik“ vor zwei Jahren in in Beckum-Dalme Foto: Altertumskommission für Westfalen/L. Klinke

Dr. Claudia Siemann, die freiberuflich archäologische Erlebnisangebote für Kinder und Erwachsene veranstaltet, helfe derweil besonders fingerfertigen kleinen und großen Besuchern dabei, sich mit dem Thema Transport auseinanderzusetzen, erläutert Kerstin Schierhold weiter zum Programm. „Sie hält Ton bereit, aus dem zum Beispiel kleine Wagenmodelle und Zugtiere gefertigt werden und mit nach Hause genommen werden können.“

Schon bevor die Besucher das Grab im Original bewundern können, sollen sie visuell auf das „Erlebnis Große Sloopsteene“ eingestimmt werden: Eine Filminstallation zwischen den Bäumen wird die 3-D-Visualisierung der Anlage und den Nachbau eines Megalithgrabes im Experiment zeigen.

Im Anschluss Dr. Kerstin Schierhold und Leo Klinke B.A. die Besucher über den ganzen Tag verteilt in kleinen Gruppen zum Monument, erklären kurz und kompakt seine Entstehung und Nutzung in der Steinzeit und berichten über neueste archäologische Erkenntnisse und Methoden. Zwei Tablet-Stationen ergänzen mit verschiedenen Filmen und Darstellungen den monumentalen Eindruck der idyllisch im Wald gelegenen Grabanlage.

Die Großen Sloopsteene

Die Großen Sloopsteene sind das besterhaltene Großsteingrab aus der späten Jungsteinzeit in Westfalen. Das gewaltige Monument, das den Menschen über Jahrhunderte hinweg als Bestattungsort diente, wurde vor über 5000 Jahren aus tonnenschweren Findlingen gebaut; noch heute sind die Grabkammer und der umgebende Kranz aus kleineren Findlingen gut erkennbar.

Das macht die Großen Sloopsteene zur westfälischen Hauptattraktion des Tags der Megalithik, der am Sonntag, 30. April, europaweit rund um das Motto „Moving Stones – Steine bewegen“ stattfindet. Der Tag der Megalithik wird zum dritten Mal in Westfalen ausgerichtet. In Europa beteiligen sich die Partner der Europäischen Kulturstraße „European Route of Megalithic Culture“ an diesem Tag mit vielen Aktionen unter dem gemeinsamen Motto (Quelle: Altertumskommission für Westfalen).

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Um 15 Uhr geht es tief hinein in das Thema des Tages: Im World-Café, das von der Altertumskommission zusammen mit der Arbeitsstelle Forschungstransfer der Uni Münster geleitet wird, wird bei Kaffee und Kuchen darüber diskutiert, wie solche riesigen Monumente schon vor mehr als 5000 Jahren und mit einfachsten Mitteln gebaut werden konnten. Wer stand hinter einer solchen Entscheidung ? Wie wurden Transport und Bau organisiert ? Woher kamen die Anregungen und die technischen Kenntnisse ? „Jeder ist eingeladen, sich Gedanken zu machen und eigene Ideen einzubringen, denn längst nicht alle Rätsel konnten von der Archäologie bisher gelöst werden“, betont Schierhold. „Außerdem soll es auch darum gehen, was Großsteingräber, speziell die Großen Sloopsteene, heutzutage in uns auslösen: Gehören sie zu unserer Kultur? Fühlen wir uns mit ihnen verbunden? Wie nehmen wir sie im Alltag wahr?“

Zum Thema

Termin: Sonntag, 30. April, Tag der Megalithik, Große Sloopsteene, Lotte-Wersen, 10 bis 17 Uhr Mitmachaktionen „Transport in Ton“, „Gewicht schätzen“ und „Rekonstruktion mit dem 3-D-Modell“, Infos rund um die Großen Sloopsteene, die Arbeit der Altertumskommission und des Heimat- und Kulturvereins Westerkappeln, Führungen in Kleingruppen zum Grab; ab 15 Uhr „World Café“: Diskussionsrunde zum Thema Transport und Bau von Großsteingräbern mit Kaffee und Kuchen

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