Gefiedertes Hobby
„Musik in meinen Ohren“

Westerkappeln -

Der Westerkappelner Karl-Heinz Hukriede hat mehr als 100 Sittiche in seinen Outdoor-Volièren. Zu Spitzenzeiten zwitscherten in seinem Garten sogar bis zu 500 Vögel um die Wette. Der Züchter liebt das Tirilieren der Tiere ebenso wie ihr angenehmes Wesen.

Donnerstag, 13.04.2017, 12:04 Uhr

Züchtet Sittiche seit seiner Jugend: Karl-Heinz Hukriede vor seinem Gehege. Darin fliegen auch Rotflügel-Sittiche umher (kleines Foto).
Züchtet Sittiche seit seiner Jugend: Karl-Heinz Hukriede vor seinem Gehege. Darin fliegen auch Rotflügel-Sittiche umher (kleines Foto). Foto: Katja Niemeyer

Die großen Volièren aus Holzlatten und kleinmaschigem Draht hat Karl-Heinz Huk­riede in seinem Garten in einem Halbkreis aufgebaut. Darin sitzen sie auf Ästen oder drehen eine kleine Runde durch die Luft. Wenn sie sich, wie es ihre Art ist, ruckartig umblicken, wirken die Vögel leicht gehetzt. Was aber definitiv täuscht. Denn die Tiere des Westerkappelners sind ruhige Gesellen. Bei der großen Anzahl ist das auch von Vorteil. Flattern in den Gehegen von Karl-Heinz Hukriede doch mehr als 100 Vögel umher, die allermeisten davon Sittiche : große und kleine, bunte und einfarbige, junge und alte. Außerdem noch ein paar Finken und Diamant-Tauben.

Es ist noch gar nicht lange her, da hatte der 63-Jährige sogar zwischen 400 und 500 Vögel in seinem Bestand. Als sein Bruder, mit dem er das Hobby teilt, wegzog, wurde ihm die Arbeit allein aber zu viel. Die Volièren im hinteren Teil des Gartens sind deshalb jetzt verlassen. Karl-Heinz Hukriede will sie nach und nach abbauen.

Sein Bruder war es auch, der vor mehr als 45 Jahren den Anstoß gab zu dem Hobby. „Er brachte damals einen angefahrenen Fasan mit nach Hause, den wir gemeinsam aufpäppelten“, erinnert sich Karl-Heinz Huk­riede. Rund 60 unterschiedliche Sittichsorten zwitscherten zu Spitzenzeiten hinter dem Haus des gelernten Konditors auf dem Schafberg um die Wette. Exotische Vögel mit so hübschen Namen wie Prachtrosella, Burgsittich und Stanley-Sittich. Der allerschönste unter ihnen, da muss der Züchter nicht lange überlegen, war ein Königssittich: grünes Gefieder mit rot abgesetzten Flügeln und einem roten Kopf. „Wunderschöne Sittiche“, schwärmt Karl-Heinz Hukriede von den Tieren, die bis zu 45 Zentimeter groß werden können und pro Exemplar zwischen 300 und 400 Euro kosten.

Dass die Vögel in diesen Tagen eher leise Töne anschlagen, liege an der Brutzeit, erläutert Karl-Heinz Huk­riede. Still ist es in seinem Garten deswegen aber noch lange nicht. Von den Volièren aus führt ein Trampelpfad direkt zu dem Gehege von drei Hängebauchschweinen, die seine Tochter zum Spaß auf die Namen Wodka, Whiskey und Tequila taufte und die zufrieden vor sich hin grunzen. Dazwischen springen ein paar meckernde Zwerg-Ziegen umher, die sich von Karl-Heinz Hukriede gerne den Bart kraulen lassen. Und nebenan kräht sich an diesem Vormittag ein Hahn die Seele aus dem Leib, der wohl auch der Hahn im Korb sein dürfte in einer Schar von Hühnern, Zwerg- und Laufenten sowie Höckergänsen. „Die vielen Tier-Geräusche – das ist Musik in meinem Ohren“, stellt Karl-Heinz Hukriede zufrieden fest.

Dass die Tiere auch viel Arbeit machen, das vergisst der Westerkappelner dabei schnell wieder. Gehege säubern, Wasser nachfüllen, Obst und Gemüse schnippeln und die Nester kontrollieren – damit sei er zwischen einer halben und einer dreiviertel Stunde     am Tag beschäftigt, berichtet der Familienvater. Die Zeit, die er mit An- und Verkauf und im Vogelschutz- und Liebhaberverein Tecklenburger Land verbringt, nicht mit eingerechnet. „Das ist schon ein sehr aufwendiges Hobby“, räumt er ein. Aber auch eines, das er mit Leidenschaft betreibt. In den Regalen türmt sich Fachliteratur. Karl-Heinz Hukriede hat das Verhalten seiner Lieblinge studiert. Er erkennt, wenn ihnen etwas fehlt und kann ein glückseliges Tirilieren von den teils aggressiven Balz-Rufen unterscheiden. Der Züchter hat auch eine genaue Vorstellung davon, wie sich ein Sittich gebärden sollte. „Ruhig muss er sein und sich gut vertragen mit seinen Artgenossen“, betont Karl-Heinz Hukriede, der ein lebhaftes Verhalten eigentlich nur zur Paarungszeit duldet.

Auch was das Äußere betrifft, hat der Westerkappelner genaue Vorstellungen. Das Gefieder sollte so gefärbt sein, wie es die Natur vorsieht. Sprich: Ein Wellensittich hat möglichst grün zu sein und nicht, wie durch Züchtung möglich, gescheckt, blau oder gelb, grün, schwarz gemischt. Der Westerkappelner hält auch nicht viel davon, wie er sagt, Kanarienvögel mit Beta-Karotin zu füttern, damit sich ihr ursprünglich blass-rotes Gefieder in dunkelrot verfärbt. „Davon bin ich noch nie ein Freund gewesen“, betont er. „Ich mag eher ,reine‘ Vögel und weniger die Mutationen.“

Ein Traum wäre es für ihn deshalb auch, wie er sagt, Sittiche in ihrer natürlichen Umgebung zu beobachten. Hierfür müsste er allerdings nach Australien reisen. Weil dazu bislang die Zeit fehlte, schaut er sich stattdessen Tierfilme im Fernsehen an. „Ich bin ein großer Fan von den Tierdokumentationen von Professor Bernhard Grzimek“, erzählt Karl-Heinz Hukriede, der als Konditor bei Coppenrath & Wiese beschäftigt ist, und bereits seit einigen Jahren Gesamt-Betriebsratsvorsitzender des Osnabrücker Unternehmens ist.

Im März kommenden Jahres geht er in Rente. „Dann habe ich wieder etwas mehr Zeit und stocke den Bestand vielleicht wieder etwas auf“, hofft er. Und vielleicht hat bis dahin auch das Gouldamadine-Pärchen Nachwuchs bekommen. Es sind die einzigen Exemplare, die er nicht draußen hält, sondern deren Käfig im Wohnzimmer steht. Gouldamadine gehören zur Familie der Prachtfinken. Ihr Gefieder schimmert weiß, rot und grün, ihr Zwitschern ist leise, fast wispernd. Eine, findet Karl-Heinz Hukriede, „angenehme Stimme“.

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