Wann in Westerkappeln die Fahnen gehisst werden
Ohne Pomp und Pathos

Westerkappeln -

Zu besonderen Anlässen wird in Westerkappeln geflaggt. Am 1. Mai ist so ein Tag, an dem sogar drei Flaggen feierlich vor dem Rathaus wehen, auch wenn das Hissen in der Regel ohne großen Pomp und Pathos über die Bühne geht.

Samstag, 29.04.2017, 09:04 Uhr

Am Europatag hängt die Europaflagge als wichtigste Fahne links. Daneben hängen die Deutschlandflagge und die nordrhein-westfälische. Zu außerordentlichen kommunalen Ereignissen wird auch die Gemeindeflagge gehisst.
Am Europatag hängt die Europaflagge als wichtigste Fahne links. Daneben hängen die Deutschlandflagge und die nordrhein-westfälische. Zu außerordentlichen kommunalen Ereignissen wird auch die Gemeindeflagge gehisst. Foto: Christoph Pieper

Hollywood hat das Prozedere in den USA wohl schon unzählige Male ins Szene gesetzt: Ein Soldat hisst „The Star-Spangled Banner “, ein anderer bläst auf der Trompete und die anderen salutieren ehrfürchtig. Auch in Frankreich sind die Menschen stolz auf ihre „tricolore“. Und heutzutage gibt es kaum noch Sportler, die ihre internationalen Erfolge ohne Nationalfahne feiern. Die Flagge hat überall auf der Welt einen hohen Symbolcharakter und ist für viele Menschen ein Teil der eigenen Identität.

Zu besonderen Anlässen wird auch in Westerkappeln geflaggt. Am 1. Mai ist so ein Tag, an dem sogar drei Flaggen feierlich vor dem Rathaus wehen, auch wenn das Hissen in der Regel ohne großen Pomp über die Bühne geht.

„Für das Beflaggen brauche ich ungefähr zehn Minuten und es geht dabei wenig feierlich zu“, erzählt Thomas Jaretzki . Er ist der Hausmeister des Westerkappelner Rathauses und für das pünktliche und ordnungsgemäße Beflaggen der Masten zuständig.

„Pünktlich“ und „ordnungsgemäß“ sind sperrige Wörter, aber sie haben in diesem Zusammenhang ihre Berechtigung. In Deutschland gibt es, wer hätte es gedacht, einen Beflaggungserlass der Bundesregierung und im Falle von Nordrhein-Westfalen eine im Landesgesetz verankerte „Beflaggungsverordnung“, die das öffentliche Flaggen detailreich regeln. Letztgenannter ist beispielsweise zu entnehmen, dass es in NRW zehn regelmäßige Beflaggungstage gibt (siehe Infobox). Einer davon ist der „Tag des Friedens und der Völkerverständigung“, der am Montag, also am 1. Mai, begangen wird. Thomas Jaretzki muss deshalb schon früh aufstehen, denn die Verordnung verlangt, dass die Flaggen um 7 Uhr morgens aufgehängt werden müssen. Erst nach Einbruch der Dunkelheit dürfen sie wieder abgenommen werden.

Im Keller des Verwaltungsgebäudes hat Jaretzki Zugriff auf vier verschiedene Flaggen. Die Flagge der Europäischen Union, die Flagge der Bundesrepublik Deutschland, die Flagge des Landes Nordrhein-Westfalen und, geziert mit der Reinhildis, die Flagge der Gemeinde Westerkappeln.

Ortskundigen Bürgern wird an dieser Stelle auffallen, dass es vor dem Rathaus lediglich drei Fahnenmasten gibt. Das ist jedoch kein Problem, denn die Verordnung regelt selbstverständlich auch die Reihenfolge der Beflaggung. „Mit Blick auf das Rathaus hängt links die wichtigste Flagge“, erläutert Jaretzki. Aus diesem Grund ist beispielsweise am Europatag (9. Mai) keine Gemeindeflagge zu sehen. Diese würde aber selbstverständlich gehisst, wenn ein außerordentliches Ereignis speziell Westerkappeln betrifft, denn auf kommunaler Ebene kann die Bürgermeisterin eine Beflaggung anordnen.

So wie in der vergangenen Woche, als französische Austauschschüler der Realschule im Rathaus empfangen wurden. Außerordentliche Beflaggung kann auch vom Innenminister Nordrhein-Westfalens oder sogar von der Bundesregierung angeordnet werden. Quasi per Dekret. „Zuletzt gab es eine solche Anordnung nach dem Terroranschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt“, berichtet Jaretzki, der in solchen Fällen kurzfristig reagieren muss. Zu solch einem schrecklichen Anlass verlangt die Verordnung eine Trauerbeflaggung. Die Flaggen sollen also nur auf halbmast gesetzt werden. „Das können wir hier in Westerkappeln allerdings nicht, da wir hochformatige Flaggen haben“, klärt Jaretzki auf. Die Flaggen der Gemeinde werden daher in einem solchen Fall mit dem schwarzen Trauerflor versehen.

Im Mai muss Jaretzki übrigens gleich vier Mal an die Arbeit, denn neben drei fixen Beflaggungstagen kommt in diesem Jahr noch der Tag der Landtagswahl dazu. Genügend Gelegenheit also für die Westerkappelner, sich an dieser Symbolik zu erfreuen. Und das unabhängig von der Wetterlage. „Es wird auch bei Regen und Schnee geflaggt“, sagt Jaretzki.

Die Flaggen werden dann anschließend ganz unspektakulär im Keller des Rathauses zum Trocknen aufgehängt. Einzig ein schwerer Sturm könne eine Beflaggung verhindern, meint Jaretzki, der sich in seiner 24-jährigen Tätigkeit als Hausmeister des Rathauses aber nicht an einen solchen Fall erinnern kann.

Und deshalb wehen die Flaggen auch am 1. Mai wieder in voller Pracht vor dem Rathaus. Ohne den Pathos aus Hollywood, aber doch irgendwie feierlich.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4795624?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F188%2F4852225%2F4896987%2F
Nachrichten-Ticker