„Archäologen geht es um die Wahrheit“
Wieland Wienkämper hat besondere Beziehung zum Grosteingrab im Werser Holz

Westerkappeln/Lotte -

Dr. Wieland Wienkämper kletterte schon als Kind häufig auf den Großen Sloopsteenen herum. „Für mich war das ein großer Abenteuerspielplatz“, sagt der 61-Jährige. Und das jahrtausendalte Monument war auch einer der Impulse, warum Wienkämper Archäologie studiert hat. „Mit den Jahren hatte man natürlich Fragen, was dahinter steckt.“

Sonntag, 30.04.2017, 15:04 Uhr

Wieland Wuienkämper kletterte schon als Kind auf den Sloopsteenen herum. Das Großsteingrab war für den Westerkappelner auch ein Impuls, Archäologie zu studieren. Rund 5000 Jahre alt ist eine verzierte Scherbe, die Wieland Wienkämper vor die Kamera hält (Bild links). Gefunden hat er dieses und weitere Bruchstücke 1981 an der Oberfläche eines Erdhügels nahe der Sloopsteene.Rund 5000 Jahre alt i
Wieland Wuienkämper kletterte schon als Kind auf den Sloopsteenen herum. Das Großsteingrab war für den Westerkappelner auch ein Impuls, Archäologie zu studieren. Rund 5000 Jahre alt ist eine verzierte Scherbe, die Wieland Wienkämper vor die Kamera hält (Bild links). Gefunden hat er dieses und weitere Bruchstücke 1981 an der Oberfläche eines Erdhügels nahe der Sloopsteene.Rund 5000 Jahre alt i Foto: Frank Klausmeyer

Heute arbeitet Wienkämper , der seit Kurzem auch zum vierköpfigen Vorstand des Kultur- und Heimatvereins Westerkappeln gehört, als Pädagoge an den Privaten Schulen Krüger in Wersen . Der Archäologie blieb er aber stets eng verbunden. 2013 fanden vor der Sanierung des Kirchplatzes unter seiner Leitung dort Ausgrabungen statt. 2011 hatte Wienkämper „Am Sundern“ in Westerbeck zufällig wie fachkundig eine mittelalterliche Siedlung entdeckt.

Wissenschaftliche Neugier war es auch, die ihn 1981 antrieb, sich die Sloopsteene durch die Brille des Archäologen noch einmal genauer anzusehen. „Zu dem Zeitpunkt war ich schon recht gut ausgebildet, was die Erkundung von Bodendenkmälern angeht“, erzählt der Westerkappelner.

Einige Zeit zuvor hatte er während seines Studiums mit Interesse eine Archäologentagung vom nordwestdeutschen Verband für Altertumskunde verfolgt. In dessen Rahmen habe es eine Exkursion ins Tecklenburger Land gegeben, unter anderem zu den Sloopsteenen. Ein Wissenschaftler des Amtes für Bodendenkmalpflege habe dabei erklärt, dass Funde aus dieser Grabanlage nicht bekannt seien. „Das war zu dem Zeitpunkt nicht ganz richtig“, betont Wienkämper mit Hinweis auf den Vortrag eines Studienkollegen in Kiel über Metallfunde in Megalithgräbern, In seinem Referat habe der Kommilitone auch über ein Röhrchen aus Kupferblech berichtet, das von den Großen Sloopsteenen stammen soll.

Bei einer privaten Erkundung am Gabelin fielen Wienkämper die Aufschüttungen ins Auge, die nicht natürlichen Ursprungs sind und die bereits 1807 dem Grafen zu Münster-Langelage aufgefallen waren. Während der Laienforscher den kleinen Hügeln offenbar keine weitere Beachtung schenkte, schaute sich Wienkämper sie genauer an. „Ich habe immer mal wieder an der Oberfläche Scherben gefunden, die aus der Zeit der Trichterbecherkultur stammen.“ Dieses Wissen und die Relikte der Vergangenheit behielt der Westerkappelner Archäologe natürlich nicht für sich, sondern meldete seine Entdeckungen ordnungsgemäß dem damaligen Amt für Bodendenkmalpflege. Die Fundberichte seien auch veröffentlicht worden.

Diese Quelle war für Dr. Kerstin Schierhold , die bei der Altertumskommission für Westfalen ein Projekt zur Megalithik in der Region leitet, Anlass genug, Wieland Wienkämper zu kontaktieren und die Sloopsteene systematisch zu untersuchen. „Ich freue mich sehr, dass sich hier endlich was getan hat“, sagt der 61-Jährige.

Besonders wichtig findet er, dass so auch mit manchen – wenn auch spannenden Legenden – aufgeräumt wird; sei es die vom Grabmal eines heidnischen Königs oder gar Spekulationen über einen Kultplatz für Blutopfer. „Das Anliegen der Archäologie ist es, die Wahrheit zu finden.“

Die Großen Sloopsteene seien Begräbnisstätten für eine Gemeindeschaft gewesen, erklärt Wienkämper zum aktuellen Forschungsstand. Die Menschen, die auf den verstreuten Höfen in der Umgebung lebten, hätten hier ihre Toten bestattet. „Das Grab ist ein Gemeingut.“

Fest steht mittlerweile ebenso, dass die Großen Sloopsteene weit älter sind, als es auf der Messingtafel vor dem Megalithgrab (um 2000 vor Christus) zu lesen ist. Die Geschichte sollte an dieser Stelle nun nicht ganz neu, aber doch bald umgeschrieben werden, findet auch Wienkämper. „Das ist der Forschungsstand der 1970er Jahre.“

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