Pläne für Bahnunterführung in Velpe werden konkreter
Komplexes Projekt

Westerkappeln-Velpe -

Der Bau einer Bahnunterführung für die Tecklenburger Straße (L 584) in Velpe rückt näher – ein komplexes Projekt. In drei Jahren könnte es aber losgehen. Dr. Jonas Buchholz von der Deutsche Bahn Netz AG in Osnabrück nannte dies am Mittwochabend bei einer sehr gut besuchten Anliegerversammlung im Saal der Gaststätte „Cord´s Catering“ ein „realistisches Ziel“.

Donnerstag, 04.05.2017, 15:05 Uhr

Die Tecklenburger Straße soll in Zukunft unter den Gleisen hergehen. Nördlich und südlich der Schiene werden für die Laggenbecker Straße und die Straße Am Velper Bahnhof Brücken gebaut. Das ist jedenfalls eine favorisierte Variante. Das Stellwerkgebäude muss dann abgerissen werden. Diese Variante wird zurzeit favorisiert. Die Laggenbecker Straße führt nördlich der Gleise über die Tecklenburger Straße mit Schleife auf die Landstraße. Für die Straße Am Velper Bahnhof werden südlich der Schiene Brücke und Schleife gebaut.
Die Tecklenburger Straße soll in Zukunft unter den Gleisen hergehen. Nördlich und südlich der Schiene werden für die Laggenbecker Straße und die Straße Am Velper Bahnhof Brücken gebaut. Das ist jedenfalls eine favorisierte Variante. Das Stellwerkgebäude muss dann abgerissen werden. Diese Variante wird zurzeit favorisiert. Die Laggenbecker Straße führt nördlich der Gleise über die Tecklenburger Straße mit Schleife auf die Landstraße. Für die Straße Am Velper Bahnhof werden südlich der Schiene Brücke und Schleife gebaut. Foto: Frank Klausmeyer

Mittlerweile liegen vier Alternativen für die vier Bahnübergänge (BÜs) in Velpe vor. „Wir hoffen, dass wir im Sommer eine Vorzugsvariante haben“, sagte Dr. Waldemar Krakowski , Ingenieur bei der Emch+Berger Projekt GmbH, die die Pläne im Auftrag der Bahn erstellt. Zwei Favoriten gibt es schon.

Nachgedacht wird über den Umbau der Bahnübergänge schon seit 30 Jahren. Seit zwei Jahren geht es nun aber konkret voran. Im Frühjahr und im Spätherbst 2015 hatten die Projektbeteiligten – Bahn, Landesbetrieb Straßen NRW, Kreis Steinfurt und Gemeinde Westerkappeln – die Velper Bürger bereits zu Informationsveranstaltungen eingeladen. Die Diskussionsergebnisse von damals sind ebenso in die jetzigen Planungen eingeflossen wie aktuelle Verkehrsuntersuchungen und erste Berechnungen der Kosten. Diese könnten sich in einem Rahmen von 15 bis 20 Millionen Euro bewegen, nannte Stephan Selker , Leiter des Kreisstraßenbauamtes, eine grobe Hausnummer.

Nur mäßige Verkehrsbelastung

Eine Grundlage für das Bahnübergänge-Konzept ist eine vergangenes Jahr vorgenommene Verkehrsuntersuchung. Stephan Selker, Leiter des Kreisstraßenbauamtes, hält mit Blick auf die Ergebnisse „ein Wehklagen über die Verkehrsbelastung für unangebracht.“ Denn im Vergleich zu anderen Land- oder Kreisstraßen seien in Velpe eher wenige Kraftfahrzeuge unterwegs. Woanders würden bis zu dreifache Werte ermittelt.

Die Planungsgemeinschaft Theine (PGT) hatte im Auftrag der Emch+Berger Projekt GmbH nicht nur Autos und Lkw gezählt, sondern deren Fahrwege auch mithilfe einer Videoanalyse ausgewertet. Die Fahrzeugbewegungen seien mindestens 24 Stunden, in einigen Fällen aber auch an drei oder sogar über eine ganze Woche gezählt worden, berichtete Ingenieur Ralf Losert.

Auf der Tecklenburger Straße (L 584) seien in der Spitze bis zu 2500 Kraftfahrzeuge unterwegs. Auf der Laggenbecker Straße (K 12) wurden maximal 1100 Kfz registriert. Richtung Osten seien auf der K 12 allerdings mit 60 bis 80 Fahrzeugen nur „Apothekereinheiten“ festgestellt worden, meinte Losert. „Dass da keine Gänseblümchen durch den Asphalt kommen, wundert schon“, meinte Losert weiter.

Am Hollesch, eine Siedlungsstraße, wurden immerhin 570 Fahrzeuge pro Tag gezählt, teilweise werde diese wohl auch von Bahnübergangsflüchtlingen genutzt, schlussfolgerte der Fachmann.

Die Unterführung am Ende der Laggenbecker Straße, das sogenannte Mauseloch, nutzten immerhin 1200 Autos – Lastwagen passen da nicht durch. Die Zahl der Radfahrer auf den untersuchten Straßen bezeichnete Losert als „verdammt gering“.

Angesichts dieser eher mäßigen Belastung stellten einige Anwohner die Notwendigkeit einer Bahnunterführung für die Tecklenburger Straße in Abrede. Für einen beschrankten Übergang sei das dann aber doch zu viel Verkehr, erwiderte Andreas Tomm, Manager der DB Netz AG.

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Die am Mittwoch von Anliegern geäußerte Kritik, es handele sich ja wohl um einen Schildbürgerstreich, wiesen die Behördenvertreter vehement zurück. „Jeder Bahnübergang ist ein Sicherheitsrisiko“, erklärte Andreas Tomm, Projektmanager der DB Netz AG . Der Bund werde eine von Bürgern alternativ empfohlene Modernisierung des Bahnübergangs an der Tecklenburger Straße gar nicht genehmigen. Selker wies darauf hin, dass auf der Bahnstrecke Osnabrück-Bad Bentheim die L 584 in Velpe eine der letzten Landstraßen sei, wo es noch Schranken gebe. Die hohen Investitionskosten seien nicht zuletzt der Topographie geschuldet, ergänzte Christian Müller aus der Niederlassung Münster von Straßen NRW mit Hinweis auf die großen Höhenunterschiede.

Die vier zur Diskussion stehenden Varianten haben ein paar Gemeinsamkeiten: In allen Fälle wird die Tecklenburger Straße um einige Meter nach Osten verschwenkt und durch ein sogenanntes Trogbauwerk unter die Bahnlinie geführt. Die Bahnübergänge Sommerkamp und am Siekenweg/Velper Straße werden komplett aufgegeben.

In der Variante 4 würde sogar der BÜ Ringstraße geschlossen. Stattdessen soll dann im Bereich des Gattenweges ein neuer Übergang geschaffen werden. Darüber hinaus ist dieses Konzept identisch mit der Variante 1: Die Laggenbecker Straße (K 12) wird verlängert, nördlich der Gleise mit einer Brücke über die Tecklenburger Straße geführt und mit einer Schleife in Höhe des Holl­esches an die L 584 angeschlossen. Parallel dazu wird dann die Straße Am Velper Bahnhof südlich der Schienen ebenfalls als Brücke über die Tecklenburger Straße führen und mit einer Schleife an diese angebunden.

Diese Variante wird zurzeit favorisiert. Die Laggenbecker Straße führt nördlich der Gleise über die Tecklenburger Straße mit Schleife auf die Landstraße. Für die Straße Am Velper Bahnhof werden südlich der Schiene Brücke und Schleife gebaut.

Diese Variante wird zurzeit favorisiert. Die Laggenbecker Straße führt nördlich der Gleise über die Tecklenburger Straße mit Schleife auf die Landstraße. Für die Straße Am Velper Bahnhof werden südlich der Schiene Brücke und Schleife gebaut.

Zwischen diesen beiden Varianten gebe es derzeit ein „ziemlich enges Kopf-an-Kopf-Rennen“, meinte Krakowski. Die Variante 2, wonach die K 12 über den Holl­esch auf die Tecklenburger Straße führen soll, scheint dagegen mit Rücksicht auf die Anwohner vom Tisch. Gleiches gilt wohl auch für die dritte Alternative: Dabei wird die kleine Unterführung am Ende der Laggenbecker Straße – das von den Planern so benannte Mauseloch – für den Verkehr auf der K 12 um 70 Meter nach Westen verlegt. Das wäre aber technisch sehr aufwendig und teuer.

Wie geht´s nun weiter ? Für alle Varianten müssen die Auswirkungen auf die Landschaft und Umwelt untersucht werden. „Ein Grundsatz ist, die Eingriffe so weit wie möglich zu minimieren“, erläuterte Krakowski. Wichtig: Bis auf das Stellwärtergebäude müsse kein Haus weichen, versicherte der Ingenieur.

Elektronisches Stellwerk

Die Bahnstrecke von Osnabrück bis zur niederländischen Grenze soll auf das Elektronische Stellwerk (ESTW) umgestellt werden. Mit weniger Personal und moderner Technik soll der Schienenverkehr künftig sicherer und verlässlicher organisiert werden. Im raum stehen dafür Investitionen bis zu 200 Millionen Euro. Das ESTW soll nach Angaben der DB Netz AG 2022 in Betrieb genommen werden.

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Die Entwurfs- und Genehmigungsplanung soll im kommenden Jahr abgeschlossen werden. Dann kann das Planfeststellungsverfahren beginnen. Für 2019 werden die Ausführungsplanung und das Vergabeverfahren ins Auge gefasst. Spätestens 2022 sollen die Unterführung fertig und die anderen BÜs um- oder rückgebaut sein. „Die Bauzeit hängt auch von der Variante ab. Das ist eine sehr komplexe Maßnahme mit sehr vielen Beteiligten“, gab Krakowski zu bedenken.

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