Frühere Pfarrfrau Jutta Wessel auf dem Weg ins Ruhrgebiet
Im Stillen viel bewirkt

Westerkappeln -

Fast unbemerkt, still und überraschend verlässt in diesen Tagen Jutta Wessel, geborene Daubert, Westerkappeln. „An der Seite ihres Mannes, Pfarrer Herbert Wessel, stand die heute 79-jährige ihre Frau“, schreibt Pastor i.R. Horst-Dieter Beck und erinnert an dieser Stelle „an das Wirken einer Pfarrfrau, die es so heute kaum noch gibt“:

Mittwoch, 10.05.2017, 06:05 Uhr

An der Seite ihres Mannes Herbert Wessel, früherer Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde, wirkte Jutta Wessel an zahlreichen Stellen mit.
An der Seite ihres Mannes Herbert Wessel, früherer Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde, wirkte Jutta Wessel an zahlreichen Stellen mit. Foto: Anke Beimdiek

1959 kam sie nach Westerkappeln . Am 16. April 1959 traute Pastor Julius Voget Herbert und Jutta Wessel in der Stadtkirche. Wenn sie nun nach fast 60 Jahren Westerkappeln bescheiden und zufrieden verlässt, dann sollte die Arbeit einer Pfarrfrau kurz gewürdigt werden. Denn Menschen im zweiten Glied stehen oft abseits, obwohl sie im Stillen und Verborgenen viel gearbeitet und bewirkt haben.

Das Wirken von Jutta Wessel umfasst einen großen Radius an der Seite ihres Mannes. Sie ist nicht nur Ehefrau und später Mutter dreier Kinder, sondern Sekretärin und Türöffnerin zu allen Stunden. Damals ist erwartet worden, dass sie – wo auch immer – präsent ist: Im Pfarrhaus, im Kirchenchor, in der Frauenhilfe und als Trösterin bei Krankheit, Not und Tod. Das verlangt seelsorgerische Kompetenz und Verschwiegenheit.

Pfarrer Herbert Wessel hatte vom Oberkirchenrat in Bielefeld den Auftrag erhalten, die Bauvorhaben in Westerkappeln voranzubringen: Umbau des Pfarrhauses (wo heute eine neue Wohnanlage steht), Bau des Dietrich-Bonhoeffer-Hauses, den Bau der Südkirchen und die Einrichtung einer dritten Pfarrstelle. Jutta Wessel hat das alles begleitet.

Solche Vorhaben bringen harte Planungsarbeiten mit sich, Sitzungen und Beratungen ohne Ende und auch Ärger. Vielleicht kann man den Stress auch nur an der Seite einer Frau aushalten, die großes Verständnis aufbringt und mitdenkt. Später kam die Arbeit im Diakonischen Werk mit dazu. Viele Projekte wurden verwirklicht.

Jutta Wessel hatte auch ein eigenes Werk: Die Flötengruppen für Anfänger und Fortgeschrittene. Sie hat da viel Zeit investiert. Einige Kinder, heute selbst Mütter und Väter aus Westerkappeln, könnten aus dieser aktiven Zeit berichten, von Proben und von der Gestaltung der Gottesdienste. Und dann darf man die Familienfreizeiten nicht vergessen, die das Ehepaar Wessel in Kärnten und Südtirol organisierte.

Jutta Wessel hat sich nach dem Tod ihres Mannes 2012 nicht zurückgezogen. Der Seniorenkreis und die Frauenhilfe haben ihr am Herzen gelegen, besonders die Mitte des Gemeindelebens, der Gottesdienst. Gern hat sie an die Zeiten zurück gedacht, die viel zu schnell davonliefen, die 33 Dienstjahre ihres Mannes, die sie intensiv begleitete.

Es waren gute und schwere Zeiten dabei, aber auch viele Höhepunkte. Gern erinnert sie sich an die „Aufbruch-Stimmung“ der Epoche „Wessel-Schneider-Beck“, als der gemeinsame Dienst die Eheleute zu Freunden werden ließ oder an die Entwicklung der Kirchenmusik von der Familie Berge über Richard Gehrke bis zu Martin Ufermann. Schmunzelnd erinnert sie sich an die Anfangsjahre, als von der Pastorenfrau erwartet wurde, im Kleid oder Rock zu erscheinen – Hosen wären unmöglich gewesen.

Nun zieht Jutta Wessel in die Nähe der Kinder, die im Ruhrgebiet ihre Heimat gefunden haben. Auch Jürgen, Carla und Thomas haben am Gemeindeleben in Westerkappeln rege teilgenommen“, erinnert Horst-Dieter Beck in seinem Beitrag. „Uns bleibt da eine lebendige Erinnerung an die Wessels, die in Westerkappeln viel bewegt haben. Die besten Wünsche geleiten Jutta Wessel hinein in den neuen Lebensabschnitt. Eine ganze Anzahl alter Gemeindeglieder grüßen dankbar und herzlich und sagen: Gott befohlen !“

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