Jugendschöffengericht Ibbenbüren verurteilt 20-jährigen Westerkappelner
Mit gefangen, mit gehangen

Westerkappeln/Ibbenbüren -

„Mit gefangen, mit gehangen“ – getreu diesem Sprichwort ist am Mittwoch ein 20-jähriger Westerkappelner vom Jugendschöffengericht in Ibbenbüren verurteilt worden. Er war vor gut einem Jahr mit seinem Vater und seinen beiden Brüdern an einer gewalttätigen Auseinandersetzung beteiligt.

Mittwoch, 10.05.2017, 17:05 Uhr

 
  Foto: : Matthias Hiekel

„Es klingelte, und dann ging es auch schon los“, erinnern sich Zeugen an das Geschehen, das sich an einem Abend Mitte März des vergangenen Jahres in einer Wohnung mitten in Westerkappeln zugetragen hat.

Was da losging, ist mit gesundem Menschenverstand kaum zu fassen. „Da kamen sie auf die glorreiche Idee, sich das in der Wohnung vergessene Portemonnaie notfalls gewaltsam zurückzuholen, und fielen dort ein“, führte am Mittwoch vor dem Jugendschöffengericht Ibbenbüren der Sitzungsvertreter der Staatsanwaltschaft in seinem Plädoyer aus.

Sie, das sind ein Mann aus Westerkappeln und seine drei Söhne. Während der Vater mit einer Eisenstange auf den Mieter und seine Gäste losstürmte, legten die Söhne mit den Fäusten los. Soweit der Anklagevorwurf.

Ein Mann erlitt eine Platzwunde am Kopf und eine Gehirnerschütterung, der Verdacht auf einen Armbruch eines anderen bestätigte sich nicht. Er trug eine schwere Prellung davon.

Der Jüngste des Quartetts, ein 20-Jähriger, erhielt nun vom Gericht die Quittung für die gemeinschaftlich begangene gefährliche Körperverletzung. Er bekam die Weisung, binnen drei Monaten 80 Sozialstunden abzuleisten und bei der Jugendgerichtshilfe zwei Beratungsgespräche zu seiner beruflichen Perspektive wahrzunehmen. Zudem muss er 800 Euro Schmerzensgeld an den einen Geschädigten zahlen. Die acht Raten á 100 Euro werden auf etwaige weitere Ansprüche, die von den Geschädigten geltend gemacht werden könnten, angerechnet.

Auf dieses Prozedere hatten sich Jugendschöffengericht, Staatsanwaltschaft, Verteidigung und Jugendgerichtshilfe in einer Vorbesprechung geeinigt. Voraussetzung für den Deal war ein Geständnis des jungen Mannes.

Über seinen Verteidiger räumte der 20-Jährige die Vorwürfe zu seiner Person ein. Er ließ jedoch darauf hinweisen, dass er nicht, wie in der Anklage beschrieben, verstärkte Quarzsandhandschuhe, sondern normale Gartenhandschuhe getragen habe. Angaben zu den Tatbeiträgen des Vaters und der älteren Brüder machte der Angeklagte mit Rücksicht auf deren Verfahren nicht.

„Sie haben zur Aufklärung eine Menge beigetragen und Verantwortung für ihre Tat übernommen“, hielt der Vorsitzende Richter dem Mann zugute. Keiner der Zeugen habe ihm besonders brutales Verhalten vorgeworfen. Zudem sei er nicht einschlägig vorbestraft.

Dennoch gelte das Sprichwort „Mit gefangen, mit gehangen“, wandte er sich an den 20-Jährigen, bei dem wegen einer Reifeverzögerung Jugendstrafrecht zur Anwendung komme. Er riet ihm, in Zukunft besonnen zu sein, falls sich noch einmal eine solche Familiendynamik entwickele.

Für den Vater und seine Söhne ist die juristische Aufarbeitung noch nicht beendet. Nach einigen Zivilverfahren werden noch strafrechtliche Hauptverhandlungen am Amtsgericht Tecklenburg folgen. „Das wird teuer“, betonte der Vorsitzende Richter.

Der 20-Jährige zeigte sich am Mittwoch einsichtig. Er versicherte, dass es ihm leid tue und dass so etwas nicht noch einmal vorkommen werde.

Dank der getroffenen Verfahrensabsprache brauchten viele Zeugen, die am Tattag dabei gewesen waren, nicht auszusagen.

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