Flur- und Straßenkunde: Der Braumkamp in Alt-Lotte
Wo der Ginster gelb blüht

Lotte/Westerkappeln -

In Lottes Osten, nahe der ehemaligen Grenze des Königreichs Hannover, verläuft parallel zur alten B 65 der Braumkamp. Mit der Farbe braun, Bäumen oder gar braunen Bäumen hat Braum dabei nichts zu tun. Hier fand eine typische Art der nordwestdeutschen Sandheiden den Weg aufs Straßenschild.

Samstag, 13.05.2017, 05:05 Uhr

Ginster blüht auf extrem nährstoffarmen Böden.Der Braumkamp in Alt-Lotte verläuft parallel zur alten B 65.
Ginster blüht auf extrem nährstoffarmen Böden.Der Braumkamp in Alt-Lotte verläuft parallel zur alten B 65. Foto: Astrid Springer

„Auf der Heide“ ist ein Begriff aus dem Mittelalter und bezieht sich auf die einstige Allmende oder Mark. Hier wurde das Vieh geweidet, Plaggen gestochen und Brennholz gesammelt, wobei eine Allemende Gemeinschaftseigentum war. Dass wir uns am Braumkamp in der ehemaligen Mark und also auf einer alten Heidefläche bewegen, zeigt auch die benachbarte Straße „Feldmark“ an.

Die intensive Nutzung hatte zur Folge, dass die Böden extrem nährstoffarm waren und nur wenige, spezielle Pflanzenarten gedeihen konnten, die den Charakter der Heiden prägten. Hinweis darauf geben auch die benachbarten Straßennamen Wacholderweg und Ginsterweg. Letzterer liegt direkt am Braumkamp und ist sozusagen das hochdeutsche Pendant: denn Braum ist Osnabrücker Mundart und gehört zum westfälischen Bram, hervorgegangen aus dem mittelniederdeutschen Bram mit der Bedeutung Ginster, Brombeere oder Dornstrauch. Etymologisch geht es auf das germanische Bremo – Dornstrauch und das indogermanische berem – Spitze, Kante zurück.

  Foto: Astrid Springer

Bramkamp ist ein verhältnismäßig häufiger Flurname, was in der Natur der Sache liegt: Die Heideflächen waren groß, und Brombeeren wie Ginster konnten sich hier bestens verbreiten. Der botanische Trick des Ginsters: Er lagert Stickstoff aus der Luft in Wurzelknöllchen ein und ist dabei sehr schnellwüchsig, eine echte Pionierpflanze. Bei entsprechendem Alter kann der Strauch bis zu drei Meter hoch werden.

Varianten von Bram sind Braam, Brame, Bramm und eben Braum. Auch das benachbarte Westerkappeln hat seinen Bramkamp am Sennlicher Weg nahe der Lotter Straße. Darüber hinaus existieren in Westerkappeln die Flurnamen Braamkampe, Günnenbramenkampe, Brambreite, Brambreede. Die Halener Brombreede dürfte ebenfalls hierher gehören (mittelniederdeutsch: Bromen), einen gleichnamigen Braumkamp gibt es in Bersenbrück. Im nahe gelegenen Osnabrücker Ortsteil Atter heißt es dann allerdings wieder Bramkamp.

Der Braumkamp in Alt-Lotte verläuft parallel zur alten B 65.

Der Braumkamp in Alt-Lotte verläuft parallel zur alten B 65. Foto: Astrid Springer

Am Lotter Braumkamp verlieh höchstwahrscheinlich – wie in den meisten Fällen im Tecklenburger Land – der Besenginster Flur und Straße seinen Namen, was sich auch im benachbarten Ginsterweg widerspiegelt.

Immerhin: der goldgelb blühende Strauch wächst hier tatsächlich noch wild an der Straße.

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