Männerkreis Velpe
„Kein Verfechter religiöser Toleranz“

Velpe -

Auch wenn Luther den Islam unter bestimmten Vorzeichen durchaus positiv wahrgenommen habe, das glaubhaftere Büßen der Muslime, deren überzeugenderes Beten, die eindrucksvolle Askese, die züchtige Kleidung der Frauen und einiges mehr gewürdigt habe, sei er für ihn doch gleichzeitig Irrglaube und Verführung des Teufels und damit eine Religion gewesen, die man nicht gleichberechtigt dulden dürfe. Zu diesem ernüchternden Ergebnis kommt Pastor Olaf Maeder am Montag am Ende seiner Ausführungen im Martin-Niemöller-Haus.

Dienstag, 16.05.2017, 16:05 Uhr

Pastor Olaf Maeder sprach im Männerkreis zum Thema „Martin Luther und der Islam“.
Pastor Olaf Maeder sprach im Männerkreis zum Thema „Martin Luther und der Islam“. Foto: Dietlind Ellerich

Martin Luther und der Islam“ war im Männerkreis das Thema, in das sich Maeder schon im Jahr 1990 in seiner Examensarbeit vertieft hatte. „Ich war völlig perplex, was Luther und der Islam miteinander zu tun haben könnten“, erinnert er sich an das damals für ihn theologische Neuland und fand in der Folge mehr polemische Schriften und negative Aussagen des Reformators, als er jemals vermutet hatte.

Maeder ist es wichtig, diese in den historischen Kontext einzuordnen. „Der Thesenanschlag 1517 fällt mitten in eine Zeit, in der sich das Osmanische Reich ausdehnt, die Türken kurz vor Wien stehen“, gibt der Velper Pfarrer zu bedenken, dass diese Angst und Bedrohung die Menschen des 16. Jahrhunderts nachhaltig beeinflusst habe.

Obwohl Luther keine dezidierte Kenntnis gehabt, sich selbst auf Flugschriften gestützt habe, sieht er den Islam als Blendwerk des Teufels. „Er ist überzeugt, dass die Türken vor Wien eine Strafe Gottes sind“, erklärt Maeder Luthers Vorstellung von Geschichte. Alles, was geschehe, stehe in der Bibel, man müsse nur nachschauen und verstehe die Weltgeschichte, fährt er fort. „Ein ähnliches Verständnis haben Sekten“, zieht er den Vergleich mit den Zeugen Jehovas.

Martin Luther wolle keinen Kreuzzug gegen die Türken führen, sei aber auch „kein Verfechter religiöser Toleranz“. Für Luther sei die evangelische Lehre „die einzig wahre Religion“. „Luther ist ein zutiefst mittelalterlich geprägter Christ“, der mit interkulturellem Dialog oder gar gelebter Toleranz nichts am Hut habe, macht Olaf Maeder deutlich. Das betreffe den Islam wie das Judentum gleichermaßen. „Der Reformator hat zur Lösung der Frage, wie die Beziehungen des Abendlandes zum Islam umgestaltet werden können, kaum einen positiven Beitrag geleistet“, ist der Theologe überzeugt.

Er hält es mit dem Kirchenhistoriker Thomas Kaufmann, der dazu auffordere, „nicht das eigene Denken aufzugeben“. Es reiche nicht, „nur seinen Luther zu kennen“, wie es fundamentalistische Gruppen formulierten. „Wir müssen anders mit anderen Religionen umgehen, als es für Martin Luther selbstverständlich war“, stellt Maeder klar und weiß sich damit im Einklang mit der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), die sich stattdessen für Islam-Unterricht an Schulen und islamische Theologie an Universitäten einsetze.

„Ohne Türken keine Reformation“, zitiert Maeder Kaufmanns „steile These“, die Reformation habe sich ausbreiten können, weil die Gefahr der Türken vor Wien Katholiken und Protestanten gezwungen hätten, gemeinsam zu handeln.

Im Anschluss an Maeders Vortrag entspann sich unter den Männern im Martin-Niemöller-Haus eine kontroverse Diskussion rund um die Frage, ob der Islam zu Deutschland gehöre.

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