Flur- und Straßenkunde: Wallenbrock in Seeste
Ein Mühle im wogenden Sumpf

Westerkappeln -

Wer von Westerbeck gen Seeste fährt, durchquert ein Gebiet namens Wallenbrock, eine von zahlreichen Gräben durchzogene Tiefebene, geprägt von sumpfigen Wiesen und vielen kleineren, meist flachen Tümpeln, von Quellen gespeist. Eine dieser Quellen ist Diersmanns Wellen, deren Wasser einen kleinen Teich füllt.

Freitag, 19.05.2017, 08:05 Uhr

Klares Indiz für die Nutzung der Wasserkraft der Diersmanns Wellen: eine Staumauer mit Durchlass; hier soll die Mühle gewesen sein.Dieses beiden Mühlsteine stammen vom ehemaligen Hof Diersmann.Im Wallenbrock findet man auch diese Kopfweiden.
Klares Indiz für die Nutzung der Wasserkraft der Diersmanns Wellen: eine Staumauer mit Durchlass; hier soll die Mühle gewesen sein.Dieses beiden Mühlsteine stammen vom ehemaligen Hof Diersmann.Im Wallenbrock findet man auch diese Kopfweiden. Foto: Astrid Springer

In einem Güterverzeichnis aus dem Jahr 1188 wird Wallenbrock erstmals erwähnt: in parrochia Kappelen prope Thekeneborch domus in Wallenbroeke – im Kirchspiel Cappeln bei Tecklenburg, ein Haus in Wallenbrock. 1580 ist ein Meyer zu Wallenbrock im Schatzungsregister verzeichnet. Beide Erwähnungen als Ortsangabe lassen darauf schließen, dass es sich vormals um ein eigenständiges Siedlungsgebiet handelte, dessen Name vermutlich von einem gleichlautenden Flurnamen stammen dürfte.

Im Wallenbrock findet man auch diese Kopfweiden.

Im Wallenbrock findet man auch diese Kopfweiden. Foto: Astrid Springer

„Walle, walle, manche Strecke . . .“, fühlt man sich mit Blick auf die Wallenbrocker Straßenschilder an Goethes Zauberlehrling erinnert. Der meinte mit walle allerdings das alte Wort für laufen. Denn diese Wirkung sollte schließlich der Zauberspruch auf den Besen haben. Dass „wallen“ dabei auch gleich den Bogen zum sprudelnden Wasser schlägt, macht die Verse noch eleganter. Mit dem Seester Wallenbrock hat Goethes wallen jedoch nichts zu tun.

Vielmehr bezieht sich Wallenbrock auf das sprudelnde Wasser, welches hier an vielen Stellen aus dem Boden an die Oberfläche drückt. Brock stammt vom germanischen broka – Sumpfland – ab, wallen kommt aus dem Mittelniederdeutschen und geht zurück auf das altsächsische wallan in der Bedeutung „wogen, kochen, quellen“. Wallenbrock ist wörtlich genommen also der quellende Sumpf.

Wallenbrock ist wörtlich genommen der quellende Sumpf.

Wallenbrock ist wörtlich genommen der quellende Sumpf. Foto: Astrid Springer

Einige Quellen waren sehr ergiebig, das gilt insbesondere für Diersmanns Wellen, die hinter dem ehemaligen Hof Diersmann bis heute ein Kleingewässer speisen. Der Teich kam den Seestern im Sommer sehr zupass, denn was dem Westerkappelner sein Bullerteich, das war dem Seester „Diersmanns Wellen“ - ein beliebtes Freibad in der warmen Jahreszeit.

  Foto: Astrid Springer

Über das Badevergnügen hinaus erfüllte der Teich aber offenbar noch eine andere wichtige Aufgabe. „Die Quelle hat viel Kraft“, weiß Wilhelm Diersmann . Und ebendiese Wasserkraft wurde vor drei Generationen noch genutzt. „Großvater Friedrich soll hier eine Getreidemühle gehabt haben“, berichtet Margarete Diersmann .

Diese beiden Mühlsteine stammen vom ehemaligen Hof Diersmann.

Diese beiden Mühlsteine stammen vom ehemaligen Hof Diersmann. Foto: Astrid Springer

In den alten Registern ist die Wassermühle zwar nicht gelistet, auch nicht in Hunsches Ortschronik; Trotzdem sprechen die Müölenwieske am Aubrink, die zu der Diersmann’schen Mühle gehört haben dürfte, und die noch heute existierende Staumauer samt Durch- und Ablass eindeutig dafür. Und dann gibt es da noch die alten Mühlsteine, die vom Hof Diersmann auf das Dölemeyer’sche Anwesen umzogen.

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