Diskussion über Wohnbauprojekte in Westerkappeln
Neue „Hochhäuser“ im Ortskern

Westerkappeln -

Während im Baugebiet am Gartenmoorweg schmucke Eigenheime entstehen, hält im Ortskern der Trend zum Bau von mehrgeschossigen Mehrfamilienhäusern an. das sorgt bei den Lokalpolitikern für Diskussionen.

Montag, 22.05.2017, 12:05 Uhr

Auf diesem Grundstück an der Hanfriedenstraße ist ein neues Mehrfamilienhaus geplant. Das vorhandene Gebäude soll abgerissen werden.
Auf diesem Grundstück an der Hanfriedenstraße ist ein neues Mehrfamilienhaus geplant. Das vorhandene Gebäude soll abgerissen werden. Foto: Frank Klausmeyer

Der Komplex „Gutsallee“ nahe des Bahnhofes mit insgesamt 22 Wohnungen ist fast fertiggestellt. Jetzt rückt das „Haus Müller“ an der Großen Straße in den Fokus. Auf dem großen Parkplatz des alten Wohn- und Geschäftshauses, das die Firma Eickhorst gekauft hat, will diese zwei Mehrfamilienhäuser bauen.

Die Gemeinde wird dem Investor keine Steine in den Weg legen. Im Gegenteil: Der Rat wird voraussichtlich am heutigen Dienstag den Bebauungsplan „Haus Müller“ als Satzung verabschieden, der eigens für das Projekt aufgestellt worden ist und den Eickhorst deshalb auch bezahlen muss.

Unklar war zunächst, ob sich die neuen Wohnungen sich mit den Geräuschimmissionen der nahen Tischlerei Tüpker vertragen. Deswegen wurde ein Schallschutzgutachten erstellt. „Es gibt keine Probleme“, stellte Bauamtsleiter Patrick Lenz jetzt im Bauausschuss dazu fest. Die Immissionen bewegten sich tagsüber wie nachts innerhalb der zulässigen Richtwerte.

Bedenken, allerdings keine grundsätzlichen Einwände, haben die Denkmalschützer des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) angemeldet und darauf hingewiesen, dass die neuen Gebäude so gar nicht zur Dachlandschaft des historischen Ortskerns und zur denkmalgeschützten Fassade des Hauses Große Straße Nummer 10 passen. „Der Anregung kann man folgen, muss man aber nicht, weil wir uns im rückwärtigen Bereich befinden“, betont Lenz.

Auch wenn seine Fraktion den Plänen zustimmt, hält Wolfgang Jonas ( CDU ) das Bauvorhaben „aufgrund der Enge des Raumes für grenzwertig“. Es sei mehr Verkehr zu erwarten und an dieser Stelle gebe es eine Komplettversiegelung. „Wir müssen darauf hinwirken, dass so etwas in Zukunft zu unterbleiben hat“, fordert Jonas mit Hinweis auf die Unwetter des Sommers 2016, als mehrfach die Gullys im Ortskern überliefen. „Jedes Vorhaben dieser Art wird die Probleme für die Kanalisation verschärfen.“

Bautätigkeit liegt in Westerkappeln unter dem NRW-Schnitt

In Westerkappeln wurde im vergangen Jahr der Bau von 38 Wohnungen (ohne Wohnheime) genehmigt. Das teilt die

LBS Westdeutsche Landesbausparkasse nach einer Auswertung mit.

„Der größere Anteil neuer Wohnungen entsteht mit 25 Einheiten im Bereich der Ein- und Zweifamilienhäuser. Bei Mehrfamilien- und Reihenhäusern wurden keine neuen Baugenehmigungen erteilt“, sagt LBS-Gebietsleiter Jan Piekatz. Weitere Wohnungen entstanden durch An- und Umbau bestehender Gebäude.

Die Bautätigkeit liegt in Westerkappeln unter dem NRW-Schnitt: Landesweit entstehen 37 Wohnungen je 10 000 Einwohner, in Westerkappeln sind es nach LBS-Angaben 34. Bis aus einer Baugenehmigung bezugsfertiger Wohnraum wird, dauere es eine Zeit. Erfahrungsgemäß verstrichen bis zum Einzug beim Eigenheim zwischen sechs und zwölf Monaten, bei Geschosswohnungen betrage dieser Zeitraum rund anderthalb Jahre, so die LBS.

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Mehr Boden versiegelt wird in absehbarer Zeit wohl auch an der Hanfriedenstraße. Denn dort – östlich der Kleiderkammer „Bunter Knopf“ – soll ein großes Mehrfamilienhaus mit acht Eigentumswohnungen errichtet werden. Das auf dem Grundstück stehende Einfamilienhaus müsste dafür abgerissen werden. Die Pläne wurden dem Bauausschuss ebenfalls vorgestellt.

Einen Bebauungsplan gibt es an der Stelle zwar nicht. Das Gebäude werde aber wohl nach § 34 des Baugesetzbuches genehmigt, glaubt Lenz. Demzufolge ist so ein Vorhaben dann zulässig, „wenn es sich nach Art und Maß der baulichen Nutzung, der Bauweise und der Grundstücksfläche, die überbaut werden soll, in die Eigenart der näheren Umgebung einfügt“, wie es im Gesetz heißt. „Problematisch ist vielleicht die Höhe“, meint der Bauamtsleiter. Mit geplanten 10,50 Meter wird das Haus die Nachbargebäude deutlich überragen. Dieser „moderne Stil“ finde sich allerdings auch auf einem gegenüberliegenden Grundstück wieder, gibt Lenz zu bedenken. Deshalb sehe die Verwaltung in dem Entwurf keinerlei Handhabe, das gemeindliche Einvernehmen zu versagen.

„Wenn man solche Präzedenzfälle in der näheren Umgebung schafft, kann man solche Vorhaben nicht verhindern“, betont Jonas. Gleichwohl sei die Schaffung von neuen Wohnungen ein „Mehrwert für die Gemeinde“. Die Belange der Nachbarschaft müsse die Gemeinde aber im Auge behalten. Durch die neuen „Hochhäuser“ an der Hanfriedenstraße werde sicher auch der Verkehr zunehmen. Der CDU-Fraktionsvorsitzende regt deshalb an, „Tempo 30“-Markierungen auf die Fahrbahn zu bringen.

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