Fachkräftemangel im Tecklenburger Land
Qualifizierte Mitarbeiter gesucht

Tecklenburger Land -

Sind Sie Maurer, Tischler, Kaufmann, Sozialarbeiter oder Krankenschwester ? Dann gehören Sie zu gefragten Personen. Denn viele Firmen der Region suchen händeringend nach qualifizierten Mitarbeitern. Allein bei der Agentur für Arbeit in Ibbenbüren sind derzeit 688 offene Stellen gemeldet.

Mittwoch, 31.05.2017, 14:05 Uhr

Das verarbeitende Gewerbe hat in und um Ibbenbüren zahlreiche offene Stellen zu bieten. Doch die Firmen haben Probleme, Fachkräfte zu finden.
Das verarbeitende Gewerbe hat in und um Ibbenbüren zahlreiche offene Stellen zu bieten. Doch die Firmen haben Probleme, Fachkräfte zu finden. Foto: colourbox

Das geht aus der aktuellen Monatsstatistik der Agentur hervor. Die Nachfrage nach Arbeitskräften ziehe sich quer durch alle Branchen, meldet das Arbeitsamt . Der Konjunkturmotor läuft also offensichtlich weiter auf vollen Touren. Es gibt aber eine Kehrseite der Medaille: „Viele Unternehmen haben Mühe, die freien Stellen mit qualifizierten Fachkräften zu besetzen“, gibt Reiner Zwilling, Chef der Arbeitsverwaltung im Kreis Steinfurt zu bedenken.

Fast 20 Prozent der bei der auch für Westerkappeln zuständigen Agentur in Ibbenbüren gemeldeten Stellen sind schon sechs Monate oder länger vakant. Durchschnittlich brauchen die Betriebe in der Region gut drei Monate, bis sie einen passenden Bewerber für einen ausgeschriebenen Job gefunden haben. Dabei werden für 93 Prozent der Jobs Mitarbeiter für sofort gesucht.

Erfreulich für die Sozialkassen: Von den derzeit 688 freien Arbeitsplätzen sind 99 Prozent versicherungspflichtig. Lediglich bei vier Stellangeboten handelt es sich um geringfügige Beschäftigungsverhältnisse. Diese werden allerdings von der Arbeitsagentur auch gar nicht aktiv akquiriert. „Das ist nicht unser gesetzlicher Auftrag“, betont Petra König , Sprecherin der Agentur für Arbeit.

Etliche Geschäfte und Dienstleister suchen ihre Minijobber deshalb per Aushang an der Ladentür. Überdies bieten vermutlich viele Firmen ihre offenen Stellen nicht der Arbeitsagentur an, sondern suchen in Eigenregie – beispielsweise über Zeitungsannoncen oder Internetportale – nach geeigneten Kräften. Dazu gebe es jedoch keine offiziellen Zahlen, räumt König ein.

Die Statistik der Arbeitsagentur zeigt, welche Branchen derzeit vor allem neues Personal brauchen. 270 der in Ibbenbüren gemeldeten 688 offenen Stellen werden von sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistern angeboten. Hinter dem sperrigen Begriff verbergen sich insbesondere Zeitarbeitsfirmen, wie Petra König erläutert.

Das verarbeitende Gewerbe in und um Ibbenbüren hat im Mai 107 freie Arbeitsplätze zu besetzen, die Autohäuser suchen 77 Leute für Handel und die Werkstatt, die Verkehrs- und Logistikunternehmen haben 46 offene Stellen, auf dem Bau werden 42 Mitarbeiter gesucht, im Gesundheits- und Sozialwesen sind es 38 und im Gastgewerbe 30.

Schlechte Chancen, einen Job zu finden, haben in der Region hingegen arbeitslose Naturwissenschaftler und Informatiker. Zumindest das bei der Arbeitsagentur Ibbenbüren vorrätige Angebot ist gleich Null. Auch für Geisteswissenschaftler und Fachkräfte mit Kultur- und Gestaltungskompetenzen gibt es zurzeit keine Offerten.

Besonders im Bereich Gesundheits- und Sozialwesen zeigt sich nach Worten Zwillings exemplarisch eines der Hauptprobleme, vor dem zahlreiche Arbeitgeber stehen. „Fachlich anspruchsvolle Stellen oder Berufe, bei denen es klare Vorgaben hinsichtlich der Qualifikation der Bewerber gibt, können nicht mit unzureichend ausgebildeten Kräften besetzt werden.“

Dennoch appelliert Zwilling an Unternehmen, bei der Auswahl von Bewerbern, wenn möglich, auch Kompromisse einzugehen. So könnten Lücken in der Personaldecke geschlossen und die Neubesetzung von Stellen beschleunigt werden. „Viele Bewerber sind motiviert, ihre Kenntnisse und Fähigkeiten zu verbessern. Dazu brauchen diese aber auch die Unterstützung der Arbeitgeber.“

Die Agentur für Arbeit biete sowohl für die Firmenchefs als auch für Arbeitnehmer Beratung und Hilfe rund um die Themen Weiterbildung und Qualifikation an, versichert Zwilling.

Vom Fachkräftemangel profitierten am Ende diejenigen Arbeitnehmer, deren Qualifikation stimme, betont Zwilling. Aufgrund der hohen Nachfrage sei die Zahl der Arbeitslosen im Bereich des Sozialgesetzbuches III, also derjenigen, die in der Regel weniger als ein Jahr keinen Job haben, weiter gesunken. In und um Ibbenbüren wurden im Mai derer 778 Frauen und Männer gezählt. Im März waren es noch fast 900. 

Die Arbeitslosenzahlen im Tecklenburger Land

Die Arbeitslosigkeit im Raum Ibbenbüren ist im Mai leicht gesunken. 2172 Frauen und Männer waren bei der hiesigen Arbeitsagentur registriert, elf weniger als im April und 16 mehr als vor einem Jahr.

Die Arbeitslosenquote bezogen auf alle zivilen Erwerbspersonen beträgt jetzt – wie im Mai 2016 – 3,5 Prozent, der Kreisdurchschnitt liegt bei 4,4 Prozent.

Mit Blick ins Tecklenburger Land gibt es im Jahresvergleich vor allem in Recke mehr Arbeitslose, die Steigerung beträgt hier fast 20 Prozent. Die Zahlen im Detail (in Klammern Mai 2016 und prozentuale Veränderung):

► Hörstel (Arbeitsagentur Rheine): 256 (257/-0,4%)

► Hopsten: 120 (109/+10,1%)

► Ibbenbüren: 1024 (1075/-4,7%)

► Lotte: 384 (379/+1,3%)

► Mettingen: 165 (151/+9,3%)

► Recke: 207 (173/+19,7%)

► Tecklenburg (Arbeitsagentur Lengerich): 158 (147/+7,5%)

► Westerkappeln: 272 (269/+1,1%)

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