Hundesteuer in Westerkappeln
Lieb und (manchmal) teuer

Westerkappeln -

1150 Hunde gibt es in Westerkappeln. Für die Gemeinde ein gutes Geschäft. 54 000 Euro – der Wert eines gehobenen Mittelklasseautos – will sie dieses bei den rund 1050 Haltern an Steuern einnehmen. Dabei sind die Halter einigermaßen gut dran, denn viele Städte und Gemeinden in Nordrhein-Westfalen kassieren deutlich mehr ab.

Donnerstag, 01.06.2017, 18:06 Uhr

Freudensprünge wie diese Hunde macht wohl kein Halter wegen der Steuerpflicht. Außerhalb der Wohnung oder eines umfriedeten Grundstücks dürfen die Hunde nur mit der sichtbar befestigten gültigen Steuermarke (Bild links) umhertollen.
Freudensprünge wie diese Hunde macht wohl kein Halter wegen der Steuerpflicht. Außerhalb der Wohnung oder eines umfriedeten Grundstücks dürfen die Hunde nur mit der sichtbar befestigten gültigen Steuermarke (Bild links) umhertollen. Foto: dpa

Dies zeigt der aktuelle Hundesteuer-Vergleich des Bundes der Steuerzahler (BdSt) von 232 nordrhein-westfälischen Städten und Gemeinden. Westerkappeln findet sich in der Liste allerdings nicht wieder. „Wir haben es bislang vom Arbeitsaufwand schlicht und einfach nicht geschafft, alle 396 Kommunen zu erfassen“, räumt Bärbel Hildebrand , Sprecherin beim BdSt NRW, ein. Für Westerkappeln haben wir deshalb selbst einmal nachgesehen.

Hier kostet ein Hund 48 Euro im Jahr; egal ob Zwergpinscher oder Berner Sennenhund. Wer mehrere Vierbeiner sein Eigen nennt, muss allerdings schon erheblich tiefer in die Tasche greifen: Wenn zwei Hunde gehalten werden, stellt die Kommune per Steuerbescheid schon 60 Euro in Rechnung – pro Tier. Und bei drei oder noch mehr Dackeln, Boxern oder Pudeln sind es dann 72 Euro pro Hund. „Das ist in vielen Kommunen so, dass die Halter bei mehreren Hunden nicht gestaffelt, sondern immer den höchsten Satz zahlen“, erläutert Hildebrand.

Die Freude über einen großen Wurf seiner Hündin – große Rassen bringen bis zu neun Welpen auf die Welt – sollte deshalb nicht zu lange währen, sonst wird´s teuer. Innerhalb von zwei Wochen, nachdem der Nachwuchs drei Monate alt geworden ist, muss er unter Angabe der Hunderasse bei der Gemeinde angemeldet werden. Die verschickt dann die entsprechenden Steuerbescheide.

Die Spannbreite, die die Kommunen bei den Steuersätzen nutzen, ist enorm: Den höchsten Steuersatz zahlen Hundefreunde in Hagen mit 180 Euro pro Jahr für einen Hund. Vergleichsweise geringe Steuersätze für einen Hund erheben Verl (25 Euro), Harsewinkel (31 Euro) und Hörstel (36 Euro). Mit 48 Euro bewegt sich Westerkappeln im unteren Zehntel des Rankings.

So viel kassieren die Nachbarn

So viel kassieren die Nachbarn für einen Hund (in Klammern zwei Hunde, drei oder mehr/Quellen: Ortssatzungen, BdSt):

► Lotte: 42 Euro (48, 60)

► Mettingen: 60 Euro (70, 80)

► Lengerich: 66 Euro (84, 108)

 

► Ibbenbüren: 72 Euro (84, 96)

► Tecklenburg: 90 Euro (103, 117)

► Osnabrück: 108 Euro (162, 198)

...

Richtig teuer wird der Besitz von Pitbull Terriern, Mastiffs oder anderen in der Satzung als gefährlich beschriebenen Hunden. „Fünf solcher Tiere sind bei uns gemeldet“ berichtet Kämmerer Thomas Rieger. Einer kostet 384 Euro Steuern im Jahr, bei zwei oder mehr Kampfhunden werden 480 Euro je Tier fällig. Am teuersten sind gefährliche Hunde laut Ranking des Steuerzahlerbundes derzeit in Monheim mit 1320 Euro pro Jahr.

In Westerkappeln gewährt die Satzung aber auch Ermäßigungen: Für Wachhunde müssen Halter nur die Hälfte zahlen. Als solche werden „Waldis“ anerkannt, die mehr als 200 Meter vom nächsten bewohnten Gebäude ihr Dasein fristen. Immerhin rund 260 solcher Hunde gibt es nach Angaben Riegers in der Gemeinde. Steuerrabatt wird überdies geprüften Melde-, Sanitäts- und Schutzhunden gegeben. Auch Hartz-IV-Empfänger können, jedoch nur für einen Hund, eine Ermäßigung beantragen. Ganz von der Steuer befreit werden können blinde, taube oder andere behinderte Bürger, wenn sie auf die Hilfe eines Hundes im Alltag angewiesen sind.

Außerhalb der Wohnung oder eines umfriedeten Grundstücks dürfen die Hunde in Westerkappeln nur mit der sichtbar befestigten gültigen Steuermarke umhertollen Foto: Frank Klausmeyer

Die Hundesteuerpflicht werde von den Kommunen oft damit begründet, dass mit ihr der Bestand besser gesteuert werden könne, erläutert Bärbel Hildebrand vom Steuerzahlerbund. Als Einnahmequelle spiele die Steuer aber sicher auch eine Rolle. „Dabei ist der Aufwand, der für die Erhebung betrieben wird, oft höher als die Einnahmen“, gibt sie zu bedenken.

Nach Meinung des BdSt passt die Hundesteuer nicht mehr ins System. „Die ganzen Bagatellsteuern sollten abgeschafft werden“, erklärt Hildebrand. Gegen die Hundesteuer spreche auch „dass sie auf die finanzielle Leistungsfähigkeit der Steuerzahler so gut wie keine Rücksicht nimmt“, kritisiert Heinz Wirz, Vorsitzender des BdSt NRW.

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