Privatinsolvenz
Zahl der privaten Pleiten sinkt

WEsterkappeln -

In Westerkappeln ist die Zahl der Menschen, die sich überschuldet haben, zuletzt gesunken. Melanie Haslage sieht deshalb aber keinen Grund zur Entwarnung.

Montag, 19.06.2017, 15:06 Uhr

Untergang: Geldsorgen destabilisieren die Betroffenen in verschiedener Weise, nicht nur durch oft ungeklärte rechtliche, wirtschaftliche und soziale Fragen, sondern auch in psychischer und gesundheitlicher Hinsicht.
Untergang: Geldsorgen destabilisieren die Betroffenen in verschiedener Weise, nicht nur durch oft ungeklärte rechtliche, wirtschaftliche und soziale Fragen, sondern auch in psychischer und gesundheitlicher Hinsicht. Foto: Romolo Tavani

In Westerkappeln ist die Zahl der Menschen, die sich überschuldet haben, zuletzt gesunken. Melanie Haslage sieht deshalb aber keinen Grund zur Entwarnung. Die Schuldnerberaterin des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) Ibbenbüren sorgt sich angesichts eines in den vergangenen Jahren rapiden Anstiegs bei Immobilienkrediten. „Diese könnten für viele zum Stolperstein werden, wenn die Zinsen eines Tages wieder steigen“, erläutert die Diplom-Sozialarbeitern, die beim SkF unter anderem für Ratsuchende aus Westerkappeln zuständig ist.

Die wichtigsten Ursachen dafür, dass Menschen nicht mehr ihre Rechnungen bezahlen können, seien nach wie vor Arbeitslosigkeit, niedrige Einkommen, gesundheitliche Probleme sowie Trennung oder Tod des Partners. Darüber hinaus, so die Beobachtung der Beraterin, spielten zunehmend unzureichende Kreditberatungen eine Rolle. „Das Problem dürfte dann in einigen Jahren zu Tage treten, wenn die ersten Laufzeiten der Kredite enden“, ist Haslage überzeugt.

Das Statistische Landesamt IT NRW hat für Westerkappeln im vergangenen Jahr insgesamt acht Verbraucherinsolvenzen regis­triert, zwei weniger als im Vorjahr. Bei dem Verfahren kann der Schuldner nach einer gewissen Zeit und unter bestimmten Bedingungen schuldenfrei sein. Die Verbindlichkeiten werden also gelöscht, obwohl er sie nicht vollständig begleichen konnte. Vor drei Jahren wurden die Regeln hierfür geändert. Seither ist der Schuldner nach fünf, möglicherweise sogar schon nach drei Jahren seine Geldsorgen los.

Denn Überschuldung destabilisiert die Betroffenen in verschiedener Weise, nicht nur durch oft ungeklärte rechtliche, wirtschaftliche und soziale Fragen, sondern auch in psychischer und gesundheitlicher Hinsicht“, betont Rainer Paals vom SkF. Nicht selten entstehe ein Teufelskreis, den die Betroffenen ohne Begleitung nicht durchbrechen könnten, erklärt der Sozialdienst.

Die Schuldnerberater des SkF sehen sich vor allem immer wieder mit der Problematik von Energierückständen konfrontiert. So sei der Bereich der Existenzsicherung wie Absicherung von Wohnraum, Miete und Energiezufuhr ein zentraler, erster Bestandteil vieler Beratungen.

„Die Grundversorgung mit Energie gehört zur Existenzsicherung. Die gestiegenen Kosten für Energie führen dazu, dass immer mehr Menschen mit niedrigem Einkommen ihre Strom- und Heizkostenabrechnung, insbesondere die Jahresendabrechnung, nicht mehr bezahlen können und sich verschulden“, erklärt Schuldnerberaterin Kathrin Dörenkämper . „Dabei würden wir uns wünschen, dass die Ratsuchenden zu uns kommen, sobald erste Probleme bei der Zahlung auftreten und nicht erst, wenn der Termin für die Energiesperre feststeht.“

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