Straßenkunde: Riedeweg - Fließendes Wasser in einer Senke
Wo Fuchs und Hase sich „Gute Nacht“ sagen

Westerkappeln -

In Westerkappelns Süden gibt es sie noch: Kleine, verwunschene Täler, in deren Schutz viele Wildtiere leben. So auch jenseits des Riedewegs südlich der ehemaligen B 65: In den feuchten Wiesen fühlen sich unter anderem Hasen, Rehwild und Füchse wohl.

Freitag, 23.06.2017, 07:06 Uhr

Malerisch schlängelt sich ein kleines Bächlein durch Wald und Wiesen talabwärts.Der Weg führt durch eine feuchte Senke.
Malerisch schlängelt sich ein kleines Bächlein durch Wald und Wiesen talabwärts.Der Weg führt durch eine feuchte Senke. Foto: Astrid Springer

Dass sich Meister Reineke hier tummelt, bestätigt Landschaftswächter Wolfgang Teepe : „Füchse gibt es in diesem Bereich jede Menge.“ Durch das Wiesental fließt ein kleiner Bach, begleitet von typischen Uferrandstreifen mit Schilfgras, Weide, Sumpfschwertlilie und Mädesüß.

Ried – ohne „e“ – ist als Bezeichnung für einen Schilf- oder Binsenstreifen am Rand eines Gewässers gebräuchlich, insbesondere in Süddeutschland. Im Norden kennen wir die Entsprechung Reet für die Bedachung von Häusern mit getrocknetem Schilfgras.

Der Weg führt durch eine feuchte Senke.

Der Weg führt durch eine feuchte Senke. Foto: Astrid Springer

Dem Riedeweg ist das Ried jedoch nur zufällig ähnlich, denn auch wenn beide häufig am selben Ort vorkommen, haben sie sprachhistorisch unterschiedliche Wurzeln. Ein Ried nämlich meint den Röhrichtbereich rund um ein Gewässer, wobei man höher wachsendes Röhricht, wie Schilf, Rohrkolben und Sumpfschwertlilie, vom niedrigen Saum aus Binsen und Seggen unterscheidet. Ried hat sich dabei aus dem altniederdeutschen hriod entwickelt, was mit einem kehligen Kratzlaut beginnt und auf „d“ endet.

Ganz anders Riede: Riede oder auch Riehe gehen zurück auf das mittelniederdeutsche ride, rie sowie das mittelniederländische rijt, altenglisch rithe, und bezeichnen einen Bach. Etymologisch entstand riehe aus dem germanischen ritho und dem indogermanischen rei oder ri, mit der ursprüngliche Bedeutung „strömen“. Rei oder Ri meinte also ursprünglich ein fließendes Gewässer.

  Foto: Astrid Springer

Später ging diese Bezeichnung dann auch auf das umgebende Gelände über; daher ist Riede auch synonym für Niederung und feuchte Senke gebräuchlich.

Der Riedeweg in Lada trägt seinen Namen also im doppelten Sinne, denn vor Ort fließt ein Bach durch eine feuchte Senke. Auf den gesamten Bereich bezieht sich auch der Flurname Großriehen zwischen Riedeweg und Fuchsgrabenweg, wie er auf der preußischen Urkarte von 1827 zu finden ist.

Dass vor Ort außerdem Schilf und Sumpfschwertlilie wachsen, verstärkt den Eindruck eines Riedewegs noch – auch wenn die sprachliche Ähnlichkeit nur ein Zufall ist.

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