Pfarrerin Vera Gronemann wird Sonntag in Westerkappeln ordiniert
„Glasklar: Das ist mein Weg“

Westerkappeln -

Pfarrerin Vera Gronemann wird am morgigen Sonntag (25. Juni) in der evangelischen Stadtkirche Westerkappeln ordiniert. Im Interview erzählt sie, warum sie sich „wahnsinnig“ auf ihre Ordination freut und weshalb sie im Alter von 20 Jahren vom katholischen zum evangelischen Glauben konvertierte.

Freitag, 23.06.2017, 10:06 Uhr

Mittendrin: Pfarrerin Vera Gronemann genießt während ihrer Gottesdienste das Gemeinschaftsgefühl. Morgen wird sie in der Stadtkirche ordiniert.
Mittendrin: Pfarrerin Vera Gronemann genießt während ihrer Gottesdienste das Gemeinschaftsgefühl. Morgen wird sie in der Stadtkirche ordiniert. Foto: Katja Niemeyer

Zum Interviewtermin in der Westerkappelner Stadtkirche erschien Vera Gronemann ein paar Minuten zu früh. Die Pfarrerin nutzte die Zeit, um einem Mann mit Wanderstöcken aus Herford das Gotteshaus zu zeigen. Er hatte sie angesprochen, als sie die Kirchtür aufschloss. „Es ist schön, wenn ich spontan mit Menschen ins Gespräch komme“, sagt die 31-Jährige kurz darauf im Interview.

Welcher ist Ihr Lieblingsplatz in der Stadtkirche ?

Gronemann: Es gibt zwei Orte: Während eines Gottesdienstes sitze ich gerne auf einer Bank mitten zwischen den Menschen, um die Gemeinschaft zu genießen. Besonders gerne stehe ich aber auch am Taufbecken. Wenn dann während der Taufe von den bunten Fenster dahinter das Licht einfällt, ist das ein besonders schöner Moment.

Um Pfarrerin zu werden, sind Sie zum evangelischen Glauben konvertiert. Wie kam es zu diesem Entschluss ?

Gronemann: Ich komme gebürtig aus Münster und war sehr verwurzelt in meiner katholischen Gemeinde. Meine Besuche in der Taizé-Gemeinschaft haben mich stark geprägt. Nach dem Abi bin ich dann für ein Freiwilliges Soziales Jahr in ein Altenheim nach Belgien gegangen, das in evangelischer Trägerschaft ist. Während der Zeit ist in mir der Wunsch gereift, evangelische Pfarrerin zu werden.

War das für Sie eine schwere Entscheidung ?

Gronemann: Ich spürte auf einmal eine Gewissheit. Da war für mich glasklar: Das ist mein Weg.

Wie waren die Reaktionen aus Ihrem Umfeld?

Gronemann: Wahnsinnig positiv. Meine Familie ist sehr stolz darauf, dass ich meinen Weg gehe. Und auch der Pfarrer aus meiner katholischen Gemeinde hat mich bestärkt in meinem Entschluss.

Der Beruf des Pfarrers ist angesichts leerer Kirchen und familienunfreundlicher Arbeitszeiten nicht immer einfach. Was treibt Sie an ?

Gronemann: Mein Berufswunsch hat sich aus meinem Lebens- und Glaubensweg entwickelt. Ich fühle mich sehr gesegnet damit, verkünden zu dürfen, was mich in meinem Glauben bewegt. Dafür brenne ich.

Welche Aufgaben liegen Ihnen besonders am Herzen ?

Gronemann: Neben der Seelsorge sicherlich der Konfirmandenunterricht. Mir ist es wichtig, dass die jungen Menschen mit Spaß dabei sind. Dafür veranstalten wir Freizeiten und Projekttage. Die Jugendlichen absolvieren kleine Praktika in der Gemeinde und können kreativ arbeiten.

Früher, so mein Eindruck, stand im Konfirmandenunterricht der Heidelberger Katechismus und das Auswendiglernen der Fragen und Antworten darin im Vordergrund.

Gronemann: Das hat sich stark gewandelt. Die Arbeit mit den Konfirmanden ist weniger schulisch, dafür projektorientierter geprägt. Wir bieten den Jugendlichen eine bunten Strauß an Angeboten. Auch auf die öffentliche Prüfung, wie es sie früher gab, wird heute verzichtet.

Was, meinen Sie, muss Kirche tun, damit sie auch in Zukunft Menschen an sich binden kann ?

Gronemann: Am wichtigsten ist aus meiner Sicht, bei den Menschen zu sein, ihnen zuzuhören. Es wäre schön, wenn wir zu einer Konstante in ihrem Leben werden. Ich finde, Kirche muss sich aber auch einmischen ins gesellschaftspolitische Geschehen wie die aktuelle Flüchtlingskrise.

Nicht nur die Zahl der Gemeindemitglieder, sondern auch die der Pfarrer sinkt. Was meinen Sie, was sind die Hauptgründe dafür ?

Gronemann: In der Tat ist eine Ordination zu einem seltenen Fest geworden. Aus meiner Sicht liegt das vor allem daran, dass die Ausbildung ein langer und anspruchsvoller Weg ist. An ein Studium, in dem man zum Beispiel neben Latein auch Altgriechisch und Hebräisch lernen muss, schließt sich ein zweijähriges Vikariat an. Das erfordert viel Durchhaltevermögen.

Welche Bedeutung hat die Ordination für Sie ?

Gronemann: Es ist ein Meilenstein in meinem Leben und zugleich der Anfang von etwas Wunderbarem. Auf diesen Tag habe ich elf Jahre hingearbeitet. Ich bin zugleich total aufgeregt und freue mich total.

Mit wem werden Sie diesen Tag feiern ?

Gronemann: Natürlich mit der Gemeinde, aber auch mit zahlreichen Wegbegleitern und mit meiner Familie. Ich glaube, auf der Gästeliste stehen mehr als 150 Namen.

Worum wird es in Ihrer Predigt gehen ?

Gronemann: Es geht um das Thema Einladung – dass Gott uns einlädt und wir damit umgehen: kein glatter Text, sondern einer mit Ecken und Kanten.

Viele Gemeindeglieder fragen sich, ob Sie nach der Ordination weiterhin in Westerkappeln bleiben?

Gronemann: Vorerst sicherlich.

Was machen Sie eigentlich, wenn Sie nicht als Pfarrerin unterwegs sind? Was ist Ihr Hobby ?

Gronemann: Ich gehe wahnsinnig gerne auf Konzerte. Kürzlich war ich bei „Cold Play“ in Hannover. Und im Juli geht es dann zu „U 2“ in Dublin.

Ordination

Der Festgottesdienst mit der Ordination von Pfarrerin Vera Gronemann durch den Superintendenten André Ost ist am morgigen Sonntag, 25. Juni, in der Stadtkirche Westerkappeln. Beginn ist um 17 Uhr. Ordination (lateinisch für Aufnahme in die Dienstgemeinschaft der Geistlichen mit allen Rechten und Pflichten) ist eine gottesdienstliche Handlung, bei der ein Geistlicher in sein Amt eingeführt wird.

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