Breitbandausbau in Außenbereichen
Freude über Millionen-Förderung

Westerkappeln/Lotte -

Jubel in den Rathäuser von Westerkappeln und Lotte: Beide Kommunen haben jetzt die Zusage für eine Millionen-Förderung für einen Breitbandausbau in den Außenbereichen erhalten. In einem nächsten Schritt steht die europaweite Ausschreibung für die Arbeiten an.

Donnerstag, 03.08.2017, 15:08 Uhr

Freuen sich über die Förderzusage für den Breitbandausbau: Udo Gernand und Holger Schwetter (Initiative Breitbandausbau in Seeste), Bürgermeisterin Annette Große-Heitmeyer, Bürgermeister Rainer Lammers, Joana Watermeyer (Wirtschaftsförderin von Lotte) und Sibylle Schwetter (Initiative).
Freuen sich über die Förderzusage für den Breitbandausbau: Udo Gernand und Holger Schwetter (Initiative Breitbandausbau in Seeste), Bürgermeisterin Annette Große-Heitmeyer, Bürgermeister Rainer Lammers, Joana Watermeyer (Wirtschaftsförderin von Lotte) und Sibylle Schwetter (Initiative). Foto: Katja Niemeyer/

Einer, der sich besonders freut über die Förderzusage in Millionenhöhe, die vor wenigen Tagen aus Berlin im Westerkappelner Rathaus eintrudelte, ist Holger Schwetter . Der Musikwissenschaftler lebt mit seiner Familie in Seeste und engagiert sich in der Initiative für einen Breitbandausbau, die sich vor rund einem Jahr in der Bauerschaft gegründet hatte. Mit seinem Arbeitgeber, der Technischen Universität Dresden, ist er viel über Videokonferenzen und per E-Mail verbunden. Dafür ist er auf eine schnelle und stabile Internetverbindung angewiesen. Genau da liegt aber sein Problem: Wenn Schwetter sich am heimischen PC eingeloggt hat, geht es für ihn auf der Datenautobahn oftmals nur im Schneckentempo voran.

Mit dem Förderbescheid dürfte dieser Missstand für Schwetter in absehbarer Zeit beendet sein. Und nicht nur für ihn. Von den Fördermitteln würden insgesamt 956 Haushalte in den Außenbereichen von Westerkappeln profitieren. In der Nachbargemeinde Lotte, die ebenfalls einen Förderantrag gestellt hatte, sind es 644 Haushalte in den Außenbereichen, die davon ausgehen können, dass bei ihnen die Glasfaserkabel verlegt werden, die das Hochgeschwindigkeitsinternet möglich machen.

Die Förderzusage vom Bundeswirtschaftsministerium beläuft sich für Westerkappeln auf rund 4,4 Millionen Euro. Hinzu kämen noch 3,5 Millionen Euro vom Land Nordrhein-Westfalen. Hierfür hat Bürgermeisterin Annette Große-Heitmeyer zwar noch keine offizielle Bewilligung, wie sie sagt. „Ich gehe aber fest davon aus, dass auch diese Mittel fließen werden“, betont sie. Der Anteil, den die Kommune für den Breitbandausbau im Außenbereich aufbringen müsste, läge dann bei rund 800 000 Euro. Nach Lotte fließen vom Bund fast zwei Millionen Euro, hinzu kämen da noch rund 1,6 Millionen Euro vom Land. Auf die Gemeinde käme ein Eigenanteil von schätzungsweise 350 000 Euro zu.

Das Bundeswirtschaftsministerium hatte das Förderprogramm vor einigen Jahren auf den Weg gebracht mit dem Ziel, den Breitbandausbau in schwach besiedelten Gebieten wie Seeste zu fördern. Wegen der vergleichsweise großen Entfernungen zwischen den Haushalten ist das Geschäft für Telekommunikationsunternehmen in diesen Gebieten weniger rentabel als beispielsweise im Ortskern. Mit öffentlichen Geldern soll diese Lücke geschlossen werden. Die Gemeindeverwaltung Westerkappeln hat ausgerechnet, dass auf diese Weise ein Haushalt im Außenbereich im Durchschnitt mit über 9000 Euro subventioniert wird. In Lotte sind es pro Haushalt 6200 Euro, die aus öffentlichen Kassen aufgebracht werden müssen, damit die FTTH-Technologie etwa in den Außenbereichen von Halen Einzug hält.

Von dem Geld profitierten nicht nur Privathaushalte, wie Große-Heitmeyer betont, sondern auch 70 Gewerbetreibende und Landwirte. Udo Gernand etwa ist Verwalter von Gewerbeimmobilien und arbeitet viel am heimischen Schreibtisch. Besonders ärgert es den Seester, wie er sagt, wenn er mal wieder zum nächsten Internet-Café fahren muss, um eine E-Mail zu verschicken.

Die Fördermittel waren auf Grundlage einer Scoring-Tabelle vergeben worden. Dabei wurden zum Beispiel Punkte vergeben für die Einwohnerdichte pro Quadratkilometer. Für die Flächengemeinde Westerkappeln sind das im Außenbereich etwa 40 Menschen. In Lotte ist die Einwohnerdichte im Vergleich dazu mehr als doppelt so groß. Dort leben in den Außenbereichen durchschnittlich 100 Menschen auf einem Quadratkilometer. Auch bei der Größe dieser sogenannten unterversorgten Gebiete unterscheiden sich die beiden Kommunen erheblich: In Westerkappeln misst diese Fläche 53 Quadratkilometer, in Lotte sind es lediglich 14,2 Quadratkilometer.

Sowohl Große-Heitmeyer als auch Lottes Bürgermeister Rainer Lammers gehen davon aus, dass wohl noch zwei Jahre vergehen, bis die Anschlüsse in die Haushalte verlegt worden sind. Wie hoch die monatliche Gebühr für die Kunden sein wird, sei derzeit noch offen. Die Arbeiten würden europaweit ausgeschrieben. Gut möglich, so Lammers, dass Westerkappeln und Lotte eine gemeinsame Ausschreibung auf den Weg bringen. Das müsse aber noch geprüft werden. Beide Kommunen hatten sich bei der Beantragung der Mittel von einem externen Büro beraten lassen.

Den Förderbescheid will Lammers übrigens am 16. August persönlich im Bundeswirtschaftsministerium abholen. Seine Amtskollegin aus Westerkappeln wäre auch gerne dabei gewesen, weilt zu dem Zeitpunkt aber im Urlaub.

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