Über 1100 Gewehre und Pistolen in Westerkappeln registriert
Schwer bewaffnet

Westerkappeln/Kreis Steinfurt -

Der Bundestag hat Mitte Mai einen Gesetzesentwurf der Bundesregierung zu Änderungen des Waffengesetzes und weiterer Vorschriften beschlossen. Ein Thema, das auch in Westerkappeln mehr Leute betrifft als mancher denken mag.

Donnerstag, 10.08.2017, 15:08 Uhr

939 Langwaffen sind in Westerkappeln registriert. Hinzu kommen in der Gemeinde 163 Kurzwaffen wie Revolver und Pistolen.
939 Langwaffen sind in Westerkappeln registriert. Hinzu kommen in der Gemeinde 163 Kurzwaffen wie Revolver und Pistolen. Foto: dpa

Der Bundestag hat Mitte Mai einen Gesetzesentwurf der Bundesregierung zu Änderungen des Waffengesetzes und weiterer Vorschriften beschlossen. Für Waffenbesitzer ergeben sich durch die Reform, die im Wesentlichen am 6. Juli in Kraft getreten ist, insbesondere Änderungen bei der Aufbewahrung von Gewehren und Pistolen.

Darauf weist die Kreispolizeibehörde hin. Ein Thema, das mehr Leute betrifft als mancher denken mag. Die Bürger im Kreis Steinfurt haben jedenfalls tausende Waffen im Schrank. 25.878 sogenannte Langwaffen sind im Kreis registriert, berichtet Reiner Schöttler , Sprecher der Kreispolizeibehörde. Darunter fallen insbesondere die Flinten der Jäger. In Westerkappeln sind 939 Langwaffen gemeldet.

Hinzu kommen in der Gemeinde 163 Kurzwaffen wie Revolver und Pistolen. Mit insgesamt 1102 Waffen auf etwa 11.000 Einwohner sind Westerkappelner jedenfalls „schwerer bewaffneter“ als im Kreisdurchschnitt, wo auf gut 433.000 Einwohner rund 31.600 Waffen kommen, darunter 5728 Pistolen und Revolver.

Viele Waffenbesitzer nennen mehrere „Püster“ ihr Eigen. Denn die Zahl der Inhaber von erlaubnispflichtigen Waffen gibt Schöttler für den Kreis Steinfurt mit „nur“ 5728 an. In Westerkappeln sind es derer 185.

Dazu gibt es noch die sogenannten kleinen Waffenscheine, die in Deutschland zum Führen von Schreckschusswaffen berechtigen. 3176 Bürger haben so eine Erlaubnis, darunter 65 Westerkappelner. Zur Zahl der Gaspistolen kann die Polizei allerdings keine Angaben machen.

Zurück zur Änderung des Waffengesetzes: Nach den neuen Regelungen zur Aufbewahrung wird es nach Angaben der Polizei künftig nicht mehr ausreichen, Waffen in Schränken der Sicherheitsstufe A und B nach VDMA 24992 (Stand Mai 1995) aufzubewahren. Dennoch werde es für die meisten Waffenbesitzer nicht erforderlich sein, neue Behältnisse anzuschaffen. Denn für Waffenschränke, die zum Zeitpunkt des Inkrafttretens der Gesetzesänderung den alten gesetzlichen Anforderungen entsprochen hätten, gelte eine Besitzstandswahrung.

Anders sei dies nur dann, wenn der Waffenschrank nach Inkrafttreten der Gesetzesnovelle den Besitzer gewechselt hat. Das bedeutet beispielsweise, dass künftig in Erbfällen die Waffenschränke nicht übernommen werden können, sondern die Erben sich gegebenenfalls neue anschaffen müssen.

Wer jetzt ein sogenanntes Sicherheitsbehältnis kauft, muss nach Polizeiangaben folgendes beachten: Erlaubnisfreie Waffen oder Munition sind mindestens in einem verschlossenen Schrank, Schublade oder Tresor aufzubewahren. Für erlaubnispflichtige Munition wird ein abschließbarer Stahlblechbehälter oder eine gleichwertige Aufbewahrung verlangt. Für Schusswaffen gelten strengere Vorschriften, über die die Polizei auf Anfrage gerne informiert.

Mit Inkrafttreten der Gesetzesnovelle wird es für einen befristeten Zeitraum von zwölf Monaten auch möglich sein, illegal besessene Waffen und Munition bei den zuständigen Behörden oder der Polizei straffrei abzugeben. Wer dies tut, muss laut Mitteilung nicht mit einem Verfahren wegen unerlaubten Erwerbs, unerlaubten Besitzes oder unerlaubten Führens einer Waffe rechnen.

Anders als bei der letzten Amnestie im Jahr 2009 werde es hingegen nicht möglich sein, illegal besessene Waffen und Munition jemanden zu überlassen, der einen Waffenschein hat.

Wer keine Waffen, sondern nur gefährliche Munition zu Hause hat, sollte auch die abliefern. Denn der Besitz ist jetzt verboten. Bei der Abgabe greife aber ebenfalls der Straferlass.

Bei der Amnestie vor acht Jahren kam Einiges zusammen, wie Reiner Schöttler bestätigt. Allein im Kreis Steinfurt seien rund 1000 illegale Waffen abgegeben worden. Wie viele davon noch auf Schränken, unter Betten oder in Kellern liegen, vermag er nicht zu sagen. In Medienberichten geistert zwar die Zahl von 20 Millionen illegalen Schusswaffen in Deutschland umher. „Über Dunkelziffern möchten wir nicht spekulieren“, sagt der Sprecher der Kreispolizeibehörde.

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