„Sehen + Hören“ auf dem Kulturhof
Ganz großes Kino

Westerkappeln -

Ein Vier-Stunden-Programm hatte sich Prof. Raimund Beckmann mit einer Doppelveranstaltung ausgedacht und sein Publikum hat es ihm mit „vollen Häusern“ gedankt, denn nicht nur das Galerie-Café sondern auch „Remise“ und „Kunsthalle“ waren am Sonntag Orte, die in sein Kultur-Konzept „Sehen + Hören“ einbezogen waren. Jazzsängerin Katja Knaus bot dabei ganz großes Kino.

Dienstag, 15.08.2017, 16:08 Uhr

Das Publikum und Hausherr Raimund Beckmann (links) freuten sich abschließend gemeinsam mit Jazzsängerin Katja Knaus und dem Sinti-Swing-Quartett Chapeau Manouche über die mit Ovationen bejubelte Veranstaltung
Das Publikum und Hausherr Raimund Beckmann (links) freuten sich abschließend gemeinsam mit Jazzsängerin Katja Knaus und dem Sinti-Swing-Quartett Chapeau Manouche über die mit Ovationen bejubelte Veranstaltung Foto: Marianne Lohmann

Der Abend begann mit einem Empfang in der Kunsthalle, die mit großformatigen Gemälden von Annette Piwowarski bestückt ist, eine farbig kraftvolle Ausstellung, die noch bis zum 17. September einschließlich besichtigt werden kann. Dem warmen Abendlicht auf dem Hof war es wohl geschuldet, dass sich das Publikum danach zwischen die Skulpturen aus Simbabwe verlief und zur eigentlichen Ausstellungseröffnung ins Galerie-Café wieder eingefangen werden musste.

Dort warteten bereits zwei Musiker des Quartetts Chapeau Manouche“, die mit Violine und Gitarre auf den Fortgang der Vernissage einstimmten. „Die Musik schwingt wie die Farben auf den Bildern von Annette Piwowarski“ dankte Beckmann dem Duo. „Sie begleitet eine meditative Stimmung, die vielen Bildern der Künstlerin innewohnt.“

Nach kurzer Pause begann im Ambiente dieser Bilder aber dann das eigentliche Konzert: Mitreißende Rhythmen zum Mitwippen erfüllten den Saal. Das renommierten Oldenburger Sinti-Swing-Quartett Chapeau Manouche war gerade zurück vom Schleswig-Holstein-Musikfestival-Konzert, wo es vor 1000 Zuhörern gespielt hat. Im „winzigen“ und wieder einmal voll besetzten Galerie-Café gastierten die Musiker nun bereits zum vierten Mal. Das verwöhnte Westerbecker Publikum schätzt die Mischung aus Präzision und Herz, die nichts dem Zufall überlässt. Mit Witz und Verve spielten die vier ihre Parts aus, fein und bisweilen geradezu innig aufeinander abgestimmt. Die Musiker wirkten gereift, ihr Klang hat sich gerundet, hat – bei allem Witz und flotten Tempi – noch an Wärme gewonnen.

Im vertrauten Ambiente des Galerie-Cafés wickelten diese Musiker mit ihrem lässigen Charme und ihrer Fröhlichkeit alle im Nu um den Finger. Wilhelm Magnus (Rhythmusgitarre) und Benjamin Bökesch (Kontrabass) bilden das tragende Fundament, auf dem sich die Solisten frei und luftig leicht entfalten konnten: Manolito Steinbach (Sologitarre), Clemens Schneider (Violine) und – als „Zugabe“ des Abends – die Jazzsängerin Katja Knaus.

Mit verblüffender Klarheit und Ausgeglichenheit legte Letztgenannte ein makellos intoniertes Stück nach dem anderen hin. Reine, leichte Klänge ergeben einen perfekten und puren Vortrag, der das Publikum hinriss und Jubelstürme auslöste.

Das Quartett bietet ihren Auftritten den perfekten Rahmen. Hier passt einfach alles bis in die letzten Schlusstöne hinein. Knauss Gesang ist nie banal, glockenrein, mit zarten Schmelz und ab und an leicht aufgerauter Stimme intoniert sie klug und professionell bis in die letzten ausklingenden Melodiemomente, die dadurch immer bis in den allerletzten Schlusston hinein spannend bleiben. Fast wie aus dem Film „ La La Land“ gefallen, stand diese bildschöne Person auf der Westerbecker Bühne – das war ganz großes Kino.

Auch Clemens Schneider, der durch das Programm führte, spielt sich mit seinem erfrischend wie präzise schräg hüpfenden virtuosen Läufen und brillanten Soli auf der Violine ebenfalls direkt in die Herzen des Publikums und Gitarrist Manolo Steinbach begeisterte ein ums andere Mal mit seinen wundervoll rund kullernden Klangketten – virtuos und souverän getragen von Benjamin Bökesch am Kontrabass.

Das Sinti-Swing-Quartett Chapeau Manouche bietet mehr als reine Unterhaltungsmusik. Hier wird vor der Musik selbst und ihrer Geschichte, hier wird vor den Musikern und Komponisten der 1920er, -30er und -40er Jahre tief der Hut gezogen. Gerade vor den Klängen der Sinti und Roma ist ihre Musik eine einzige Referenz vor der Geschichte und setzt den in der Nazizeit verbotenen Klängen ein Denkmal, das direkt bis in die Herzen hinein tanzt. Chapeau! Ihr Oldenburger.

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