Straßenkunde: Ortfeld war ehemals sehr dünn besiedelt
Spitzwinkeliges Landstück

Westerkappeln -

Unterhalb des Hollenbergs Hügels liegt das Siedlungsgebiet Ortfeld. Woher hat die Siedlung ihren Namen ? War hier schon immer ein Ort, nach dem ein Feld benannt wurde, oder meinte man mit Feld etwa den Bereich des entstandenen Siedlungsortes ?

Freitag, 18.08.2017, 08:08 Uhr

Die Luftaufnahme von 1972 zeigt eine dünne Besiedlung und den Bauabschnitt Ortfeld I hinter der Turnhalle.         Die Zuwegung zur Schule vor Ausbau und Verschwenkung Ende der 1960er Jahre.
Die Luftaufnahme von 1972 zeigt eine dünne Besiedlung und den Bauabschnitt Ortfeld I hinter der Turnhalle.         Die Zuwegung zur Schule vor Ausbau und Verschwenkung Ende der 1960er Jahre. Foto: Repro: Astrid Springer

Gebaut wurde hier in einem ersten Abschnitt seit Ende der 1960er Jahre, nachdem 1965 bereits die Kirche eingeweiht worden war. Der erschlossene Bereich lag zunächst hinter der Turnhalle, 1982 kam ein zweiter Abschnitt dazu, dessen Erweiterung dann in den 1990er Jahren folgte.

Die Handarper Schule entstand bereits 1957. Zu der Zeit war nämlich die Bergbausiedlung auf Hollenbergs Hügel größtenteils fertiggestellt und die Kinder der hier lebenden Familien mussten beschult werden.

Bis dahin gingen die Kinder aus der Umgebung in die alte Handarper Schule. Die Kapazitäten des Schulgebäudes von 1889, das weiter östlich an der ehemaligen B 65 steht, reichten dafür allerdings nicht aus.

Bis zum Bau von Schule und Kirche war der Bereich des Ortfelds Ackerland; lediglich einige Heuerhäuser standen hier verstreut in der Landschaft. Von einem Ort im Sinne einer Ansiedlung kann also keine Rede sein, das Bestimmungswort muss daher aus einem anderen Zusammenhang stammen.

Die Zuwegung zur Schule vor Ausbau und Verschwenkung Ende der 1960er Jahre

Die Zuwegung zur Schule vor Ausbau und Verschwenkung Ende der 1960er Jahre

Fündig wird man bei den Flurnamen: Tatsächlich heißt ein ganzes Flurstück Ortfeld, nach dem auch eine Flurkarte benannt ist. Das Flurstück grenzt direkt an die ehemalige B 65, die alte Chaussee von Osnabrück nach Ibbenbüren. Dabei läuft es gen Ortfeld-Siedlung deutlich spitz zu.

  Foto: Astrid Springer

Und darin dürfte auch wohl der Grund für die Namensgebung zu finden sein. Denn Ort ist ein alter, mittelhochdeutscher Begriff für Ecke und Spitze. Sprachlich geht es zurück auf das germanische uzda-, uzdaz = Spitze und das indogermanische ues-, das vermutlich ‚stechen‘ bedeutete. Wahrscheinlich wurde es von einem spitzen Werkzeug, beispielsweise eine Pfeilspitze, abgeleitet.

Blick aufs Ortfeld aus nördlicher Richtung

Blick aufs Ortfeld aus nördlicher Richtung Foto: Astrid Springer

Mit der sprachlichen Überprägung entstand dann eine große Varianz an Bedeutungen, die infrage kommen: Ort, Gegend, Stelle, Platz, äußerster Punkt, Ecke, Ende, Grenze, Richtung, Ausschnitt, Schneide, Winkel, Straßenecke, Raumecke, Schlupfwinkel, Eckhaus, Eckstein, spitzwinkliges Landstück, Landspitze, Teil einer Fläche, Zipfel, Meerbusen, Kante, Rand, Richtung, Spitze, Schärfe, Waffe, Pfeil, Schwert, Messer, Anfang, Ursprung, Stelle, Maßeinheit, Flächenmaß, Hohlmaß, Getreidemaß, Minute, Münzwert, Münze, münzähnliche Metallscheibe als Schmuckstück. Aus diesem breit gefächerten Wortfeld ist das Westerkappelner Ortfeld eindeutig als spitzwinkeliges Landstück auszumachen.

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