Gudrun von Busch blickt auf 90 Lebensjahre zurück
Eine Institution in Velpe

Westerkappeln-Velpe -

Auf 90 erlebnisreiche Lebensjahre hat am Donnerstag Gudrun von Busch aus Velpe zurückgeblickt. Im Süden der Gemeinde war sie eine Institution, ihre gebratenen Hähnchen legendär. Verheiratet mit Wilhelm von Busch managte sie lange die Küche der Gaststätte Wesselmann gegenüber des alten Velper Bahnhofs.

Freitag, 18.08.2017, 15:08 Uhr

Gudrun von Busch managte viele Jahre das Haus Wesselmann in Velpe und kann darüber manche Anekdote erzählen.
Gudrun von Busch managte viele Jahre das Haus Wesselmann in Velpe und kann darüber manche Anekdote erzählen. Foto: Astrid Springer

Nach Velpe kam die Jubilarin auf Umwegen: Geboren in Burgsteinfurt, lebte sie zunächst in Recklinghausen. Mit der Kinderlandverschickung während des Krieges wurde auch der Vater als Lehrer nach Osten versetzt, die junge Gudrun ging in Thüringen und später in Polen zur Schule.

Ihrer Bildung schadete das nicht, 1948 machte sie Abitur. Das angestrebte Medizinstudium konnte sie jedoch nicht angehen, das war im Nachkriegsdeutschland für Frauen nicht vorgesehen. Stattdessen wollte sie Berufsschullehrerin werden, machte eine Schneiderlehre.

Das Schicksal hatte jedoch andere Pläne mit ihr: Eines Tages machten sich Wilhelm von Busch und seine Schwester per Fahrrad auf nach Bayern – mit Zwischenstopp bei den entfernten Verwandten in Recklinghausen.

Gudrun und Wilhelm verguckten sich ineinander. Den angehenden Schwiegereltern musste Gudrun aber zunächst beweisen, dass sie als Stadtkind wusste, worauf sie sich einließ.

Sie machte ein Praktikum im Tecklenburger Hotel „Drei Kronen“. Offenbar konnte sie auch im Hotelfach überzeugen, heiratete ihren Wilhelm und wirtschaftete von da an in der Velper Gaststätte am Bahnhof eifrig mit.

Für das Pfingstschützenfest 1990 wurde der Saal Wesselmann komplett renoviert. Die Schützen sollten hier nach 25 Jahren erstmals wieder feiern. Ihr Mann erlebte das allerdings nicht mehr, von jetzt auf gleich war Gudrun verwitwet.

Mit Unterstützung der Familie schmiss sie Küche, Saal und Wirtschaft samt der Fremdenzimmer alleine, versorgte bis zu 185 Personen im Saal. Dabei durften die Gäste bisweilen auf besonderen Service hoffen: Gudrun fuhr fahruntüchtige Gäste nach der Sause häufig noch nach Hause.

Auch für andere wurde sie unverzichtbar: Gudrun erfand für die Velper Bahnhofstraße das „Essen auf Rädern“ für ältere Leute, war die gute Seele des Sportvereins und engagierte sich aktiv beim DRK : „Zentnerweise haben wir die Kartoffeln geschält, den Salat in riesigen Wannen angeliefert.“

Trotz manchen Mühsals: Gudrun von Busch ist zufrieden mit ihrem Leben. „Mir geht’s gut!“, sagt sie unbeeindruckt der Tatsache, dass die Beine nicht mehr so richtig mitmachen. „So alt wird kein Schwein!“, resümiert sie mit verschmitztem Grinsen und lässt sich genüsslich die Stachelbeertorte schmecken.

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