Straßen- und Flurkunde
Vom Jammertal zur Schmandheide

Westerkappeln -

In alter Zeit gaben die Menschen Fluren und Ackerflächen gern sprechende Namen, die sich im übertragenen Sinne auf die Standorteigenschaften bezogen. So gibt es im Schwegfeld ein Jammertal gleich neben der Schmandheide, was zunächst ein Widerspruch ist.

Freitag, 01.09.2017, 10:09 Uhr

Der nasse Untergrund macht eine Bewirtschaftung des Jammertals in Westerkappeln-Düte schwierig
Der nasse Untergrund macht eine Bewirtschaftung des Jammertals in Westerkappeln-Düte schwierig Foto: Astrid Springer

Das Düter Jammertal liegt jenseits der Straße, die „Zum Lotter Bahnhof“ führt. Durch das Jammertal verläuft das Schwarzwasser. Nun kamen die Menschen damals nicht her, um zu jammern, vielmehr hatten die Besitzer häufig Grund zur Klage.

Aus der Entfernung ist hier kaum ein Tal auszumachen, bei einer Begehung findet sich vor Ort jedoch eine deutliche Geländekante vom höher liegenden Acker zum Grünland mit Weidegrund. Der Name Jammertal deutet darauf hin, dass die Fläche nur wenig Ertrag bringt.

Das trifft zwar auch in Düte zu; das liegt allerdings nicht daran, dass der Boden nichts hergäbe: „Der Boden ist gut, wir haben hier tonhaltigen Lehm mit sehr hohen pH-Werten“, erläutert Biohof-Landwirt Gerd Wieligmann, der hier seine Limousin-Rinder auf die Weide schickt.

Für den ertragreichen Boden spricht auch ein Flurname in nächster Nachbarschaft: „Schmandhee“ beziehungsweise „Auf der Schmandheide“ heißt es hier. Schmand wie auch Butter und Botter sind verbreitete Flurnamen für fette, also fruchtbare Böden, wie auch am Botterbusch. Auf dem sandigen Lehm der Düter Schmandhee gedeihen beispielsweise Kartoffeln.

Die Problematik des Jammertals ist vielmehr in der grundwassernahen Lage und dem benachbarten Schwarzwasser zu suchen. „Immer wenn das Heu fertig war und man es hätte einholen können, dann fing es an zu regnen, das Heu wurde schwarz“, weiß Elfriede Wieligmann aus jahrelanger Erfahrungen. Das sei beinahe in jedem Jahr so gewesen.

„Das Wasser sickert dem Gefälle folgend oberflächennah durch den Boden und staut sich am tiefsten Punkt – im Jammertal“, erläutert Landwirt Wieligmann.

Grund zum Jammern hat er aber trotzdem nicht. Er nutzt einen Teil des staunassen Tals und den Waldrand zur Beweidung seiner Rinder – ganz dem nach historischem Vorbild des Hutewaldes. „Hier gibt’s jetzt immer leckeres Rindfleisch zu ernten“, meint er mit zufriedenem Grinsen.

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