Tecklenburger Nordbahn
Jetzt auch Widerstand in Westerkappeln

Westerkappeln -

Lange schien es so, als stoße eine Reaktivierung der Tecklenburger Nordbahn für den Öffentlichen Personennahverkehr in Westerkappeln auf einen breiten Konsens. Doch jetzt formiert sich Widerstand. Vergangene Woche haben über 50 Gegner des Vorhabens im „Alten Gasthaus Schröer“ diskutiert, ob und wie sich das Projekt stoppen lässt.

Dienstag, 12.09.2017, 16:09 Uhr

Ob in Zukunft Personenzüge in Westerkappeln halten, ist noch nicht entschieden. Gegen die Pläne zur Reaktivierung der Tecklenburger Nordbahn formiert sich jetzt Widerstand.
Ob in Zukunft Personenzüge in Westerkappeln halten, ist noch nicht entschieden. Gegen die Pläne zur Reaktivierung der Tecklenburger Nordbahn formiert sich jetzt Widerstand. Foto: Erhard Kurlemann

Einer der Wortführer ist Wilfried Kasling. Ihm schwebt vor, eine Bürgerinitiative zu gründen, „damit die Politiker mal merken, was los ist.“ Beim Namen Kasling dürfte manches Ratsmitglied hellhörig werden. Der 65-Jährige hat in der Vergangenheit mehrfach bewiesen, dass er Leute mobilisieren kann: Vor zehn Jahren sammelte er über 1000 Unterschriften gegen eine bereits vom Rat beschlossene Aufgabe des Hanfriedenstadions zugunsten eines neuen Sportzentrums. Dass das von ihm initiierte Bürgerbegehren letztlich aus formalen Gründen für nicht zulässig erklärt wurde, war am Ende nebensächlich, weil der Rat einknickte. Frank Sundermann , Fraktionsvorsitzender der SPD , bezeichnete dies später als „größten Fehler“ seiner politischen Karriere.

Nun wird die Standfestigkeit der Politiker möglicherweise erneut auf eine Bewährungsprobe gestellt. Im Frühjahr hatte der Rat die Reaktivierungspläne fast geschlossen grundsätzlich begrüßt. Nur die parteiunabhängige Bürgergemeinschaft war dagegen. Kasling wundert sich, denn viele Anwohner der Schienenstrecke seien echauffiert über die Pläne, fühlten sich aber nicht genügend informiert und einbezogen.

Der Rentner und die Westerkappelnerin Ulrike Meyer , die in den vergangenen Monaten mehrfach Nordbahn-kritische Leserbriefe geschrieben hatte, kamen überein, aktiv zu werden. „Mich haben auch viele Leute angesprochen, ob ich nicht etwas machen will“, erzählt Kasling. „Das kam wohl von der Geschichte mit dem Hanfriedenstadion.“

Vielleicht stehen bald auch hier Protestschilder wie in Schlickelde.

Vielleicht stehen bald auch hier Protestschilder wie in Schlickelde. Foto: Oliver Langemeyer

Meyer und er verteilten nach dessen eigenen Angaben rund 250 Einladungen an die Anlieger entlang der Gleise. „Wir waren überrascht, dass so viele gekommen sind“, sagt Kasling, der selbst an der Straße „Am Königsteich“ etwa 150 Meter nahe der Bahntrasse wohnt. Bei einer öffentlichen Einladung wäre es nach seiner Überzeugung noch viel voller in Schröers Saal geworden. „Wir vermuten, dass die Ablehnung weit größer als die Zustimmung ist.“

Kasling befürchtet, dass es im Falle einer Reaktivierung der Strecke wegen der Bahnübergänge zu einer „Katastrophe“ besonders Am Königsteich und an der Heerstraße komme. Vor allem für die direkten Anlieger bedeute die Wiederbelebung der Nordbahn erhebliche Beeinträchtigungen. Dies habe ihn vor allem motiviert, initiativ zu werden.

Wilfried Kasling

Wilfried Kasling ist vor zehn Jahren erstmals politisch in Westerkappeln in Erscheinung getreten, als er ein Bürgerbegehren für den Erhalt des Hanfriedenstadions initiierte. Über 1000 Unterschriften sammelte er damals. Das Bürgerbegehren wurde zwar für unzulässig erklärt, Rat und Verwaltung legten den Neubau eines Sportzentrums aber zunächst zu den Akten. Sollte das Thema im Zuge des jetzt diskutierten Sportstättenkonzepts wieder auf die Tagesordnung kommen, will der Rentner eine erneute Bürgerbefragung nicht ausschließen. Wilfried Kasling

Im Zuge der Planungen für das Baugebiet „Gartenmoorweg“ machte sich Kasling, damals parteilosen Mitglied des Rates, für eine andere Verkehrsführung stark als über den Knotenpunkt „Am Königsteich/Osnabrücker Straße“ und veranstaltete dazu auch Anliegerversammlungen. Der 65-Jährige gehörte dem Rat von 2009 bis 2014 an, zwischenzeitlich war er Fraktionssprecher der FDP und auch Ortsvorsitzender der Liberalen. Nach innerparteilichen Querelen trat er zurück und kehrte den Freidemokraten etwa zur Hälfte der Legislaturperiode den Rücken. Der Beitritt zur FDP sei „ein Schuss in den Ofen“ gewesen, sagte er damals.

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Bei dem Anliegerabend vergangene Woche seien die Reaktivierungspläne geschlossen abgelehnt worden, versichert Kasling. „Nach einer sachlichen und am Thema orientierten Diskussion“, so teilt der 65-jährige mit, sei die Gründung eines aus mehreren Personen bestehenden Arbeitskreises beschlossen worden, der das weitere Vorgehen abstimmt. Kasling kann sich auch gut vorstellen, dass die Gruppe demnächst Unterschriften sammelt und offiziell eine richtige Bürgerinitiative gegründet wird. „Es ist ein Versuch, wir können noch nicht sagen, was daraus wird.“

Bürgermeisterin Annette Große-Heitmeyer (CDU), die im Mai für die Reaktivierung stimmte, äußert sich zurückhaltend zu den Kritikern. „Jeder hat das Recht, seine Meinung zu sagen.“ Überdies sei ja auch noch nichts entschieden. Vor zwei Monaten habe es noch eine Begehung der Bahnübergänge mit Vertretern der Politik, der Regionalverkehr Münsterland GmbH (RVM), der Westfälischen Landeseisenbahn (WLE) sowie betroffenen Anliegern gegeben. Im Ergebnis sollten nun doch Bahnübergänge erhalten bleiben, für die zunächst eine Schließung vorgesehen war, erläutert die Verwaltungschefin. Dies koste wahrscheinlich zusätzliches Geld. Bevor die konkreten Zahlen auf dem Tisch liegen, wolle sie sich nicht festlegen, sagt die Bürgermeisterin. „Es bringt aber auch nichts, sich das schön zu rechnen.“

Bedauerlich fände sie, wenn für die Nordbahn der Schnellbus S 10 wegfiele. Sie wolle sich jedenfalls für den Erhalt der Linie einsetzen, erklärt Große-Heitmeyer. Rudert da schon jemand zurück ?

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