Straßenkunde: Hollesch ist ein alter Flurname
Holunder, Kuppe oder Hohlweg?

Westerkappeln-Velpe -

Mitten in Velpe zweigt jenseits der Tecklenburger Straße kurz vor den Bahnschranken der Hollesch zur Laggenbecker Straße ab. Das kleine verkehrsberuhigte Siedlungssträßchen führt dabei merklich hangabwärts; es schlängelt sich aber auch zwischen den Häusern parallel zur Tecklenburger Straße den Berg hinauf.

Freitag, 15.09.2017, 07:09 Uhr

Der Hollesch wie er sich dem Durchgangsverkehr präsentiert
Der Hollesch wie er sich dem Durchgangsverkehr präsentiert Foto: Astrid Springer

Und damit liegt der Hollesch ziemlich passgenau auf der gleichnamigen Fläche, es handelt sich um eine sogenannte Eschflur: ein höher liegender, großzügiger Acker, der zumeist durch Plaggendüngung aufgewertet wurde und daher leicht uhrglasförmig war.

Mit dem Bestimmungswort „Holl“ wird die Eschfläche vom benachbarten Velper Esch unterschieden. Ein Blick in alte Karten und Flurnamenregister belegt weitere „Holl“-Flächen in unmittelbarer Umgebung, namentlich niederste Hollesch, in dem Hollesch, niederste Hohlesch, mittelste Hollescheskamp, Hollmannskämpe, Stück bey Hollmann oder auch Hollmanns und später Holleschk.

  Foto: Astrid Springer

Bei „Holl“ könnte man an Holunder denken, der mundartlich auch Hollernbusk genannt wird. Doch selbst wenn hier am feuchten Hangfuß Holunder sicherlich gut gedieh, der altsprachliche Anschluss ist holprig; denn ursprünglich hieß es Holderbusch, die zugehörige Flur wäre damit ein Holderesch, – die historisch belegten Flurnamen haben jedoch alle kein ‚d‘ zu bieten.

Hol war im Westfälischen auch für „Loch, Höhle, Durchlass“ gebräuchlich. Allerdings sind auf dem Esch weder Höhle noch Hohlweg auszumachen, auch wenn sich ein Teil der Straße heute wie ein kleiner Durchlass mit einseitig starkem Gefälle präsentiert. Einen Hohlweg hat es hier nie gegeben, dieser Eindruck entsteht erst durch die Aufschüttung der Dämme für Tecklenburger Straße und Bahnverbindung.

Die Hollesch-Siedlungsstraße verzweigt sich weiter bergauf, und liegt damit deckungsgleich zur Hollesch-Flur.

Die Hollesch-Siedlungsstraße verzweigt sich weiter bergauf, und liegt damit deckungsgleich zur Hollesch-Flur. Foto: Astrid Springer

Zudem beziehen sich die Flurnamen Hollmannskämpe und Stück bey Hollman eindeutig auf eine Hofstelle. Der zugehörige Hof Hollman liegt oberhalb des Holleschk, er wird als Hollemann bereits 1621 und 1634 in den alten Schatzregistern der Hambürener Höfe erwähnt. Auf historischen Karten ist die Hofstelle darüber hinaus 1827 wie 1841 belegt.

Dazu passt, dass große zusammenhängende Eschfluren in der Regel einer Hofstelle angehörten. Der tiefer am Hangfuß liegende Holl-Esch dürfte daher eine verkürzte Form des Hof- und Familiennamens sein, ehemals vermutlich Hollemannsesch.

Sekundär käme die Benennung nach einem Hohlweg trotzdem infrage, denn die namensgebende Hofstelle liegt unterhalb des alten Schulwegs, und der ist stellenweise in die Kuppe eingeschnitten.

Ein noch schlüssigeres Motiv für die Benennung des Hofes bietet allerdings seine exponierte Kuppenlage, denn „Holle“ ist ein alter Begriff für Berggipfel. Diese Herleitung würde auch das „e“ im ursprünglich belegten Familiennamen Hollemann erklären.

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