Vereinbarkeit von Familie und Beruf
Betreuung in den Ferien bereitet Eltern Probleme

Westerkappeln -

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist für viele Eltern ein Drahtseilakt, erst recht wenn beide Eltern einen Vollzeitjob haben. Schwierig kann es besonders in Ferienzeiten werden. Im katholischen Kindergarten St. Barbara regt sich jetzt Unmut darüber, dass die Einrichtung in den kommenden Sommerferien teilweise schließt.

Mittwoch, 22.11.2017, 20:11 Uhr

Der Kindergarten St. Barbara auf dem Hollenbergs Hügel wird in den nächsten Sommerferien drei Wochen schließen. Das finden nicht alle Eltern gut.
Der Kindergarten St. Barbara auf dem Hollenbergs Hügel wird in den nächsten Sommerferien drei Wochen schließen. Das finden nicht alle Eltern gut. Foto: Frank Klausmeyer

In der Vergangenheit hatte das Familienzentrum in den großen Ferien durchgängig geöffnet. Die Eltern konnten sich entscheiden, wann sie eine Betreuung in Anspruch nehmen wollten. Nächstes Jahr will die Kindertagesstätte jedoch die zweite, dritte und vierte Ferienwoche (23. Juli bis 13. August) schließen.

Für zumindest die Familie, die sich in der Redaktion gemeldet hat, birgt das Konfliktstoff. Denn die Eltern haben nicht nur ein Kind in der Kita, sondern auch eines in der Grundschule Handarpe. Die Betreuung im Offenen Ganztag sei nur in den ersten drei Wochen gewährleistet, danach seien auch dort Ferien. Familien, in denen beide Elternteile berufstätig sind und die Kinder sowohl im Kindergarten als auch in der Grundschule haben, müssten fünf Wochen überbrücken, um ihre Sprösslinge zu betreuen. „Kein Arbeitnehmer bekommt so lange Urlaub“, sagt der betroffene Vater. „Da muss man schon getrennt Urlaub nehmen.“

Er kann nicht verstehen, warum der Kindergarten St. Barbara, der seit Sommer vergangenen Jahres von Simone Baumann geleitet wird, plötzlich die Hälfte der Ferien schließt und sich dann nicht einmal mit dem Offenen Ganztag der Grundschule abstimmt. „Familienfreundlich ist das nicht.“

Die Verantwortlichen des Familienzentrums nehmen die Kritik ernst, was sich schon daran zeigt, dass sie in Person von Pfarrer George Shaji, Simone Baumann und Marita Haude , Beraterin des Caritasverbandes Münster, zum Pressegespräch geladen haben. Gleichzeitig äußern sie ihr Bedauern, dass die Betroffenen nicht das persönliche Gespräch mit der Gruppenleitung, Kindergartenleitung oder der Kirchengemeinde St. Margaretha als Trägerin gesucht haben, sondern an die Öffentlichkeit gegangen sind. „Wir haben alle Eltern rechtzeitig informiert“, betont Pfarrer Shaji.

Für die Änderung der Öffnungszeiten gebe es gute Gründe: „Früher hatten wir die ganzen sechs Wochen geöffnet, aber nicht sechs Wochen das ganze Personal da“, erläutert Simone Baumann. Die Sommerferien erstreckten sich in den vergangenen Jahren fast immer über den ganzen August. Nächstes Jahr sei dies nicht anders. Das neue Kindergartenjahr beginne jedoch immer schon am 1. August. Vor allem mit Blick auf die Jüngsten in der Kita sei das problematisch. Die Eltern zahlten bereits den vollen Beitrag, aufgrund der Personalsituation sei eine umfängliche Betreuung aber nur eingeschränkt möglich. „Die Aufnahmephase dauert dann teilweise bis Mitte oder sogar Ende September“, gibt die Kita-Leiterin zu bedenken. Um allen Ansprüchen gerecht zu werden, habe man sich für den Mittelweg entschlossen und schließe nun in der zweiten, dritten und vierten Ferienwoche.

Dem liegt keine einsame Entscheidung der Kita-Leitung oder des Trägers zugrunde. Dies sei einstimmig ohne Enthaltung im Kindergartenrat – in dem je zu einem Drittel Elternbeirat, Träger und Mitarbeiterinnen – vertreten sind, beschlossen worden, erklärt Shaji. Alle Eltern seien schriftlich informiert und befragt worden, wer in welchem Umfang Betreuungsbedarf während der Schließzeiten habe. Nur eine Familie habe sich daraufhin gemeldet. Beschwerden habe es keine gegeben. Einige Eltern seien zwar an Simone Baumann herangetreten, hätten aber Verständnis geäußert.

Dafür, dass die Schließungszeit nicht mir der Grundschule Handarpe konform geht, gebe es auch Argumente, führen die Verantwortlichen weiter aus. Denn deren Offener Ganztag stimme seine Öffnung mit dem Ganztag der Grundschule am Bullerdiek ab.

Eltern, die während der Schließtage für ihre Kinder berufsbedingt Betreuungsbedarf haben, könnten diese in einen anderen Westerkappelner Kindergarten bringen, weil nicht alle Einrichtungen gleichzeitig Urlaub machten. „Das funktioniert immer ganz gut“, meint Baumann.

Dies will die Familie, die sich in der Redaktion gemeldet hat, aber – ganz abgesehen von der Fahrerei - aus negativen Erfahrungen eines ihrer anderen Kinder jedoch nicht machen. „Das war die Hölle“, sagt der Vater mit Hinweis auf die fremde Umgebung, auf fremde Bezugspersonen und fremde Kinder.

Das Wohl der Kinder und Familien stehe für den Träger über allem, versichert Pfarrer Shaji. Simone Baumann weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass das Familienzentrum St. Barbara in diesem Kindergartenjahr nur 16 Werktage geschlossen hat. Das Kinderbildungsgesetz gebe eigentlich 20 und nicht mehr als 30 Tage vor. „In den Oster- und Herbstferien ist die Betreuung durchgängig gewährleistet“, unterstreicht die Kita-Leiterin. – Manche Eltern, deren Kinder zur Schule wechseln, merken erst dann, wie paradiesisch die Betreuungszeiten im Kindergarten sind.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5306548?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F188%2F
Beim Stadtfest spielt überall die Musik
Hunderte Stadtfest-Besucher blieben am Samstag vor der Bühne am Drubbel stehen, als die Glamrocker von „Reisegruppe Hardcore“ in ausgefallenem Dress 80er-Jahre-Hits coverten.
Nachrichten-Ticker