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„Das ist irgendwie surreal“

westerkappeln -

Tom Huppertz kommt die Sache irgendwie unwirklich vor. Seine Kurzgeschichte „Der Glasbläser“ ist Gegenstand einer Deutsch-Klausur in der Jahrgangsstufe 11.1 des Köln-Kollegs (Weiterbildungskolleg der Stadt Köln).

Sonntag, 07.01.2018, 15:01 Uhr

 Tom Huppertz freut sich, dass sich an einem Kölner Kolleg Schüler im Unterricht mit seiner Kurzgeschichte auseinandersetzen.
 Tom Huppertz freut sich, dass sich an einem Kölner Kolleg Schüler im Unterricht mit seiner Kurzgeschichte auseinandersetzen. Foto: Cornelia Ruholl

Tom Huppertz kommt die Sache irgendwie unwirklich vor. Seine Kurzgeschichte „Der Glasbläser“ ist Gegenstand einer Deutsch-Klausur in der Jahrgangsstufe 11.1 des Köln-Kollegs (Weiterbildungskolleg der Stadt Köln). Wer an Lektürelisten für die Oberstufe denkt, dem fallen gewöhnlich sehr große Namen ein. Entsprechend verblüfft nahm der 18-Jähriger Westerkappelner, der sein Abitur am Kepler-Gymnasium in Ibbenbüren machte, es zur Kenntnis. „Wenn ich daran denke, was wir in der Oberstufe gelesen haben, dann ist das irgendwie surreal“, sagt er.

„Kurzprosa im Zusammenhang mit Kommunikation“ war das Thema und Dr. Klaus Jürgen Dilewsky , Lehrer am Köln-Kolleg wollte ganz bewusst keine ausgetretenen Pfade beschreiten. Nicht Borcherts „Die Küchenuhr“ lesen. „Ich war auf der Suche nach einer Lektüre, die junge Menschen fesseln könnte.“ Ein paar entsprechende Stichworte bei Google ließen ihn das Buch „Krise“ finden, in dem die zwölf besten Geschichten des ersten Kurzgeschichtenwettbewerbs des Ibbenbürener Klaus-Münstermann-Verlags für junge Autoren veröffentlicht wurden. Das Buch, besser gesagt, ausgewählte Geschichten daraus, wurden zur Unterrichtslektüre und Tom Huppertz‘ „Der Glasbläser“ wurde Thema der abschließenden Klausur.

Über das Entstehen seiner Geschichte sagt Tom Huppertz: „Das kommt von einem Traum.“ Mit 16 begann er zu schreiben. Nachdem er gern Videospiele gespielt habe, zu denen es auch Fantasy-Buchreihen gibt (zum Beispiel „The Witcher“ von Andrejz Sapkowski oder die „Der dunkle Turm“-Saga von Stephen King), fand er darin Inspiration. „Das könnte ich auch mal versuchen“, dachte er sich. Seiner Mutter fiel der Flyer zum Wettbewerb des Münstermann-Verlags in die Hand und machte ihn darauf aufmerksam. „Die Kurzgeschichte habe ich an einem Tag geschrieben.“ Ein Glasbläser, der einmal in einem Traum vorgekommen war, war die Quelle der Idee. „Ich habe nicht damit gerechnet, dass ich einen Preis gewinne. Das war schon eine große Überraschung für mich.“

„Das sind endlich einmal Geschichten, die etwas mit uns zu tun haben“, referiert Dr. Dilewsky die Reaktionen seiner Schüler auf die ungewohnte Lektüre. Gefallen habe den Schülern auch, dass die Geschichten deutlich machten, dass eine Krise auch positiv wahrgenommen werden kann, als Chance. „Hat voll geklappt“, bilanziert der engagierte Pädagoge sein Unterrichtsprojekt. „Krise“, diesen Titel habe er gleich gut mit seinen Schülern in Verbindung bringen können. Er erlebe oft, dass junge Menschen nicht wüssten, wie es nach der Schule weitergehen soll. „Da passt die Geschichte `Der Glasbläser` gut. Sie malt durch ihre Sprache und Dichte Gedankenbilder im Kopf.“

Inzwischen endete bereits der zweite Autorenwettbewerb des Verlags, und für den Lehrer steht fest: „Auch den zweiten Band der jungen Autoren werden wir behandeln.“ Klaus Jürgen Dilewsky ist begeistert: „Junge Menschen sind neugierig auf ein Buch, welches es noch gar nicht gibt, toll oder?“

Die Geschichte des Glasbläsers dreht sich um einen Mann mittleren Alters, der seine Arbeit verliert, damit einen Teil seiner Identität, seine Frau verlässt ihn, aber das Ende der Geschichte ist offen und positiv.

Im Dialog mit dem Glasbläser entwickelt der Mann neue Zuversicht. Während des Dialogs arbeitet der Glasbläser und zerstört zwischendurch immer wieder seine wunderbaren Glaskreationen, um aus der Glasmasse etwas Neues zu schaffen. Bis er schließlich sagt: „Du hast verstanden.“ „Was habe ich verstanden?“, will der Mann wissen. „Du bist das Glas, der Ofen ist die Welt und ich bin dein Wille“, erläutert ihm der Glasbläser.

Tom Huppertz plant ein Studium. Richtung Literaturwissenschaften. Am liebsten will er später in die Verlagsarbeit gehen. „Editing“ könne er sich vorstellen. Schreiben will er natürlich weiterhin. „Muss ich ja auch“, sagt er. Schließlich hat er bei dem Wettbewerb einen Buchvertrag gewonnen. Eine konkrete Idee dafür hat er schon: „Philosophische Fantasy. Es geht um Freiheit.“

Aber erst einmal geht es auf Backpacker-Reise nach Japan. Wenn er von dort zurück ist, will er täglich ein bis zwei Stunden schreiben, damit das Buch vor Studienbeginn fertig ist.

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