Bundestagsabgeordnete Anja Karliczek spricht über Sorgen um den Arbeitsplatz
„Nie nur auf ein Einkommen setzen“

Tecklenburger Land -

Mitglied des Deutschen Bundestages, Mitglied im Ältestenrat, Parlamentarische Geschäftsführerin der CDU-Fraktion, Mitglied im Finanzausschuss – CDU-Frau Anja Karliczek (47) hat politisch einiges vorzuweisen. Sorgen machen muss sich so jemand doch nicht – oder ?

Mittwoch, 17.01.2018, 20:01 Uhr

Anja Karliczek  ist Bundestagsmitglied – ein Amt auf Zeit.
Anja Karliczek  ist Bundestagsmitglied – ein Amt auf Zeit. Foto: Tobias Koch

Ganz so einfach ist es nicht. Das wurde jetzt bei einer Einladung der Abgeordneten zum politischen Pressegespräch in ihr „Elternhaus“ – das Vier-Sterne-Superior Teutoburger Wald-Hotel in Brochterbeck – deutlich. Denn auch Bundestagsabgeordnete stehen mitten im Leben, haben Sorgen, haben Nöte. Karliczek hat – auf ausdrückliche Nachfrage unseres Medienhauses – keinen Hehl aus dem gemacht, was doch eigentlich eher privat ist: Die Ängste und die Sorgen, die mit dem Verlust des Arbeitsplatzes einhergehen.

Hier in der Region ist weithin bekannt, dass Lothar Karliczek (58), der Ehemann der heimischen Bundestagsabgeordneten, beruflich als Pilot tätig ist. Er fliegt – nein er flog – für Air Berlin. 21 Jahre lang.

„Mein Mann war seit Ewigkeiten dabei“, erzählt Karliczek. Seitdem Air Berlin vor sehr vielen Jahren das achte Flugzeug angeschafft hat, sitzt er im Cockpit. 21 Jahre lang hat er den rasanten Aufbau und auch den lang dauernden Niedergang der ehemals zweitgrößten deutschen Airline miterlebt. „Mein Mann war schon sehr stolz auf Air Berlin. Und er hat zuletzt auch sehr viel Frust geschoben“, beschreibt Anja Karliczek die Situation, wenn zu Hause über den Job gesprochen wurde.

„Natürlich macht man sich Gedanken“, beschreibt die Bundestagsabgeordnete die Gefühlslage, wenn man mitbekommt, dass der eigene Arbeitgeber wirtschaftlich in bedrohlichen Schwierigkeiten steckt. „Wir haben immer damit gerechnet, dass was passiert“, erinnert sie sich an Sorgen um den Arbeitsplatz.

Als „richtig bedrohlich“ allerdings, das räumt sie ein, wurde die Lage nicht empfunden. Schließlich ist ein Bundestagsmandat in Berlin ja kein Ehrenamt, sondern auch mit einem durchaus nennenswerten Einkommen verbunden. Nicht unwichtig, die Familie Karliczek hat drei Kinder. Hinzu kommt eine wohl typisch deutsche Eigenschaft, nämlich die der Vorbereitung für schlechte Zeiten: „Man muss immer einen finanziellen Puffer haben“, sagt Karliczek. Und sie meint das durchaus als Ratschlag für jedermann.

Wie die Air Berlin-Geschichte ausgegangen ist, das braucht man in Deutschland kaum noch erklären: Pleite. Schluss. Aus. Vorbei. Und auch, wenn das Ende absehbar war, sieht das im persönlichen Erleben dann doch ganz anders aus: „Erst kam der Schock. Und dann die Frage: Wie geht es jetzt weiter?“ Es geht weiter: Für Lothar Karliczek, den langjährig berufserfahrenen Piloten, hat sich die Lage nach der Air Berlin-Pleite zum Guten gewendet. „Mein Mann hatte jetzt seinen ersten Arbeitstag bei Eurowings“, sagt Anja Karliczek. „Jetzt ist alles wieder gut. Und wir hoffen, dass das nun bis 65 auch so bleibt ...“

Die Sorge, wenn es um den eigenen Arbeitsplatz geht, Anja Karliczek leitet daraus einen – schon fast politisch gemeinten – Hinweis ab: „Als Familie sollte man in der heutigen Zeit nicht auf nur ein Einkommen setzen“, lautet ihr Appell. Und das ist kein schlechter Ratschlag.

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