Kirchplatz Westerkappeln
Trostlose Entwicklung

Westerkappeln -

Das Bild hat etwas symbolträchtiges: Hinten auf der grünen Wiese macht ein Hund für sein großes Geschäft den Buckel krumm. „Trostlos“, sagt eine Westerkappelnerin“ beim Blick über den Kirchplatz. Da stellt sich die Frage, was eigentlich aus den Plänen der Firma Echterhoff aus Velpe für ein neues Wohn- und Geschäftshaus geworden ist ? Um es kurz zu fassen: nichts !

Montag, 29.01.2018, 18:01 Uhr

Als Hundeklo erfreut sich die Wiese am Kirchplatz großen Zuspruchs. Ansonsten ist die Entwicklung dort eher betrüblich.
Als Hundeklo erfreut sich die Wiese am Kirchplatz großen Zuspruchs. Ansonsten ist die Entwicklung dort eher betrüblich. Foto: Frank Klausmeyer

Die Gemeinde selbst hat einen Verkauf der 820 Quadratmeter großen Fläche – zumindest vorerst – zu den Akten gelegt. Seit der Neugestaltung des Kirchplatzes gab es dafür einen Ansatz im Haushalt. Im Rathaus hoffte man auf Einnahmen zwischen 90 000 und 100 000 Euro. „Wir haben das jetzt rausgenommen“, sagt Bürgermeisterin Annette Große-Heitmeyer .

Dabei sah es vor einiger Zeit so aus, als könnte das Grundstück endlich veräußert und bebaut werden. Die Firma Echterhoff hatte im Juni 2016 Pläne für ein großes Wohn- und Geschäftshaus vorgestellt, in dessen Erdgeschoss ein Café oder eine andere gastronomische Nutzung sowie Büro- oder Praxisflächen geschaffen werden sollten. Projektentwickler Kai Knake sprach bei der Präsentation zwar von nur einem „ersten Schuss“, bei den Politikern stieß jedoch schon dieser auf großes Gefallen, weil sie die Chance sahen, mehr Leute in den Ortskern zu bekommen und den Einzelhandel zu stärken. Nur die CDU-Fraktion lehnte den Entwurf ab, weil das geplante Objekt wegen seiner Größe den Blick auf die Stadtkirche verstelle.

Das Thai-Massage-Studio „Phantharisa“ und das Stadtcafé am Kirchplatz sind geschlossen. Die Tourist-Info wurde ins Rathaus verlagert. „Wir müssen das Schild noch abmontieren“, sagt Bürgermeisterin Annette Große-Heitmeyer. Man suche einen neuen Standort. Am Wochenende stehen Reisende und Ausflügler, die Informationen suchen, an der Gemeindeverwaltung schließlich vor verrammelten Türen.

Das Thai-Massage-Studio „Phantharisa“ und das Stadtcafé am Kirchplatz sind geschlossen. Die Tourist-Info wurde ins Rathaus verlagert. „Wir müssen das Schild noch abmontieren“, sagt Bürgermeisterin Annette Große-Heitmeyer. Man suche einen neuen Standort. Am Wochenende stehen Reisende und Ausflügler, die Informationen suchen, an der Gemeindeverwaltung schließlich vor verrammelten Türen. Foto: Frank Klausmeyer

Die Denkmalschützer beim zuständigen Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) hätten diese Bedenken nicht geteilt, sagt Große-Heitmeyer. Trotzdem habe Echterhoff einen Rückzieher gemacht. Dieser hat einen historischen Hintergrund: Das Grundstück gehörte früher möglicherweise zum Friedhof, der an der Stadtkirche angesiedelt war. Gut möglich also, dass dort noch Gebeine der Vorfahren im Untergrund oder andere archäologische Befunde schlummern. Die Kosten für die Neugestaltung des Kirchplatzes waren aus gleichem Grund in die Höhe geschossen. Ein Investor müsse vor einer Bebauung eine Bodenuntersuchung in Auftrag geben, sagt Große-Heitmeyer. „Dieses Risiko war Echterhoff zu groß. Die Kosten hätten schnell im sechsstelligen Bereich liegen können. Und wir möchten die auch nicht tragen.“

Von einem Rückzieher könne keine Rede sein, betont hingegen Kai Knake. „Die Frage ist, zu welchem Preis wir das Grundstück übernehmen würden.“ Bei der Kalkulation sei Echterhoff anfänglich von rund 150 Euro pro Quadratmeter ausgegangen – voll erschlossen. Dieser Richtwert sei 2015 auch in der Ausschreibung für das sogenannte Investorenauswahlverfahren genannt worden. Nachdem es seinerzeit dafür nicht eine einzige Bewerbung gegeben hatte, machte sich die Firma Echterhoff im Nachgang Gedanken und legte der Verwaltung seine Pläne für das Wohn- und Geschäftshaus vor.

Nach Vorstellung des Entwurfes im Bauausschuss habe die Bürgermeisterin im bis hierhin letzten Gespräch im Februar vergangenen Jahres auf die möglicherweise erforderlichen Bodenuntersuchungen hingewiesen, berichtet Knake. Große-Heitmeyer habe noch einmal mit dem LWL darüber sprechen und sich dann wieder bei ihm melden wollen. Danach habe er von der Verwaltungschefin jedoch nichts mehr gehört, bedauert der Projektentwickler.

Die Firma Echterhoff aus Velpe hat die Pläne, auf der Wiese am Kirchplatz ein Wohn- und Geschäftshaus zu errichten, noch nicht geschreddert. Die Umsetzung sei nicht zuletzt eine Frage des Preises, sagt der zuständige Projektentwickler.

Die Firma Echterhoff aus Velpe hat die Pläne, auf der Wiese am Kirchplatz ein Wohn- und Geschäftshaus zu errichten, noch nicht geschreddert. Die Umsetzung sei nicht zuletzt eine Frage des Preises, sagt der zuständige Projektentwickler. Foto: Frank Klausmeyer

Echterhoff habe „das Buch noch nicht endgültig zugeklappt“, versichert Knake. „Wir sind ja schon mit den Entwürfen in Vorleistung getreten und haben dafür Kosten gehabt.“ Richtig sei, dass das Unternehmen das Kostenrisiko für eine Bodenuntersuchung und möglicherweise daraus folgende Maßnahmen nicht tragen könne und wolle. Es sei üblich, dass ein Investor ein bereinigtes und lastenfreies Grundstück angeboten bekomme. „Sonst kaufen wir doch die Katze im Sack“, meint Knake.

Gegebenenfalls könne man sich beim Preis ja auch aufeinander zubewegen. Er persönlich, so der Projektentwickler, glaube nach wie vor an eine Vermarktungsmöglichkeit seines Konzeptes. „Die Pläne liegen bei uns in der Schublade. Leider gab es keine Rückmeldung mehr.“

Große-Heitmeyer will jetzt einen älteren Ratsbeschluss aufgreifen, wonach andere Ideen für das Grundstück entwickelt werden sollen. Die Mandatsträger hatten die Verwaltung aufgefordert, dabei auch die Bürger einzubeziehen. „Wenn zwischenzeitlich ein Investor an uns herantritt, der dort etwas entwickeln möchte, würde ich das sicher mit in die Politik nehmen.“ – Vielleicht sollte die Bürgermeisterin erst noch einmal mit Echterhoff sprechen.

Kommentar: Auch der Ortskern braucht einen Masterplan

Bürgermeisterin Annette Große-Heitmeyer ist zurzeit für viele Baustellen unterwegs: Feuerwehrgerätehaus, Sportstätten und Schulbauten. Die vielleicht größte Aufgabe liegt aber direkt vor der Rathaustür. Der Ortskern erlebt einen traurigen Niedergang. Noch vor nicht allzu langer Zeit gab es beispielsweise mehr als ein halbes Dutzend Bekleidungsgeschäfte im Zentrum, mittlerweile ist es nur noch eines. Diverse andere Läden haben ebenso geschlossen. Schön, wenn an der einen oder anderen Stelle leer stehende Geschäftsräume neu vermietet werden, eine Trendwende ist aber nicht in Sicht.

Und der Kirchplatz, dessen Neugestaltung durchaus gelungen ist, verkommt ohne belebendes Umfeld zur tristen Brache. Wie für die Schulen muss auch für den Ortskern dringend ein Masterplan entwickelt werden. Stattdessen dümpelt die Arbeit am rahmenbildenden Bebauungsplan „Ortskern“ vor sich hin. Im Zentrum gilt eine Veränderungssperre. Der vergangenes Jahr mit Euphorie gestartete „Arbeitskreis Westerkappeln“ scheint mehr tot als lebendig zu sein. Und nach dem Abgang von zwei Wirtschaftsförderern innerhalb kurzer Zeit ist die Stelle immer noch nicht neu ausgeschrieben. Ist die angebliche Schlüsselposition doch nicht wichtig ?

Vielleicht hat die am vergangenen Wochenende geplatzte Neujahrsparty auch damit zu tun, dass den gebeutelten Kaufleuten im Ortskern derzeit nicht nach Feiern zumute ist. Frank Klausmeyer

...
Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5468141?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F188%2F
Polizei sucht auffälligen VW Polo
Das Foto zeigt das mutmaßliche Fluchtfahrzeug.    
Nachrichten-Ticker