eCall wird verpflichtend
Wenn das Auto selbst Hilfe ruft

Westerkappeln/Tecklenburger Land -

Für die meisten Auto- und Motorradfahrer klingt es wie Zukunftsmusik. Doch Fakt ist: Vom 1. April an wird der automatische Notruf, auch Emergency Call oder kurz eCall genannt, Realität. Ab diesem Zeitpunkt sind sämtliche Fahrzeughersteller verpflichtet, in ihre neuen Modelle das europaweite Notrufsystem einzubauen.

Donnerstag, 08.03.2018, 22:03 Uhr

 
  Foto: Jens Keblat

Das System schickt nach einem Unfall automatisch Daten über eine interne Mobilfunkkarte (oder über ein Smartphone) an die einheitliche europäische Notrufnummer 112 und erreicht so immer die nächstgelegene Notrufzentrale. Damit unterscheidet sich der eCall von bisherigen Notrufsystemen, bei denen das Auto eine Servicestelle des jeweiligen Herstellers kontaktiert, von der aus dann ein Mitarbeiter die 112 alarmiert.

Wie das neue System im Einzelnen funktioniert und was sich die Rettungskräfte davon versprechen, erklärt Jürgen Bischof von der Kreisleitstelle der Feuerwehr in Rheine, die auch alle Einsätze für Westerkappeln koordiniert. Als Systembetreuer ist er mit der neuen Technik bestens vertraut. „Seit Ende September haben wir alle technischen Voraussetzungen, um mit dem neuen System arbeiten zu können“, sagt Bischof.

Auf der anderen Seite, im entsprechenden Fahrzeug, löst das System automatisch bei einem Unfall aus oder kann manuell betätigt werden. „Wenn dann ein solcher eCall bei uns eintrifft, bekommen wir die Daten aus dem Auto: die Anzahl der ausgelösten Airbags oder angelegten Gurte etwa und per GPS den aktuellen Standort des Fahrzeugs. Hier werden uns zudem die letzten Standorte aufgezeigt. So können wir die Fahrtrichtung erkennen, was zum Beispiel bei Unfällen auf der Autobahn wichtig ist.“ Erst nach der Datenübertragung wird der eigentliche Einsatzalarm ausgelöst. Nach etwa 20 Sekunden wird zudem eine Sprachverbindung hergestellt. „Dann können wir uns erkundigen, was genau passiert ist. Wenn niemand spricht, könnte der Verunglückte bewusstlos oder aus dem Auto ausgestiegen sein“, sagt Bischof.

Insbesondere bei Alleinunfällen in abgelegenen Gegenden bringt der automatische Notruf Vorteile.

Insbesondere bei Alleinunfällen in abgelegenen Gegenden bringt der automatische Notruf Vorteile. Foto: Jens Keblat

„Für den normalen Verkehrsunfall über Tag bekommen wir im Zeitalter des Handys meistens mehrere Anrufe pro Fall“, weiß Bischof. „Nachts ist das schon schlechter.“ Und in Ausnahmefällen – wie etwa dem eingangs beschriebenen Szenario – kann das System über Leben und Tod entscheiden. „Laut EU können mit eCall in Europa jährlich 2500 Menschenleben gerettet werden“, teilt der ADAC mit. „Der Gesetzgeber verspricht sich von dem System einen Effekt wie seinerzeit von ESP oder ABS“, sagt ADAC-Pressesprecher Peter Meintz. „Das wird aber wohl noch zehn, 15 Jahre dauern.“

Für Meintz ist darüber hinaus klar, dass der Grundgedanke hinter dem System „weiter reicht, als allein die Verbesserung der Rettungsketten“. Für den Experten ist der eCall „der Anfang von der Vernetzung der Autos“.

Lebensretter

„Laut EU können mit eCall in Europa jährlich 2500 Menschenleben gerettet und die Zahl der im Straßenverkehr verletzten Personen deutlich verringert werden“, teilt der ADAC mit. Das System stellt eine Verbindung über die Rufnummer 112 her.

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Der Gesetzgeber habe das System so gestaltet, dass es grundsätzlich offen für Drittanbieter ist. Probleme für den Datenschutz sieht Meintz deshalb aber noch nicht: „Solange es nur um die Kernaufgabe des eCall-Systems geht, gibt es da aus unserer Sicht keine Probleme, weil das System nur beim Unfall aktiv wird.“ Anders sehe es hingegen aus, wenn mögliche System-Erweiterungen ins Spiel kommen. „Was da künftig wirtschaftlich möglich ist und was der Verbraucher will, ist offen. Da gibt es viele Möglichkeiten“, sagt Meintz.

Die Leitstelle der Feuerwehr hat bislang noch keine eingegangenen eCalls verzeichnet. Aber auch für Jürgen Bischof steht fest: „Langfristig wird das Standard.“

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