Wohnbauprojekt in Velpe
SPD will keine privaten Investoren

Westerkappeln-Velpe -

Das Wohnbauprojekt am Velper Esch ist möglicherweise gestorben, bevor es überhaupt zur Beratung in den Ratsgremien kommt. Die SPD-Fraktion, der in der Gemeindevertretung nur eine Stimme zur absoluten Mehrheit fehlt, reagiert auf den Beitrag der Westfälischen Nachrichten jedenfalls klar und deutlich: „Wir brauchen keine Bedenkzeit!“ Mit der SPD werde es keine Vermarktung durch einen privaten Investor geben.

Mittwoch, 28.03.2018, 17:36 Uhr

Die Hofstelle am Velper Esch steht leer und steht samt der umliegenden Wiesen zum Verkauf. Eine Projektentwicklerin aus Osnabrück will dort ein kleines Baugebiet schaffen. Die SPD-Fraktion lehnt private Investoren für solche Vorhaben ab.
Die Hofstelle am Velper Esch steht leer und steht samt der umliegenden Wiesen zum Verkauf. Eine Projektentwicklerin aus Osnabrück will dort ein kleines Baugebiet schaffen. Die SPD-Fraktion lehnt private Investoren für solche Vorhaben ab. Foto: Frank Klausmeyer

Wie berichtet, will das Projektentwicklungsbüro Korte aus Osnabrück eine Hofstelle nördlich der Laggenbecker Straße in Velpe kaufen und dort ein kleines Baugebiet mit neun Grundstücken auf den Weg bringen. Die früheren landwirtschaftlichen Gebäude will die Investorin sanieren und umbauen, teils zu Wohnzwecken, teils für eine gewerbliche Nutzung. Dabei schwebt dem Büro vor allem die Ansiedlung einer Bäckerei vor, um die Nahversorgung für die Velper Bevölkerung zu verbessern.

Das hört sich zwar gut an, findet bei den Sozialdemokraten aber trotzdem wenig Gefallen. Denn: Übliche und überaus bewährte Vorgehensweise der Gemeinde bei der Überplanung von Baugebieten sei, Bauland zu erwerben, dies zu überplanen und danach unter Berücksichtigung sozialer Aspekte kostengünstig an Bauwillige weiterzugeben, erklärt die SPD-Fraktion in einer Stellungnahme. „Auf diese Weise wäre eine Bebauung am Velper Esch durchaus denkbar.“

Keinesfalls jedoch werde es dort mit Zustimmung der SPD-Fraktion eine Vermarktung durch einen privaten Investor geben. In verschiedenen Gremiensitzungen seien dazu „klare und unmissverständliche Aussagen“ zu diesem Thema gemacht worden, heißt es in der Presseerklärung der SPD .

Verbunden worden sei dies mit dem klaren Signal an Bürgermeisterin Annette Große-Heitmeyer (CDU), in bewährter Weise vorzugehen. Das heiße: Erwerb durch die Gemeinde, anschließend Überplanung!

Stattdessen sei eine – durch die Bürgermeisterin scheinbar festgestellte außerordentliche Dringlichkeit – eine Sondersitzung des Bauausschusses angesetzt, mit nur diesem Tagesordnungspunkt. In der Vorlage dazu empfiehlt die Verwaltung, für das Projekt in Velpe einen Bebauungsplan aufzustellen.

Dieses Vorgehen findet die SPD-Fraktion umso befremdlicher, wenn man berücksichtige, dass der Rat mehr als ein Jahr darauf habe warten müssen, bis es die von der SPD geforderte Diskussion über den sozialen Wohnungsbau auf die Tagesordnung geschafft habe.

Eine Absetzung der Bauausschusssitzung sei dann auf Empfehlung aller im Rat vertretenen Fraktionen erfolgt, da die Ansicht vertreten werde, dass es bezüglich einer Zulassung eines privaten Investors nichts zu beraten gebe. „Die Politik benötigt an dieser Stelle keine Bedenkzeit, private Investoren bleiben vor der Tür“, heißt es in der Stellungnahme der SPD.

Bei dem von der Investorin in Aussicht gestellten Laden in der Hofstelle handelt es sich aus der Sicht der Sozialdemokraten nur um ein Lockangebot; wohl in der Hoffnung, eine Zustimmung der Gemeinde für die Entwicklung der Bauplätze zu bekommen. „Dass es einen Laden in Velpe nicht geben wird, gilt als sichere Prognose – und falls doch, wird er sicher nicht von Dauer sein“, meint die SPD-Fraktion.

Andere Ratsfraktionen haben sich in der Angelegenheit noch nicht öffentlich geäußert.

Kommentar: Spekulanten Riegel vorschieben

Die SPD-Ratsfraktion lehnt die Pläne eines Osnabrücker Projektentwicklungsbüros für neue Bauplätze in Velpe kategorisch ab. Das mag in dieser Deutlichkeit zunächst überraschen, ist aber schlüssig und richtig.

Die Vorgehensweise, wonach die Gemeinde Flächen erwirbt, um sie selbst als Bauland zu entwickeln, dient dazu, Grundstücksspekulanten einen Riegel vorzuschieben. Investoren und Flächenverkäufer machen dabei oft gute Geschäfte, die Baulandpreise werden dadurch aber oft in die Höhe getrieben. Anschauungsbeispiele gibt es im Tecklenburger Land einige.

Sicher, bei der Haubreede hat die Gemeinde eine Ausnahme zugelassen. Dort wurden die Grundstücke von der evangelischen Kirche jedoch in Erbpacht vergeben; die ist auch mit kleinem Portemonnaie bezahlbar.

Dass die Investorin eine Bäckerei ansiedeln möchte, klingt gut. Wirtschaftlich tragfähig dürfte so ein Geschäft aber kaum sein. Versuche hat es im Süden in diese Richtung ja schon gegeben. Oder, wie es ein Ortsmarketing-Experte zur Frage nach einem Grundversorger für Velpe mal ausdrückte: „Sie brauchen eine reiche Tante Emma.“ Diese Schuhe wird sich die Investorin wohl kaum anziehen. Frank Klausmeyer

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