Großprojekt in Westerkappeln
Neues Altenpflegeheim für 80 Menschen

Westerkappeln -

Überlegungen für ein zweites Altenpflegeheim in Westerkappeln gibt es schon seit vielen Jahren. Jetzt will ein Investor aus Sachsen eine Einrichtung für 80 Menschen bauen. Darüber hinaus soll ein Gebäude für betreute Wohngemeinschaften mit insgesamt 24 Zimmern entstehen. Etwa 7,5 Millionen Euro Investitionsvolumen stehen im Raum.

Dienstag, 08.05.2018, 11:34 Uhr

So soll der Gebäudekomplex an der Erich-Schröer-Straße nach Fertigstellung aussehen.
So soll der Gebäudekomplex an der Erich-Schröer-Straße nach Fertigstellung aussehen. Foto: ips Projekte

Überlegungen für ein zweites Altenpflegeheim in Westerkappeln gibt es schon seit vielen Jahren. Am westlichen Ortsrand – am Ende der Sackgasse der Erich-Schröer-Straße – ist sogar schon ein 5707 Quadratmeter großes Grundstück für diesen Zweck im Bebauungsplan festgeschrieben. Nun soll dort gebaut werden – und wie: Ein Investor aus dem sächsischen Kirchberg, die RTLL Objekt GmbH & Co.KG, will ein großes Pflegeheim mit 80 Betten und einem angeschlossenem Gebäude für drei betreute Wohngemeinschaften bauen.

Nach einer groben Kostenschätzung werde RTLL 7,5 Millionen Euro investieren, erläutert Architektin Tanja Roosmann auf WN-Nachfrage. Die Diplom-Ingenieurin und ihr Vater Paul Roosmann , Geschäftsführer der ips Projekte GmbH & Co.KG aus Lingen/Ems, stellten die Pläne in der jüngsten Sitzung des Sozialausschusses vor. Ihr Büro habe sich auf „soziale Gebäude“ spezialisiert.

Betreiben wird die Einrichtung die QualiVita AG aus Peine, die bereits sieben Altenheime in Nord- und Westdeutschland unterhält und darüber hinaus ambulante Pflegedienste, Krankentransporte, Tagespflege, Service-Wohnen und sogar ein Hofcafé in Lehrte zu ihren Geschäftsfeldern zählt. Der Mietvertrag mit RTLL sei schon unterschrieben, sagt Paul Roosmann.

Das Grundstück war bis vor Kurzem im Eigentum eines Gesellschafters des Seniorenzentrums am See in Saerbeck, der das Gelände 2004 nach Auslaufen der Produktion von Coppenrath & Wiese in Westerkappeln erworben hatte, um dort selbst ein Altenheim zu bauen. Die Pläne verwirklichte er aber nie, so dass das Areal zur Brache verkam. Dass es dort schon Baurecht gebe, sei natürlich ein Glücksfall und für so ein Projekt eher außergewöhnlich, betont Tanja Roosmann.

In dem dreigeschossigen, vollstationären Pflegeheim sollen 80 Bewohnerzimmer eingerichtet werden, davon ein Viertel rollstuhlgerecht. Vorgesehen seien drei Wohnbereiche mit insgesamt fünf Wohngruppen. „Dabei haben wir versucht, die sonst üblichen langen Flure ein bisschen zu verschachteln“, erläuterte Roosmann. Die Größe der Pflegegruppen wird mit 11 bis zu 20 Bewohnern variieren, um verschiedenen Graden und Formen von Pflegebedürftigkeit gerecht werden zu können. Denkbar sei beispielsweise eine Wohngruppe für Demenzkranke oder für „junge Pflege“, wie die Architektin es nennt. In so einem Bereich könnten beispielsweise MS-Patienten oder pflegebedürftige Unfallopfer betreut werden, die noch weit jenseits des Seniorenalters seien.

Statt Keller soll auf das Pflegeheim ein zurückgestuftes Staffelgeschoss mit Sozial- und Sanitärräumen für die Mitarbeiter aufgestockt werden. Die große Versorgungsküche, in der täglich frisch gekocht werde, so Roosmann, entstehe im Erdgeschoss. Zwei Aufzüge und drei Treppenhäuser sind für die „innere Erschließung“ geplant. Eine Besonderheit: Im Zentrum der Anlage werden ein Restaurant mit Cafetaria und Außenterrasse gebaut. „Die sehen wir durchaus als öffentlich“, betont die Architektin.

In die drei Wohngemeinschaften im Ostflügel des Gesamtkomplexes können jeweils sechs bis neun Senioren einziehen. Gegebenenfalls biete sich dies auch für Angehörige der Bewohner des Altenheimes an, so Roosmann weiter. Insgesamt sind 24 Wohneinheiten geplant.

Nachdem das Gelände jahrelang brach lag, soll nun alles ganz schnell gehen. Der Bauantrag werde spätestens Ende Mai eingereicht, kündigte Paul Roosmann an. „Es ist vorgesehen, noch in diesem Jahr mit dem Bau zu beginnen.“

Zahl pflegebedürftiger Menschen wächst deutlich

Bei der Gemeinde rennt der Investor für das neue Altenheim eigentlich offene Türen ein. Denn die Zahl pflegebedürftiger Menschen wird in Westerkappeln in den kommenden Jahren voraussichtlich erheblich steigen. Nach der „Kommunalen Pflegeplanung 2016/17“, die der Kreis Steinfurt vor knapp einem jahr für Westerkappeln vorstellte, waren zu dem Zeitpunkt 1065 Westerkappelner 75 Jahre und älter, gut die Hälfte davon über 80. Bis 2040 wächst die Gruppe der über 75-Jährigen in der Gemeinde auf 1775 Menschen, rund 950 werden die 80 überschritten haben.

Natürlich, so wurde betont, werden Senioren nicht automatisch pflegebedürftig. Aber mit zunehmenden Alter steige die Wahrscheinlichkeit dafür. Zuletzt ging der Kreis davon aus, dass circa 16 Prozent der Pflegebedürftigen auf die Unterbringung in einem Heim angewiesen sind.

Das Haus der Diakonie hat 78 vollstationäre Plätze. Das „Gut Andersleben“ bietet überdies 14 Plätze in der Tagespflege an. Und das Haus der Diakonie verfügt zusätzlich über zwölf Kurzzeitpflegeplätze. Rechnerisch werden 2040 gut 150 vollstationäre Pflegeplätze in Westerkappeln gebraucht, also ungefähr doppelt so viele heute. Es sei aber nicht leicht, Investoren für Pflegeeinrichtungen zu finden, hieß es seitens des Kreises, der deshalb an die Lokalpolitik appellierte, sich Gedanken über Alternativen zu machen. Dies könnten insbesondere Wohnformen und -gemeinschaften sein, in denen eine 24-Stunden-Betreuung gewährleistet sei. Mit dem in Westerkappeln geplanten Projekt vereint der Investor beides.

Der Kreis verfolgt die Entwicklung womöglich trotzdem mit gemischten Gefühlen. Denn „katastrophal“, so die Worte eines Experten, werde sich der Mangel an Pflegekräften entwickeln, wenn der vollstationäre Bereich ausgebaut werde. Das Personal, das die Pflegeheime benötigten, fehle dann bei den ambulanten Diensten. fk

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