„Quartierskonzept Paradieschen“ in Westerkappeln
„Hochgradig richtig und wichtig“

Westerkappeln -

Als „hochgradig richtig und wichtig“ bezeichnet Frank Sundermann. Vorsitzender der SPD-Ratsfraktion, das „Quartierskonzept Paradieschen“. Vor rund zwei Jahren wurde das Projekt angeschoben. Im September wird nun der Bericht zu den Stärken und Schwächen der Siedlung erwartet. Auf dessen Grundlage soll den Anwohnern gezeigt werden, was sie aus und mit ihren Häusern machen können.

Donnerstag, 17.05.2018, 16:00 Uhr

Der Bericht zum „Quartierskonzept Paradieschen“ soll im September vorgelegt werden.
Der Bericht zum „Quartierskonzept Paradieschen“ soll im September vorgelegt werden. Foto: Frank Klausmeyer

Eins stellt Andreas Hübner , Geschäftsführer von der Ingenieursgesellschaft Gertec GmbH , dazu klar: „Es geht nicht nur um Energiefragen, sondern wir schauen auch auf andere Aspekte, die mit der Lebensqualität der Bewohner zu tun haben.“ Dazu zählt der Diplom-Ingenieur Themen wie Lärm, Wegebeziehungen oder Spielplätze.

Einen Zwischenstand zum Quartierskonzept lieferten Hübner und Sara Dietrich jetzt im Umweltausschuss. Dietrich arbeitet beim Amt für Klimaschutz und Nachhaltigkeit beim Kreis Steinfurt, wo die Fäden für das „Paradieschen“ und sechs gleich gelagerte Siedlungsprojekte in Lotte-Büren, Mettingen, Ibbenbüren, Neuenkirchen, Wettringen und Metelen, zusammenlaufen. „Dadurch können wir Synergieeffekte nutzen“, erläutert Dietrich.

Zurzeit werde das umfangreiche Datenmaterial analysiert. Möglichst schnell solle dann die Öffentlichkeit informiert werden, kündigt Hübner an. Im Quartier „Paradieschen“ gibt es rund 170 Gebäude mit über 200 Wohneinheiten. Fast die Hälfte der 28 Hektar großen Fläche nehmen allerdings das Schulzentrum mit den drei Sporthallen, das Asylheim Hof Schildkamp, die AWO-Kita Am Königsteich, das Freibad, die Sportplätze Am Königsteich als auch das Haus der Diakonie ein.

Der Untersuchungsbogen wurde seinerzeit so weit geschlagen, um die Erweiterungsmöglichkeiten der Nahwärmeversorgung durch das Holzheizwerk im Schulzentrum zu prüfen. Schon jetzt sei allerdings absehbar, dass dies für die Wohnhäuser in der Siedlung nicht in Frage komme, erklärt Hübner. „Das macht aufgrund der Eigentümerstruktur keinen Sinn.“

„Spannend“ fürs Quartier findet er dagegen das Thema Solarenergie. Momentan sind auf lediglich sechs Dächern Photovoltaikanlagen installiert. Das Potenzial für die Nutzung der Sonnenenergie beträgt nach Meinung der Fachleute aber ein Vielfaches. Zwar sei die Einspeisevergütung deutlich gesunken, gleiches gelte jedoch auch für die Kosten für Photovoltaikmodule. „Die Wirtschaftlichkeit ist die gleiche geblieben.“ Interessant sei der Solarstrom nicht zuletzt für den Eigenverbrauch, meint der Ingenieur.

Großes Potenzial in der Siedlung sehen die Fachleute für den Ausbau der Solarenergie. Die in der Karte dunkelgrün markierten Gebäude eignen sich besonders gut für Photovoltaikanlagen, die gelben Objekte böten sich auch dafür an. Weniger oder gar nicht geeignet sind die orange oder rot gekennzeichneten Dächer. Aktuell gibt es im Quartier „Paradieschen“ lediglich sechs PV-Anlagen.

Großes Potenzial in der Siedlung sehen die Fachleute für den Ausbau der Solarenergie. Die in der Karte dunkelgrün markierten Gebäude eignen sich besonders gut für Photovoltaikanlagen, die gelben Objekte böten sich auch dafür an. Weniger oder gar nicht geeignet sind die orange oder rot gekennzeichneten Dächer. Aktuell gibt es im Quartier „Paradieschen“ lediglich sechs PV-Anlagen.

Für alle Eigentümer im „Paradieschen“ hat das Büro Gertec Gebäudesteckbriefe erstellt mit Angaben zum Haustyp und vor allem der energetischen Situation. Darauf fußend soll ein Beratungsprogramm zu denkbaren Sanierungsmaßnahmen und deren Kosten sowie zu Fördermöglichkeiten gestrickt werden. „Das ist gerade in der Mache“, berichtet Hübner.

Nur auf das Thema Energie zu setzen, bringe aber nichts, glaubt Hübner. Den Eigentümern der vorwiegend in den 1950er und 1960er Jahren müssten auch Perspektiven aufgezeigt werden, was mit ihren Gebäuden geschehen solle, sagt Hübner und nennt die Stichworte Umnutzung, Umbau und Verkauf. „Darüber erreicht man die Leute.“ So habe sich in zwei Workshops zu Jahresbeginn auch die Schaffung von Wohnraum für ältere Menschen und Alleinstehende – im Optimalfall im Quartier oder in der direkten Umgebung – als Themenfeld herauskristallisiert. An der Gestaltung und Aufwertung der Straßen in der Siedlung sowie die Verbesserung der Verkehrs- und Parksituation sei den Bewohnern ebenso gelegen. „Unser Ziel ist es, Bürgerprojekte anzustoßen“, erklärt Hübner. Angesichts der Altersstruktur in der Siedlung sei dies aber wohl nicht ganz einfach.

Frank Sundermann, Fraktionsvorsitzender der SPD, hält das Projekt für „hochgradig richtig und wichtig“. Angesichts der demografischen Entwicklung sei die Lösung bei der Schaffung von Wohnraum nicht – wie in den 1990er Jahren – die nächsten 30 Hektar für Einfamilienhäuser zu erschließen. „Wir müssen uns städtebaulich und energetisch mit der Frage beschäftigen, wie wir mit den älteren Siedlungen umgehen.“ Rainer Echterhoff (CDU) sieht in dem Quartierskonzept „Paradieschen“ deshalb ein „Pilotprojekt auch für andere Wohngebiete“.

Nachbarschaftsfest und „Klima-Detektive“

Zusammen mit der Gemeinde Westerkappeln organisiert der „energieland2050 e.V.“, der Verein des Kreises Steinfurt für Klimaschutz und Nachhaltigkeit, am Freitag, 22. Juni, ab etwa 16 Uhr ein Nachbarschaftsfest in der Siedlung „Paradieschen“. Alle Bewohnerinnen und Bewohner sind eingeladen, auf dem Gelände des Schulzentrums bei Essen, Getränken und einem stimmungsvollen Konzert zusammen zu kommen. Dort gebe es die Möglichkeit, sich in nachbarschaftlicher Atmosphäre auszutauschen, sich über Angebote zu energetischen Sanierung zu informieren und Ideen und Zukunftsvisionen am Teilhabestand zu teilen, heißt es in einer Mitteilung des Kreises.

Die Thermografie-Aufnahmen, die in einer groß angelegten Aktion zum Ende des Winters von jedem Gebäude im Quartier angefertigt wurden, könnten bei dieser Gelegenheit kostenlos abgeholt werden. Ein Energieberater erkläre die Wärmebilder und informiere, welche energetisch effizienten Möglichkeiten sich anbieten. Ein buntes Programm für Kinder rundet das Nachbarschaftsfest ab.

Bereits in den Pfingstferien, am Dienstag, 22. Mai, sind die kleinen Bewohner des „Paradieschens“ als „Klima-Detektive“ auf den Spuren der Bienen unterwegs und erforschen die Parallelen und Gemeinsamkeiten zwischen ihrer und der Welt der Bienen. Das Projekt findet mit Unterstützung der Initiative „Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE)“ und dem Offenen Ganztag der Grundschule am Bullerdiek statt.

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