Stellungnahme zum Nahverkehrsplan gefordert
Süden der Gemeinde Westerkappeln fehlt im Entwurf

Westerkappeln/Kreis Steinfurt -

Der Kreis Steinfurt will einen neuen Nahverkehrsplan verabschieden. Die Gemeinde Westerkappeln soll Stellung beziehen. Die Frist läuft in zwei Wochen ab. Im Umweltausschuss gab´s am Donnerstag Kritik am Entwurf: „Ich vermisse den kompletten Süden“, erklärte SPD-Ratsfrau Ellen Stalljohann.

Freitag, 06.07.2018, 18:00 Uhr

Das Angebot der Schnellbuslinie S 10 soll ausgeweitet werden.
Das Angebot der Schnellbuslinie S 10 soll ausgeweitet werden. Foto: RVM

Seit zwei Jahren arbeitet der Kreis Steinfurt in Zusammenarbeit mit Gutachtern an einem neuen Nahverkehrsplan. Seit Frühjahr liegen Ergebnisse vor, die aus Westerkappelner Sicht einige Verbesserungen bedeuten. Obwohl das Thema eigentlich bekannt ist, muss die Gemeinde nun hopplahopp reagieren. In zwei Wochen läuft die Frist für eine Stellungnahme ab.

Ratsfrau Ellen Stalljohann (SPD ) hatte in der Vergangenheit wiederholt nachgefragt, wann denn die Westerkappelner Gremien den Entwurf für den Nahverkehrsplan auf den Tisch bekämen. Am Donnerstag war es soweit. Zu Beginn eines mehrstündigen Beratungsmarathons im stickigen Ratssaal und bei nervtötendem Gewimmer des offenbar reparaturbedürftigen Wasserspenders beschäftigten sich zunächst die Mitglieder des Ausschusses für Umwelt, Energie und Landwirtschaft mit dem umfangreichen Papier.

Melanie Jaretzki, Mitarbeiterin der Verwaltung, fasste die Kernpunkte zusammen: Das Angebot der Schnellbuslinie S 10 soll sowohl in Richtung Osnabrück – täglich sechs zusätzliche Fahrten von montags bis freitags sowie eine zusätzlichen Fahrt am Samstagabend – als auch in Richtung Mettingen – täglich drei zusätzliche Fahrten von montags bis freitags. sonn- und feiertags ein 60-Minuten-Takt – erweitert werden.

Indirekt würde Westerkappeln auch von zusätzlichen Fahrten auf den Linien R 20 und R 24 zwischen Mettingen und Ibbenbüren profitieren, weil die direkte Verbindung von Westerkappeln nach Ibbenbüren mit zwei Fahrten frühmorgens hin und nach Schulschluss zwei zurück eher dürftig ist.

Darüber hinaus sieht der Entwurf des Nahverkehrsplans Maßnahmen und Prüfaufträge im Bereich der Infrastruktur vor: Dabei geht es um den Ausbau von bestehenden oder den Neubau von Bike-and-Ride-Anlagen.

Ablehnend wird im Rathaus der Vorschlag bewertet, neben dem Bürgerbus in Westerkappeln zusätzlich einen Einkaufsbus einzurichten. Da dieser offenbar mit ehrenamtlichen Fahrern eingesetzt werden soll, könnte das den Bürgerbusverein, der selbst stets nach freiwilligen Fahrern Ausschau hält, unter Druck setzen.

Insgesamt werden die Vorschläge des Kreises in der Stellungnahme der Gemeinde – unterzeichnet von Bürgermeisterin Annette Große-Heitmeyer – „als durchweg positiv“ bewertet. Ellen Stalljohann, die sich offensichtlich genauer mit den Plänen beschäftigt hat, ist diese Kommentierung jedoch zu kurz gesprungen: „Ich vermisse den kompletten Süden“, erklärt die in Velpe wohnende Ratsfrau.

Ihr Mängelbericht: Der R 31 fahre nur bis Lotte, warum nicht bis zum Industriegebiet Velpe oder zum Hollenbergs Hügel ? Noch sinnvoller, vor allem frühmorgens, wäre in ihren Augen eine Angebotserweiterung der Linie R 30 (Ibbenbüren-Westerkappeln-Lotte). Die Linie 133 (Ibbenbüren-Laggenbeck-Lotte) solle vielleicht etwas „aufgepeppt“ werden, also zusätzliche Haltestellen im Süden der Gemeinde bekommen. Dass die Linie 143 (Westerkappeln-Tecklenburg-Lengerich) nur einmal täglich hin und zurück fährt, hält Stalljohann für auch zu wenig.

Frank Sundermann, Fraktionsvorsitzender der SPD, vermisst noch etwas anderes: Bürgerbeteiligung. Der Kreis habe die Kommunen schon am 8. Mai um Stellungnahme gebeten. In anderen Gemeinden seien die Wünsche aus der Bevölkerung eingeholt worden. „Haben wir das verpasst ?“, fragte Sundermann in Richtung Bürgermeisterin.

„Wir hatten das für den Herbst geplant“, entgegnet Große-Heitmeyer. Der Kreis habe ursprünglich eine viel spätere Frist für Stellungnahmen gesetzt, nun aber am 20. Juli eine Deadline gesetzt. „Ein Unding“, empört sich die Verwaltungschefin. Interessierte Bürger könnten sich jetzt aber noch über die Homepage der Gemeinde informieren und Kommentare zum Nahverkehrsplan abgegeben, die dann gegebenenfalls in die Stellungnahme eingearbeitet werden sollen, verspricht Große-Heitmeyer.

Der Umweltausschuss und gut zwei Stunden später der Gemeinderat haben den Entwurf am Ende zustimmend zur Kenntnis genommen, wie es im Beschluss heißt. Ellen Stalljohanns Ideenliste soll der kommunalen Stellungnahme beigefügt werden.

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