Interview zum letzten Jahr der Realschule Westerkappeln
Ein historischer Jahrgang

Westerkappeln -

An der Realschule Westerkappeln hat am Mittwoch ein historisches Schuljahr begonnen. Denn der letzte Jahrgang bereitet sich auf die Mittlere Reife vor. Danach ist die Realschule nur noch Geschichte. Über das letzte Jahr, die aktuelle Stimmung und Unterrichtssituation sprachen wir mit Rektorin Bettina Weiss.

Freitag, 31.08.2018, 12:34 Uhr aktualisiert: 31.08.2018, 12:38 Uhr
Bettina Weiss (50) hat vor drei Jahren die Leitung der Realschule Westerkappeln übernommen. Dass sie über das Auslaufen der Schule hinaus in Westerkappeln bleibt, ist unwahrscheinlich, obwohl ihr das Ambiente und die modernen Schulgebäude sehr gefallen.
Bettina Weiss (50) hat vor drei Jahren die Leitung der Realschule Westerkappeln übernommen. Dass sie über das Auslaufen der Schule hinaus in Westerkappeln bleibt, ist unwahrscheinlich, obwohl ihr das Ambiente und die modernen Schulgebäude sehr gefallen. Foto: Frank Klausmeyer

Die 50-Jährige hat vor drei Jahren die Schulleitung übernommen – als einzige Bewerberin damals. Bereits in den Jahren davor war die Münsteranerin an zwei auslaufenden Realschule tätig.

Die Realschule Westerkappeln feiert das 45-jährige Bestehen in diesem Jahr. Wird das gefeiert ?

Bettina Weiss : Da haben Sie mich jetzt auf dem falschen Fuß erwischt (lacht). Darüber haben wir gar nicht gesprochen. Ich habe mich schon getroffen mit Beate Casser , die ja in den Ruhestand gegangen ist. Wir haben überlegt, wie wir den Abschluss gestalten. Aber das 45-jährige Bestehen war kein Thema.

Natürlich steht das Auslaufen der Schule am Ende dieses Schuljahres im Vordergrund. Wie ist die Stimmung so ?

Weiss: Zum Schuljahresbeginn ist die Stimmung sowieso immer besonders. Alle sind entspannt und freuen sich, dass es wieder losgeht. Gleichzeitig merkt man natürlich, dass es jetzt nur noch ein Jahrgang ist. Da wird sich in den nächsten Wochen zeigen, wie es mit einem dann weiter reduzierten Team läuft.

Wie viele Schüler sind jetzt noch da ?

Weiss: 45 Schülerinnen und Schüler nur noch, in zwei Klassen.

45!? Sind viele abgesprungen ?

Weiss: Es waren ja mal drei Klassen in dem Jahrgang. Bevor ich kam, hatte mein Vorgänger Ralf Kutschwalski aus drei schon zwei Klassen gemacht.

Ich erinnere mich. Da gab es eine ganze Menge Ärger...

Weiss: Ja, das war wohl so. Und da sind ziemlich viele Schüler nach Mettingen gewechselt. In den vergangenen drei Jahren gab es in den beiden Klassen aber keine große Fluktuation mehr. Mal kam jemand dazu, mal ist jemand gegangen.

Aber keine größere Absetzbewegungen zum Schluss...

Weiss: Nein !

Wie sieht es mit der Lehrerversorgung aus ?

Weiss: Sehr gut. Wir haben jetzt noch drei Kollegen, die ausschließlich an der Realschule unterrichten. Zwei Kollegen gehören noch zur Realschule, arbeiten aber zum großen Teil schon an der Gesamtschule. Und dann haben wir noch Rückabordnungen für so Fächer wie Französisch, Technik, Musik, Kunst und Textil.

Was sind denn Rückabordnungen ?

Weiss: Das ist beispielsweise eine Kollegin von der Gesamtschule, die drei Stunden in der Woche den Französisch-Kursus unterrichtet. Ein ehemaliger Kollege kommt aus Ibbenbüren zum Technik-Unterricht hierher.

Es werden alle Unterrichtsfächer abgedeckt ?

Weiss: Ja!

Wie ist die Stimmung bei den Kollegen ? Irgendwie ist es ja wenig motivierend, wenn man weiß: Hier geht bald das Licht aus.

Weiss: Ich glaube, dass die, die jetzt noch hier sind, sehr gerne dabei sind und ihren Job super machen. Der Auslaufprozess hat ja schon vor fünf, sechs, sieben Jahren begonnen. Da ist das in den Köpfen so mitgewachsen. Klar ist es gerade am Ende eines Schuljahres immer traurig. Einige Kollegen sind ja auch ganz woanders hin versetzt worden. Man muss sich deshalb auch immer wieder ganz neu aufstellen. Aber insgesamt ziehen alle gut mit.

Die Bezirksregierung und der Schulzweckverband Lotte-Westerkappeln als Träger haben damals, als das Auslaufen der Realschule beschlossen war, immer wieder beteuert dafür Sorge tragen zu wollen, dass die Unterrichtsversorgung bis zum letzten Tag sehr gut sein wird. Versprochen gehalten oder gab es auch Sand im Getriebe ?

Weiss: Nein, nein. Wir hatten immer eine sehr gute Lehrerversorgung. Die Zusammenarbeit mit der Gesamtschule, zum Beispiel bei den gegenseitigen Abordnungen läuft super. Der Schulträger begleitet das und die Bezirksregierung lässt uns hier vor Ort überwiegend machen.

Im ersten Jahr der Gesamtschule wurde dieser ein Trakt zur Verfügung gestellt. Steht ihnen jetzt noch ein Trakt zur Verfügung ?

Weiss: Sozusagen. Wir haben jetzt einen kleinen Trakt neben dem Computerraum. Die Fachräume der Gesamtschule nutzen wir entsprechend mit.

Den Stundenplan zu erstellen war doch bestimmt so einfach wie nie, oder ?

Weiss: Für mich irgendwie ja, weil ich nur noch ein kleines Rädchen in dem großen Schulgebäude bin. Wir sind im Endeffekt angegliedert an die Gesamtschule und haben den Stundenplan deshalb gemeinsam gemacht. Anders funktioniert das ja nicht. Das war im vergangenen Schuljahr auch schon so.

Was wird denn aus dem ganzen Schulinventar. Es gibt ja sicher Dinge, mit denen die Gesamtschule nichts anfangen kann ?

Weiss: Da bleibt nicht viel über. Das meiste wird die Gesamtschule beziehungsweise der Schulträger übernehmen. So wie die Klassenräume Ende vergangenen Jahres. Da ist auch die mediale Ausstattung komplett von der Gesamtschule übernommen worden, wobei die Rechner schon einige Jahre alt sind und wahrscheinlich bald wieder etwas Neues angeschafft werden muss.

Wie ist das Verhältnis zu den Eltern des letzten Jahrgangs ?

Weiss: In den vergangenen drei Jahren war die Zusammenarbeit immer sehr konstruktiv. Bisher haben die Gremien noch nicht getagt, ich gehe aber davon aus, dass das so bleibt. Ich denke, die Eltern registrieren auch, wie wir uns hier engagieren, zum Beispiel in der Berufsberatung. Der Fokus der nächsten Monate liegt natürlich auf dem Abschluss.

Ich habe Sie anfangs so verstanden, dass zum 45-jährigen Bestehen keine großen Feierlichkeiten geplant sind. Das wäre wohl auch unpassend. Wird denn das Auslaufen der Realschule in irgendeinem besonderen Rahmen gestaltet ?

Weiss: Ich habe schon mit den ehemaligen Schulleitern Franz-Josef Schlie und Herrn Kutschwalski sowie einigen weiteren engagierten Kolleginnen und Kollegen zusammengesessen und abgemacht, eine Woche vor der Zeugnisausgabe am 22. Juni eine besondere Abschlussveranstaltung zu organisieren. Ich möchte auch gerne, dass die Schüler das noch mitgestalten. Im zweiten Halbjahr soll es dazu Projektarbeit geben.

Sie waren ja schon vorher in Billerbeck und Steinfurt an Realschulen tätig, die ausgelaufen sind. Und nun das gleiche in Westerkappeln. Fühlt man sich da nicht ein bisschen wie eine Insolvenzverwalterin ?

Weiss: (lacht) Ja, irgendwie schon, weil es immer weniger wird. Aber ich habe mich bewusst dafür entschieden. Es war eine sehr interessante Zeit und ich habe mich hier sehr wohl gefühlt.

Was machen Sie dann anschließend ?

Weiss: Tja, ich bin noch auf der Suche. Ich habe schon das eine oder andere Gespräch mit der Bezirksregierung geführt. Es ist natürlich immer eine Frage, wo etwas frei wird.

Hier an der Gesamtschule verbleiben Sie nicht ?

Weiss: Nein, das steht relativ fest. Vom ganzen Ambiente her könnte ich mir das vorstellen, aber für mich ist auf Dauer der Weg von Münster hierher zu weit.

Und wieder an eine auslaufenden Realschule wechseln ?

Weiss: Das ist mir tatsächlich angeboten worden. Im Kreis Steinfurt gibt es noch zwölf Realschulen, davon sind vier auslaufend. Für mich ist das aber eigentlich keine Option mehr.

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