Kohlekonversion
Nur Krümel vom großen Kuchen?

Westerkappeln -

Ende des Jahres ist Schicht im Schacht, der Steinkohlebergbau nur noch Geschichte. Die sechs Kohlekommunen im Tecklenburger Land, unter ihnen Westerkappeln, tüfteln an der Konversion, also der Umnutzung der Gebäude und Flächen. Die größten Kuchenstücke sind das Zechengelände Oeynhausen in Ibbenbüren und der Nordschacht in Mettingen. Bei den Westerkappelner Lokalpolitikern gibt es die Befürchtung, für die Gemeinde könnten nur Krümel übrig bleiben.

Donnerstag, 06.09.2018, 17:50 Uhr
Veröffentlicht: Donnerstag, 06.09.2018, 17:50 Uhr

Über den aktuellen Stand informierte am Donnerstagabend Monika Umlauf , Mitarbeiterin der Ibbenbürener Stadtverwaltung und im Team „Schnittstelle Kohlekonversion“, den Hauptausschuss.

Papier ist bis jetzt schon en masse produziert worden. Allein die Potenzialanalyse zur Nachfolgenutzung der Zeche Oeynhausen und des Nordschachts ist 450 Seiten dick. Das Land Nordrhein-Westfalen stellte dafür 400 000 Euro Fördermittel zur Verfügung. Für die laufende zweite Förderphase hat Düsseldorf sogar 650 000 Euro Zuschüsse gewährt, hinzu kommen Eigenanteile der Kohlekommunen, des Kreises Steinfurt sowie der RAG Anthrazit GmbH. Rund eine Millione Euro stehen bis 2019 zur Verfügung, worüber sich vor allem die beteiligten Planungsbüros freuen dürften.

„Jetzt gehen wir rein in umsetzungsfähige Konzepte“, sagt Umlauf. Bis zum Herbst sollen Masterpläne für die beiden großen Bergbauflächen stehen. Die jetzigen Kohlelagerflächen in Oeynhausen eigneten sich für Industrieansiedlungen. „Das ist die größte zusammenhängende Gewerbefläche, die es in Nordrhein-Westfalen gibt“, betont die Fachfrau. Für das eigentliche Zechengelände nördlich der Osnabrücker Straße steht eine gewerbliche Nutzung im Raum, Fördertürme und andere Gebäude würden wohl unter Denkmalschutz gestellt. Das Bergbaumuseum ziehe möglicherweise um, das jetzige Gebäude sei stark renovierungsbedürftig.

Die Verwaltungsgebäude der RAG südlich der Osnabrücker Straße kommen für Dienstleister in Frage, konkrete Gespräche gebe es bereits mit den Stadtwerken Tecklenburger Land, berichtet Umlauf. Der Nordschacht eigne sich dagegen für eine Mischung aus Gewerbe und Wohnen. Ein „zweites großes Thema“ sei ein Konzept für die Halden. Für diese werde eine Entwicklung für den Tourismus und zur Naherholung geprüft, aber auch die Zulässigkeit von Windkraftanlagen.

Kein Wort verliert Umlauf bis dahin über Gewerbeflächen für Westerkappeln. Andreas Weiss (SPD) kann in den Flächen am Nordschacht und Ibbenbüren nur mittelbaren Nutzen für Westerkappeln erkennen. Jürgen Schulte (Bürgergemeinschaft) weist in diesem Zusammenhang auf die 75 Hektar hin, die die Kohlekommunen doch zusätzlich entwickeln dürften.

In der jetzigen Projektphase konzentrierten sich die Beteiligten auf die beiden Zechen. Danach solle eine Strategie für die Region entwickelt werden, welchen Bedarf es wo für die 75 Hektar gibt. Das fordere auch die Bezirksregierung für die Fortschreibung des Regionalplanes Münsterland. Eine „Verortung“ von Gewerbeflächen gebe es aber noch nicht, so Umlauf.

Frank Sundermann, SPD-Fraktionschef und Landtagsabgeordneter, bezeichnet es schon als „eine Leistung an sich“, dass den Kohlekommunen (Ibbenbüren, Mettingen, Westerkappeln, Recke, Hörstel, Hopsten) 75 Hektar zugestanden würden. „Es geht nicht ums Windhundprinzip, wo jeder versucht, möglichst schnell möglichst viel zu bekommen.“ Im Übrigen profitiere Westerkappeln sicher auch von neuen Industriearbeitsplätzen in Oeynhausen.

Im Blick haben die Verantwortlichen für die Kohlekonversion aber den Morgensternschacht auf dem Schafberg. Das 28 Meter hohe Gemäuer wurde 2010 auf Initiative des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) unter Denkmalschutz gestellt, weil die Anlage „bedeutend für die Entwicklung der Arbeits- und Produktionsverhältnisse im Steinkohlebergbau im Ostfeld des Ibbenbürener Reviers“ sei.

Der Turm steht derzeit völlig ohne Nutzung in der Landschaft. „Selbst die Amateurfunker mussten ihren Betrieb einstellen, weil der Schacht nicht standsicher verfüllt worden ist“, sagt Monika Umlauf aus der „Schnittstelle Kohlekonversion“. Im Herbst solle eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben werden, ob und was aus dem Morgensternschacht gemacht werden kann. Ziel sei der Erhalt und die Wiederbelebung des Gebäudes.

Der Morgensternschacht steht ohne Nutzung in der Landschaft. Selbst die Amateurfunker sind abgezogen

Der Morgensternschacht steht ohne Nutzung in der Landschaft. Selbst die Amateurfunker sind abgezogen Foto: Frank Klausmeyer

Schulte erinnert daran, dass schon vor etlichen Jahren dazu in einem Strategiepapier etwas geschrieben wurde. „Vielleicht sollte man da mal reingucken.“ Frank Sundermann begrüßt ein Konzept für den Morgensternschacht: „Das ist auch in Westerkappeln ein Symbol dafür, dass ein Teil unserer wirtschaftlichen Stärke auf Kohle gebaut worden ist.“

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