Tumult im Brandstifterprozess
Angeklagte gehen aufeinander los

Westerkappeln -

In dem Prozess vor dem Landgericht Münster um die Brandstiftung im Westerkappelner Orientladen ist es am Dienstag zu einem heftigen Streit mit deftigen Beschimpfungen zwischen den Angeklagten gekommen, der einen massiven Einsatz von Sicherheitskräften auslöste.

Dienstag, 23.10.2018, 15:44 Uhr aktualisiert: 23.10.2018, 18:44 Uhr
Auf der Anklagebank vor dem Landgericht Münster ist es am Dienstag zu einem Streit gekommen, bei dem das Brüderpaar und die zwei mitangeklagten Iraker aufeinander losgingen. Das Archivbild zeigt einen der Brüder beim Prozessauftakt.
Auf der Anklagebank vor dem Landgericht Münster ist es am Dienstag zu einem Streit gekommen, bei dem das Brüderpaar und die zwei mitangeklagten Iraker aufeinander losgingen. Das Archivbild zeigt einen der Brüder beim Prozessauftakt. Foto: Oliver Werner

Es passierte kurz nach einer Verhandlungspause am späten Vormittag, als das Brüderpaar mit den beiden mitangeklagten Irakern von einer Sekunde auf die andere in eine Auseinandersetzung geriet, die kurzzeitig drohte, in eine Prügelei auszuarten.

Die Angeklagten bespuckten sich und gingen aufeinander los. Im Tumult fielen Kommentare unter der Gürtellinie. Nur durch das beherzte Eingreifen der drei Justizbeamten, die sich bereits im Verhandlungssaal befanden, und ihrer innerhalb von wenigen Sekunden zu Hilfe eilenden Kollegen konnten die Streithähne wieder auseinandergebracht und verhindert werden, dass die Situation eskalierte.

Der Auslöser für den Zwischenfall war für die Prozessbeobachter nicht erkennbar. Nach rund zehn Minuten wurde die Verhandlung fortgeführt – fortan aber mit einem doppelten Aufgebot an Justizbeamten und mit einer leicht veränderten Sitzordnung auf der Anklagebank.

Auf der Tagesordnung stand der mit Spannung erwartete Bericht einer Gutachterin zu einer möglichen Drogenabhängigkeit des Ladenbesitzers. Diese hatte zwar an einem früheren Verhandlungstag zunächst zu Protokoll gegeben, dass sie weder Anhaltspunkte für eine Rauschgiftabhängigkeit noch für eine psychiatrisch relevante Störung gefunden habe. In dem ausführlichen Gutachten, das sie jetzt vortrug, kam die Ärztin jedoch zu dem Schluss, dass der 27-jährige Ladeninhaber kokainabhängig gewesen sei. Dies habe er ihr gegenüber während zweier Gespräche eingeräumt. Demnach habe er in der Zeit vor der Tat täglich ein Gramm Kokain im Wert von jeweils 60 bis 100 Euro konsumiert.

Nach Einschätzung der Medizinerin ist der Angeklagte dennoch weitgehend schuldfähig gewesen. Die Abhängigkeit, die im Übrigen bislang nicht durch etwaige Laboruntersuchungen bestätigt wurde, sei als vergleichsweise gering einzustufen. Der Auftrag zur Brandstiftung, den die Staatsanwaltschaft dem Angeklagten vorwirft, sei vor dem Hintergrund als ein Fall von Beschaffungskriminalität einzustufen, meinte die Gutachterin. Sie gehe ferner davon aus, dass das erhoffte Geld aus der Versicherungssumme nicht nur zur Begleichung von Schulden dienen sollte, die der 27-Jährige offenbar unter anderem bei einem Drogendealer hatte, sondern auch zur weiteren Finanzierung seines Kokainkonsums, so die Gutachterin.

Der Angeklagte verfolgte die Ausführungen mit gesenktem Kopf. Als Auslöser für die Drogensucht hatte er gegenüber der Gutachterin den Tod des Streitschlichters angeführt, für den das Amtsgericht Ibbenbüren, wie berichtet, ihn und seinen Bruder verantwortlich gemacht hatte. Wegen gefährlicher Körperverletzung und fahrlässiger Tötung sind sie deswegen im April dieses Jahres verurteilt worden.

Sowohl die Freundin des Ladeninhabers als auch die seines Bruders hatten zu Beginn der Verhandlung ausgesagt, nichts von einer möglichen Drogensucht gewusst zu haben. Zwar sei er nach dem Vorfall in Ibbenbüren „komisch“ gewesen und habe sich auch mehr und mehr zurückgezogen, meinte die 24-jährige Freundin. „Von Drogen habe ich aber nichts bemerkt.“

Ahnungslos gab sich auch der Bruder des Ladeninhabers in der Erklärung, die sein Verteidiger in der Verhandlung für ihn vorlas. Darin betonte er, nichts von den Brandstiftungsplänen gewusst zu haben und bestätigte damit frühere Aussagen des Ladenbesitzers.

Den Ausführungen des Verteidigers zufolge soll es die Mutter der Brüder gewesen, die die Idee für den Orientladen hatte. Sie habe gemeint, dass ein solches Geschäft in Westerkappeln noch fehlen würde.

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