Vortrag zur Krise der Demokratie
Alternativen zur Alternativlosigkeit

Westerkappeln -

„Sich abgehängt fühlen und nicht mehr gehört zu werden, dieser weit verbreitete Eindruck ist zentrale Konsequenz der Politik der Alternativlosigkeit. Sie schafft den Unmut und die Wut auf die da oben“, sagt Professor Dr. Christian Lammert. Es sieht aber Alternativen zur Alternativlosigkeit und damit eine Möglichkeit, die „Krise der Demokratie“ zu überwinden.

Sonntag, 11.11.2018, 16:46 Uhr
Veröffentlicht: Samstag, 10.11.2018, 14:00 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Sonntag, 11.11.2018, 16:46 Uhr
US-Präsident spielt ständig auf der Klaviatur des Populismus und heizt den Verdruss „auf die da oben“ an, obwohl er selbst dazu gehört. Professor Dr. Christian Lammert sieht Alternativen zur Alternativlosigkeit.
US-Präsident spielt ständig auf der Klaviatur des Populismus und heizt den Verdruss „auf die da oben“ an, obwohl er selbst dazu gehört. Professor Dr. Christian Lammert sieht Alternativen zur Alternativlosigkeit. Foto: dpa

Warum die Menschen so anfällig für die einfachen Lösungen der Populisten sind, hat der Berliner Professor Dr. Christian Lammert nicht nur in seinem Buch „Die Krise der Demokratie“ analysiert, sondern auch am Donnerstagabend vor knapp 60 Frauen und Männern im Dietrich-Bonhoeffer-Haus erläutert.

Das Buch hat er gemeinsam mit seinem Hochschulkollegen Boris Vormann nach der Wahl von Donald Trump zum Präsidenten der Vereinigten Staaten geschrieben. Der Politikwissenschaftler war auf Einladung der evangelischen Kirchengemeinde Westerkappeln und der Evangelischen Erwachsenenbildung im Kirchenkreis Tecklenburg zu Gast.

Den Fokus seiner Ausführungen legte er auf den Untertitel seines Buches. „Und wie wir sie überwinden“ heißt es dort unter den großen roten Lettern, die „Die Krise der Demokratie“ thematisieren, in kleineren weißen Buchstaben vor schwarzem Hintergrund. Mit den Lösungsvorschlägen zur Überwindung der Krise hätten er und sein Co-Autor dem Wunsch des Verlags Rechnung getragen, räumt Lammert ein. Das klingt negativer, als es gemeint ist, denn tatsächlich ist er überzeugt, dass die aktuelle politische Lage nicht nur in den USA, sondern auch in Deutschland und in ganz Europa die Menschen aufrüttele und sie mobilisiere, sich zu engagieren und Widerstand zu leisten statt sich auf Diskussionen in den sozialen Medien zu beschränken.

„Sich abgehängt fühlen und nicht mehr gehört zu werden, dieser weit verbreitete Eindruck ist zentrale Konsequenz der Politik der Alternativlosigkeit. Sie schafft den Unmut und die Wut auf die da oben – und veranlasst zur Suche nach Alternativen um fast jeden Preis, offensichtlich auch nach undemokratischen“, so bringen es Lammert und Vormann in ihrem Buch auf den Punkt.

Der Vertrauensverlust in die Politik werde auf dem Rücken der Schwächeren, der Flüchtlinge, ausgetragen, weiß der Autor. Die Einteilung der Wahlkreise, die in den USA den Republikanern ebenso in die Karten spiele wie die Registrierung der Wähler und eine Art „Stammes-Denken“, tue ein Übriges, damit die Partei das politische System zu ihrem Vorteil nutzen könne.

Dr. Christian Lammert mit dem Pfarrerehepaar Adelheid Zühlsdorf-Maeder und Olaf Maeder, die den Professor nach Westerkappeln eingeladen hatten.

Dr. Christian Lammert mit dem Pfarrerehepaar Adelheid Zühlsdorf-Maeder und Olaf Maeder, die den Professor nach Westerkappeln eingeladen hatten. Foto: Dietlind Ellerich

Lammerts Besuch in Westerkappeln könnte zwei Tage nach den Midterm Elections nicht besser getimt sein. Und obwohl es kein eindeutiges Wählervotum gegeben habe, Trumps Kritiker enttäuscht worden seien, sieht Lammert einen Hoffnungsschimmer. Eine Wahlbeteiligung von 50 Prozent sei für eine Zwischenwahl Rekord, weiß der Politikwissenschaftler. Besonders bei den 18- bis 25-Jährigen, der inzwischen stärksten Wählergruppe nach den Baby-Boomern, sei die Beteiligung von 18 auf 40 Prozent gestiegen. Minderheiten wie Muslime, Ureinwohner, Homosexuelle hätten zudem Einzug ins Repräsentantenhaus gehalten.

Es tue sich viel, beobachtet Lammert auch in Deutschland. „Die Menschen haben gemerkt, dass politische Apathie Konsequenzen hat“, sagt er mit Blick auf eine massive Mobilisierung der Zivilgesellschaft, auf Demonstrationen und Konzerte gegen rechte Parteien und Gruppierungen.

Es gebe Alternativen, macht Lammert seinen Zuhörern deutlich. Nicht umsonst werde aktuell wieder die „Idee Europa“ beschworen, die im Rahmen der wirtschaftlichen Globalisierung aus dem Blick geraten sei. „Es geht doch, der Staat war doch handlungsfähig“, erklärt mit Blick auf Banken- und Staatsschuldenkrise. Die soziale Achse Europa etwa durch eine europäische Arbeitslosenversicherung zu stärken, könne Bindung schaffen und für politische Stabilität sorgen, gibt der Politikwissenschaftler zu bedenken.

Dass die Wahlbeteiligung bei Europawahlen traditionell niedrig sei, liege daran, dass die Menschen nicht mehr verstünden, was in Brüssel passiere. „Daran müssen wir arbeiten“, ist Lammert überzeugt.

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