Winterquartiere für Insekten im Garten
Neues Leben aus totem Holz

Westerkappeln/Tecklenburger Land -

Der Herbst ist die Zeit des Aufräumens im Garten. Es wird geharkt, abgeschnitten, entsorgt. Wer es dabei jedoch sehr gründlich nimmt, vernichtet wichtige Winterquartiere für Insekten und andere Tiere im Garten.

Dienstag, 20.11.2018, 16:44 Uhr
Veröffentlicht: Samstag, 17.11.2018, 13:00 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Dienstag, 20.11.2018, 16:44 Uhr
Da ist der Wurm drin: Laut Biologe Rainer Seidl (kleines Bild) ist das keine schlechte Eigenschaft für totes Holz
Da ist der Wurm drin: Laut Biologe Rainer Seidl (kleines Bild) ist das keine schlechte Eigenschaft für totes Holz Foto: privat/Anke Beiing

Deshalb möchte Biologe Rainer Seidl von der Arbeitsgemeinschaft Naturschutz Tecklenburger Land (ANTL) eine Lanze dafür brechen, auch mal Fünfe gerade sein und so manches im Garten liegen zu lassen.

Totes Holz zum Beispiel. „Totes Holz ist sehr lebendig: Holz in allen Zerfallsstadien wird von zahlreichen Insekten als Nistmöglichkeit und Nahrungsquelle genutzt“, erklärt Biologe Seidl. Immer würden alle vom Holzwurm reden, „aber niemand kennt ihn“.

Denn Holzwurm sei ein Sammelbegriff für circa 1500 Insektenarten weltweit, die eine Gemeinsamkeit haben: Sie fressen Gänge in Holz. „,Da ist der Wurm drin’, heißt es dann. Aber dadurch, dass die Würmer das Holz fressen, zersetzen sie es auch. Und sie legen in dem Holz ihre Eier ab. Larven fressen Holz, verpuppen sich im Baumstamm und fliegen dann aus als fertige Insekten“, erläutert Seidl.

Das seien zum Beispiel Holzwespen, vor allem aber Käfer, darunter der Buchdrucker, Borkenkäfer und die Bockkäfer mit langen Fühlern. Sie seien zwar schädlich für den Forst, aber ein Beitrag zur Vielfalt der Natur. „Diese Insekten sind die Nahrungsgrundlage für viele Vögel, Fledermäuse, Igel und andere Tiere“, sagt Seidl. Die verlassenen Larvengänge und Ausfluglöcher wiederum seien die originalen und natürlichen „Bienenhotels“. In ihnen würden Wildbienen und Solitärwespen Eier und Futtervorrat ablegen und die Larven entwickeln sich dort zu erwachsenen Insekten.

Biologe Rainer Seidl von der Arbeitsgemeinschaft Naturschutz Tecklenburger Land (ANTL) will zum Wohle der Insekten eine Lanze dafür brechen, auch mal Fünfe gerade sein und so manches im Garten liegen zu lassen.

Biologe Rainer Seidl von der Arbeitsgemeinschaft Naturschutz Tecklenburger Land (ANTL) will zum Wohle der Insekten eine Lanze dafür brechen, auch mal Fünfe gerade sein und so manches im Garten liegen zu lassen. Foto: Anke Beiing

Es gebe aber noch weitere Gründe, Holz auch mal im Garten vermodern zu lassen und es nicht gleich zum Häckselplatz zu bringen oder aus jedem Stückchen Kaminholz zu machen. Denn: Holz vermodert. Und in diesem Mulm entwickelten sich wieder zahlreiche Kleinlebewesen, auffallend vor allem die seltenen Hirschkäfer und Nashornkäfer. Dass das funktioniert, weiß Seidl aus eigener Erfahrung in seinem Garten. Der Biologe hat an mehreren Stellen Totholz liegen gelassen.

Holzmulm zersetze sich zu wertvollem Humus. „Das hat eine gewisse Prozesswärme und ist daher beliebter Überwinterungsplatz für Spitzmäuse, Igel, Eidechsen, Kröten, Molche und viele Insektenarten“, so Seidl. Er rät: Holzreste aus dem Garten zu einem Hügel in einer Ecke zusammentragen, aufeinander stapeln und sich selbst überlassen. Allerdings müsse es sich um unbehandeltes Holz handeln. So entstehe aus alten Ästen, Holzresten und Baumscheiben neues Leben.

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