Klärschlammentsorgung wird schwieriger und damit teurer
Am Ende zahlt der Verbraucher

Westerkappeln -

Wer die WC-Spülung drückt, denkt meist nicht daran, wo der Schiet denn landet. Aus den Augen aus dem Sinn. Das Abwasser landet dort mitsamt der Fäkalien, Klopapier, Duschgel und manchmal Speiseresten in der Kläranlage – das ist klar. Dort wird es gereinigt und am Ende wieder in die Gewässer geleitet. Übrig bleibt Klärschlamm. In den beiden Westerkappelner Kläranlagen kommen im Jahr etwa 200 Tonnen Trockensubstanz zusammen. Bei der endgültigen Entsorgung kommt auf die Gemeinde ein Problem zu.

Freitag, 07.12.2018, 23:00 Uhr
Rund 200 Tonnen Trockensubstanz Klärschlamm muss die Gemeinde Westerkappeln pro Jahr entsorgen. Das wird zunehmend schwieriger und damit wohl auch teurer.
Rund 200 Tonnen Trockensubstanz Klärschlamm muss die Gemeinde Westerkappeln pro Jahr entsorgen. Das wird zunehmend schwieriger und damit wohl auch teurer. Foto: Colourbox

Das hat in erster Linie mit der vor gut einem Jahr in Kraft getretenen Klärschlammverordnung zu tun. „Es gibt fast keine Chance mehr für eine landwirtschaftliche Verwertung“, sagt Diplom-Ingenieur Michael Schütte, Prokurist im Fachbüro Frilling + Rolfs (Vechta), das die Gemeinde in Abwasserfragen berät und die Westerkappelner Kläranlagen geplant hat.

Infolge der Verschärfung der Düngeverordnung lehnen viele Bauern Klärschlamm für ihre Böden mittlerweile dankend ab. Hinzu kommt, dass größere Städte ihren Klärschlamm bald gar nicht mehr in der Landwirtschaft loswerden dürfen.

Etwa zehn Prozent der Schlämme landeten in der Vergangenheit im Straßen-und Landschaftsbau – beispielsweise für Lärmschutzwälle. Weil ebenfalls strengere Bodengrenzwerte gelten, gibt es aber auch dort bald keine Abnehmer mehr.

Bleibt die Verbrennung. In der Politik genieße die sogenannte thermische Verwertung aufgrund der positiven Energie- und CO-Bilanz eine hohen Stellenwert, erklärt Schütte. Circa 65 Prozent des Klärschlamms würden bereits heute bundesweit verbrannt, in Nordrhein-Westfalen lag der Anteil sogar bei 75 Prozent. In einigen Jahren solle der Verbrennungsanteil mangels anderer Alternativen bei weit über 90 Prozent liegen.

Theoretisch: Denn es fehlen die Kapazitäten für die Verbrennung. Heute geht noch ein Teil in die Kohlekraftwerke. „Das ist in einigen Jahren total tot“, prophezeit Schütte. Bei den Monoverbrennungsanlagen gebe es einerseits einen erheblichen Sanierungsbedarf „und in Norddeutschland ein großes Loch.“ Das alles erzeuge einen ziemlichen Druck auf Seiten derer, die ihren Klärschlamm los werden müssen.

In Planung seien nun Verbrennungsanlagen in Bremen, Bielefeld und Hannover. Auch im Ruhrgebiet werde gebaut. Es müssten zusätzliche Kapazitäten für 500 000 bis 600 000 Tonnen Klärschlamm im Jahr geschaffen werden. „Und es darf nichts wegfallen“, betont der Diplom-Ingenieur.

Was geht mich das alles an?, wird Otto Normalverbraucher in Westerkappeln vielleicht fragen. Spätestens wenn die Abwasserrechnung geschickt wird, bekommt er die Antwort. Denn die Gebühren werden vermutlich steigen. In diesem Jahr hat die Gemeinde einen neuen Vertrag für die Klärschlammentwässerung und -entsorgung abgeschlossen, der zunächst bis April 2020 gilt. Gegenüber dem alten Vertrag sind die Kosten um rund 148 000 Euro oder 67 Prozent explodiert. „Das ist hier ziemlich säuerlich aufgestoßen“, sagt Schütte zur Reaktion in den Westerkappelner Ratsgremien.

Westerkappeln sei aber kein Einzelfall. Im Kreisdurchschnitt liege der Preisanstieg sogar noch darüber. Und weil die Abwasserbeseitigung kostendeckend gefahren werden muss, werden die zusätzlichen Belastungen an die Verbraucher weitergereicht.

Was tun bei dieser Gemengelage ? Schütte empfiehlt, mit großen Klärschlammmengen auf den Markt zu kommen, „um bei den Verbrennern durch die Tür zu kommen.“ Mehr Klärschlamm zu produzieren ist dabei natürlich nicht die Alternative, sondern Kooperation gefragt. Im Kreis Steinfurt seien mittlerweile 21 Städte und Gemeinden an einer gemeinsamen Vorgehensweise interessiert, berichtet Friedhelm Wilbrand, Umweltbeauftragter im Rathaus. Die Entsorgungsgesellschaft Kreis Steinfurt (egst) wolle sogar einen Klärschlammbeauftragten berufen.

Wie sich die Kosten nach 2020 entwickeln werden, ist schwer vorherzusagen. Der Bürger tut aber nicht nur der Umwelt, sondern wohl auch dem eigenen Portemonnaie etwas Gutes, wenn er künftig häufiger die Spartaste der Toilettenspülung drückt.

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