Kirchengemeinde St. Margaretha legt Präventionskonzept vor
Kinder vor Missbrauch schützen

Westerkappeln -

Veronika Kowalski hat sich sorgfältig vorbereitet auf den Pressetermin. Sie legt eine Mappe mit sehr vielen Informationen auf den Tisch. Dazu einen Flyer, in dem sie mit Bild und Kontaktdaten zu finden ist. Bis vor zwei Jahren leitete sie das St.-Barbara-Familienzentrum. Jetzt hat die Pfarrgemeinde St. Margaretha ihr eine neue Aufgabe übergeben. Pfarrer Shaji George stellt die 65-Jährige als sogenannte Präventionsfachkraft vor.

Samstag, 29.12.2018, 06:00 Uhr
Als Präventionsfachkraft soll sich Veronika Kowalski in der Kirchengemeinde St. Margaretha um das Wohl von Kindern und Jugendlichen kümmern, insbesondere unter dem Aspekt sexueller Gewalt.
Als Präventionsfachkraft soll sich Veronika Kowalski in der Kirchengemeinde St. Margaretha um das Wohl von Kindern und Jugendlichen kümmern, insbesondere unter dem Aspekt sexueller Gewalt. Foto: Katja Niemeyer

In der Funktion soll sie sich um das Wohl von Kindern und Jugendlichen kümmern, insbesondere unter dem Aspekt sexueller Gewalt. Im Fall der Fälle ist sie jederzeit telefonisch erreichbar. Sie selbst wiederum hat einen kurzen Draht zu den Fachleuten beim Bistum Münster.

Veronika Kowalski sagt, dass sie eine „Kultur der Achtsamkeit“ fördern will. Im Januar startet sie ganz offiziell mit ihrer Arbeit. Von da an hat sie zwei Mal im Monat im Pfarrbüro Sprechstunde.

Um Kinder und Jugendliche vor Missbrauch und Gewalt zu schützen, hat die Kirchengemeinde außerdem ein „Institutionelles Schutzkonzept“ vorgelegt. Darin ist zum Beispiel festgelegt, dass sowohl haupt- als auch ehrenamtliche Mitarbeiter jeweils zu Dienstbeginn und von da an alle fünf Jahre ein erweitertes Führungszeugnis vorlegen müssen. Zudem, so Veronika Kowalski, müssten neue Mitarbeiter eine sogenannte Selbstauskunftserklärung unterschreiben. Damit versichern sie, dass sie nicht wegen einer Straftat im Zusammenhang mit sexualisierter Gewalt verurteilt wurden. Außerdem verpflichten sie sich mit der Unterschrift, dass sie ihren Arbeitgeber informieren, falls ein diesbezügliches Ermittlungsverfahren gegen sie eingeleitet werde sollte.

Darüber hinaus schreibt das Konzept eine regelmäßige Teilnahme an Schulungen vor. Die Mitarbeiter der Kirchengemeinde kommen in vielen Lebensbereichen mit Kindern und Jugendlichen in Kontakt, vom Kindergarten über die Messdienerarbeit bis zum Jugendtreff.

Bei der Umsetzung des Schutzkonzeptes gilt es beispielsweise zu klären, ob es nicht einsehbare Räume in den Gebäuden der Kirchengemeinde gibt.

Pfarrer Shaji George weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass er die Beichtgespräche mit Kindern schon seit Längerem nicht in einem abgetrennten Raum führt, sondern für alle sichtbar in der Kirche. „Jeder kann uns dabei sehen, nicht aber hören.“

Veronika Kowalski ist im Rahmen einer Schulung des Bistums Münster auf ihre neue Aufgabe vorbereitet worden. Darüber hinaus tauschte sie sich im Rahmen eines Netzwerktreffens mit anderen Präventionsfachkräften aus. Sie findet es wichtig, dass Kinder lernen, „Nein“ zu sagen. Man müsse sie stärken und ihnen verdeutlichen, dass zum Beispiel im Kindergarten nichts ohne ihre Einwilligung mit ihnen geschehen darf, sagt sie. Auch Pfarrer Shaji George betont, dass ihm das Thema am Herzen liegt. „Wir alle gemeinsam“, so sein Appell, „müssen die Augen offen halten“.

Transparenz und Öffentlichkeit, das machen beide deutlich, sei von immenser Bedeutung. Neben der Einrichtung regelmäßiger Sprechstunden hat die Pfarrgemeinde deshalb auch eine Telefonnummer freischalten lassen, unter der Hilfesuchende jederzeit die Präventionsfachkraft erreichen können. Auf Plakaten, in Informationsbroschüren und Monatsblättern sowie auf der Homepage der Kirchengemeinde macht die Kirche aufmerksam auf das Thema.

Und was ist, wenn Missbrauch doch passiert? Veronika Kowalski verweist auf das Schutzkonzept, das auch Beschwerdewege aufzeigt. Wenn also ein mögliches Opfer die Telefonnummer der Präventionsfachkraft wählt und sie um Hilfe bittet, dann würde diese zunächst einmal den Pfarrer informieren. Dies allerdings nur, wenn der Hilfesuchende damit auch einverstanden ist, betont Veronika Kowalski, die sich bei Verdachtsfällen an die entsprechenden Ansprechpartner beim Bistum Münster wenden würde. Diese seien hoch qualifiziert, unabhängig und entscheiden, ob gegebenenfalls die Staatsanwaltschaft eingeschaltet wird.

In Gesprächen mit Gemeindemitgliedern habe sie eine positive Resonanz auf das Schutzkonzept wahrgenommen, berichtet Veronika Kowalski. „Alle sind froh, dass jetzt endlich etwas passiert und das Thema nicht mehr unter den Teppich gekehrt wird.“

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