Chor-Serie: Männergesangverein Seeste ist älter als gedacht
Wirtin kennt ihre Sänger genau

Westerkappeln/Lotte -

Eine solche Tradition haben längst nicht alle Chöre: Seit wohl 213 Jahren gibt es den Männergesangverein (MGV) Seeste inzwischen. Die Seester haben sich der Pflege des Chorgesanges gewidmet, insbesondere des „deutschen Liedguts“; wöchentlich proben sie in ihrer Vereinskneipe, der Gaststätte Schoppmeyer in Seeste.

Donnerstag, 03.01.2019, 18:08 Uhr aktualisiert: 03.01.2019, 18:10 Uhr
Der Männergesangverein Seeste probt freitags in der Gaststätte Schoppmeyer. Den Verein gibt es bereits seit mehr als 200 Jahren. Foto: Jannik Zeiser
Der Männergesangverein Seeste probt freitags in der Gaststätte Schoppmeyer. Den Verein gibt es bereits seit mehr als 200 Jahren. Foto: Jannik Zeiser Foto: Jannik Zeiser

„Deutsches Liedgut“, das mag ein wenig antiquiert klingen – wie setzt der MGV dieses Ideal heute um? Einerseits mit traditionellen Volksliedern, erklären der Vorsitzende Ralf Hilsmann und Dirigent Dieter Hoge. Darüber hinaus halte das Repertoire von 300 Liedern jedoch auch eine Menge moderner Titel bereit: Die Toten Hosen etwa, mit „An Tagen wie diesen“. „Wir versuchen, ein großes Spektrum abzudecken“, erklärt Hilsmann. „Das reicht von Volksweisen bis hin zu Pop.“

54 Mitglieder zählt der MGV Seeste derzeit, davon sind 24 aktive Sänger. Der Altersschnitt steigt dabei stetig an, derzeit liege er bei etwa 60 Jahren, schätzt der Vorsitzende. „Als Männerchor haben wir es nicht einfach, neue Mitglieder zu bekommen. Aber wir geben nicht auf“, sagt Hilsmann. Die Sangesbrüder kommen längst nicht alle aus Seeste; auch Westerkappelner, Mettinger oder Lotter sind vertreten.

Dabei ist der MGV tief in Seeste verankert und längst ein Teil der Geschichte der Bauerschaft – auf 1805 wird das Gründungsjahr geschätzt. Lange Zeit hatte man den Chor jünger vermutet: 1980 stand eigentlich die Feier zum 100-jährigen Bestehen an.

Um dieses Alter offiziell nachzuweisen, hatte man damals gründlich recherchiert. Dabei kam heraus, dass der Seester Chor wohl gut 75 Jahre älter sein muss, als zunächst vermutet.

Um 20 Uhr starten jeweils freitags die Proben in der Gaststätte Schoppmeyer . Dieter Hoge, seit 2003 Chorleiter, setzt auf einen lockeren Umgang mit seinen Sängern. „Wir wollen gut singen, aber es wird nicht gepaukt bis aufs Blut“, beschreibt er seinen Anspruch an die Chorleitung. Obwohl natürlich nur Männerstimmen vertreten sind, singt der Chor vier-stimmig: Es gibt jeweils eine erste und zweite Tenor- und Bass-Stimme.

Eine kleine Besonderheit stellt die Probenpause dar: Anni Schoppmeyer und ihre Tochter Christiane Schoppmeyer-Bentrup versorgen im Schankraum die Runde mit flüssiger Verpflegung. „Das ist eine interessante Gemeinschaft“, findet Gastwirtin Anni Schoppmeyer. Sie kennt die Seester Sänger schon seit 1974 – seitdem ist Schoppmeyer das Vereinslokal – und weiß um die Eigenheiten. „Sie sitzen immer in ihren Stimmen zusammen. Ich weiß mittlerweile, an welchem Tisch wie viel Bier gebraucht wird.“

Seit gut zehn Jahren singt Dietmar Kortkamp im Bass des MGV Seeste mit. Und er bedauert, dass er nicht schon eher eingestiegen ist. Damals habe er eine Wette mit dem Dirigenten abgeschlossen: Wenn der FC Schalke 04 Deutscher Meister werde, dann trete er in den Gesangverein ein. In der Saison 2006/07 wurde Schalke zwar „nur“ Zweiter und damit Meister der Herzen, aber das war genug für Kortkamp, um seine Wettschuld gutzumachen. „Es ist super. Das macht echt viel Spaß“, findet er inzwischen.

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