Energieberater Ralf Siegmund kommt ins Rathaus
Elf Hinweise zum richtigen Lüften

Westerkappeln -

Erstmals lädt die Verbraucherzentrale jetzt zu einer Energieberatung ins Westerkappelner Rathaus ein. Verbrauch, Fördermittel, erneuerbare Energien sowie Dämm- und Lüftungskonzepte für alte und neue Häuser sind nur einige Themen, über die sich interessierte Bürger an verschiedenen Terminen bei dem Architekten Ralf Siegmund informieren können. Mit dem Energieberater der Verbraucherzentrale sprach WN-Redakteurin Katja Niemeyer über den Sinn von Dämmungen und übers richtige Lüften.

Sonntag, 03.02.2019, 13:06 Uhr aktualisiert: 04.02.2019, 18:50 Uhr
Ehrgeizige Energiekonzepte: Photovoltaikanlage auf dem Dach eines Hauses.
Ehrgeizige Energiekonzepte: Photovoltaikanlage auf dem Dach eines Hauses. Foto: dpa

Wie sieht energietechnisch betrachtet das Haus der Zukunft aus?

Siegmund : Die Konzepte für Energiesparhäuser wurden im Laufe der Zeit immer ehrgeiziger. Null-Energie- beziehungsweise KfW-40-Plus-Häuser sind derzeit hochaktuell. Sie haben ein sehr gutes Wärmekonzept für die Gebäudehülle, eine hocheffiziente Anlagentechnik und binden erneuerbare Energien ein. Strom wird dabei meist durch eine Photovoltaikanlage produziert. Im Idealfall reicht die erzeugte Menge auch noch, um damit ein E-Auto aufzuladen.

Wäre ein solches Haus energieautark?

Siegmund: Weil die Speichertechnik für Strom für diesen Zweck noch nicht ausgereift und zu teuer ist, muss besonders im Winter wohl meistens Energie zugekauft werden.

Rechnet sich ein solches Haus angesichts ohnehin schon gestiegener Baukosten überhaupt noch?

Siegmund: Gegenfrage: Interessieren Sie sich auch bei Ihrem Auto für die Wirtschaftlichkeit?

Zugegeben: Das kann ich nicht ohne Weiteres ausrechnen ...

Siegmund: Fakt ist, dass sich ein Null-Energiehaus nicht in fünf oder zehn Jahren amortisiert. Bis man die Kosten durch einen geringeren Energieverbrauch wieder eingespart hat, vergeht wohl eine längere Zeit, dies hängt natürlich von der Entwicklung der Energiepreise ab.

Wie lässt sich mit relativ wenig Aufwand Energie einsparen?

Siegmund: Im Winter sollte man darauf achten, dass die Räume nicht zu sehr auskühlen. Eine Nachtabsenkung für Warmwasser und Heizung sollte in weniger gut gedämmten Gebäuden obligatorisch sein, ebenso wie eine nachträgliche Dämmung der Nischen hinter den Heizkörpern und das Dämmen offenliegender Leitungen im Keller. LED-Leuchten und der Standby-Modus bei elektrischen Geräten sind inzwischen Standard.

Stichwort Wärmedämmung: Immer mehr Altbauten werden heute gedämmt. Gleichzeitig werden in diesen Häusern Lüftungsanlagen installiert. Muss das sein?

Siegmund: Um Schimmelbildung zu verhindern, müssen Dämmmaßnahmen durch ein Lüftungskonzept ergänzt werden. Das liegt daran, dass sich an Wärmebrücken Feuchtigkeit niederschlagen kann, wenn Häuser „dick eingepackt“ werden.

Das Thema Lüften scheint in den vergangenen Jahren enorm an Bedeutung gewonnen zu haben.

Siegmund: Das stimmt. Die Hinweise zu Lüftungsregeln, die wir als Bauleiter immer parat haben, enthalten allein elf Punkte – vom Hinweis, den Keller im Sommer nicht zu lüften, bis zu den Vorteilen des Stoßlüftens.

Bei Feuchtigkeit droht Schimmel. Sehr trockene Räume sind aber auch nicht gut für die Gesundheit.

Siegmund: Ideal ist eine Luftfeuchtigkeit zwischen 45 und 55 Prozent.

Die äußere Dämmschicht von Häusern ist im Laufe der Jahre immer dicker geworden. Ist nicht langsam eine Grenze erreicht?

Siegmund: Zurzeit liegen wir bei einer Stärke von 14 bis 30 Zentimeter. Ein paar Zentimeter mehr würden die Wärmeverluste nur noch in einem äußerst geringen Maße verringern.

Unter Umweltgesichtspunkten müsste man auch die Herstellung solcher Materialien mit einbeziehen.

Siegmund: ... also auch die Energie, die für die Produktion verbraucht wird.

Wenn das Dämmen der Fassade ausgereizt und die Anlagentechnik auf einem hohen Niveau ist – dann muss es doch in Zukunft darum gehen, noch mehr eigene Energie zu erzeugen.

Siegmund: Grundsätzlich ja. Dennoch muss weiter am Verbrauch gearbeitet werden. Bei Elektrogeräten etwa sollte man sich für jene mit den höchsten Effizienzklassen entscheiden. Denn: Jede nicht verbrauchte Energie ist die beste Energie.

Noch eine persönliche Frage: Sind Sie in Zeiten des Bau-Booms nicht ein gefragter Experte?

Siegmund: Jetzt im Winter, wenn der Energieverbrauch höher ist, kommen tatsächlich mehr Menschen und lassen sich beraten, im Sommer ist die Nachfrage jedoch gering. Und auch wenn die Nebenkostenabrechnung vorliegt, ist dies offenbar bei vielen Anlass, über Einsparmöglichkeiten nachzudenken.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6365983?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F188%2F
Verkehrschaos auf dem Ring
Wasserrohrbruch am Pumpenhaus: Verkehrschaos auf dem Ring
Nachrichten-Ticker