Brief an die Ratsfraktionen
Grundschule in Westerkappeln sieht Bedarf für Sozialarbeiter

Westerkappeln -

„Wir haben das Gefühl, dass Kinder und ihre Familien Beratungs- und Hilfsangebote vor Ort brauchen“, erklärt Anne Frickenstein, Leiterin der Grundschule am Bullerdiek. „Und diejenigen, die Unterstützung brauchen, werden nicht unbedingt weniger.“ Jetzt richten ihre Kollegen und sie sich mit einem Appell an die Lokalpolitik, eine Fachkraft für Sozialarbeit zu installieren.

Dienstag, 05.02.2019, 17:00 Uhr aktualisiert: 06.02.2019, 15:30 Uhr
Eltern, die Hilfe in erzieherischen Fragen und bei anderen familiären Problemen haben, richten sich offenbar immer häufiger an die Lehrer. Doch diese sind eigentlich nicht die richtigen Ansprechpartner.
Eltern, die Hilfe in erzieherischen Fragen und bei anderen familiären Problemen haben, richten sich offenbar immer häufiger an die Lehrer. Doch diese sind eigentlich nicht die richtigen Ansprechpartner. Foto: dpa

„Kinder und Jugendliche wachsen heute anders auf als früher“, hat Kreisjugendpfleger vergangene Woche im Zusammenhang eines Gespräches von Gemeinde, Jugendamt und Polizei zur offenen Jugendszene in Westerkappeln erklärt. Vorndieck sprach auch von einem Bedeutungsverlust familiärer Strukturen und damit einhergehender Probleme. Die Folgen bekommen offensichtlich auch die Lehrkräfte an der Grundschule am Bullerdiek immer öfter zu spüren. Jetzt richten sie sich mit einem Appell an die Lokalpolitik, eine Fachkraft für Sozialarbeit zu installieren.

Frickenstein und andere Lehrer des Kollegiums sowie die Leiterin des Offenen Ganztages, Barbara Hermann , haben mit Datum vom 14. Januar einen Brief an die Fraktionsvorsitzenden der im Gemeinderat vertretenen Parteien geschrieben und darin auf die Notwendigkeit von Sozialarbeit hingewiesen. Die CDU-Fraktion hat schnell reagiert und möchte Bürgermeisterin Annette Große-Heitmeyer damit beauftragen, mit der Schulaufsicht und der Bezirksregierung die Möglichkeit der Einrichtung einer solchen Stelle zu prüfen und möglichst zu realisieren.

„Wir haben das Gefühl, dass Kinder und ihre Familien Beratungs- und Hilfsangebote vor Ort brauchen“, erklärt Anne Frickenstein zum Hintergrund. „Und diejenigen, die Unterstützung brauchen, werden nicht unbedingt weniger.“ Die Lehrkräfte der Grundschule und die Mitarbeiterinnen des Offenen Ganztags stünden zwar mit Rat und Tat zur Seite. „Wir können das aber nicht alles leisten“, gibt die Schulleiterin zu bedenken. „Wir sind in erster Linie eine Bildungseinrichtung.“

Für die Unterstützung von Kindern, Jugendlichen und Eltern in erzieherischen und anderen Fragen ist in Westerkappeln die Beratungsstelle des Diakonischen Werkes im Evangelischen Kirchenkreis Tecklenburg zuständig. „Die Zusammenarbeit ist auch ganz gut“, betont Frickenstein. Aber der Weg nach Lengerich, wo die Beratungsstelle ansässig ist, sei für Familien schon sehr weit. „Unser Ansinnen ist, vor Ort eine Anlaufstelle einzurichten.“

Die Leiterin der Grundschule am Bullerdiek verweist auf Mettingen, wo zum einen Sozialarbeit an den Grundschulen bereits vorhanden sei und zum anderen es einen sogenannten Sozialpunkt gebe, der beispielsweise Familien erste Unterstützung bei Überschuldung gewähre. Die Beratung wird dort in erster Linie von Ehrenamtlichen geleistet. Getragen wird der Sozialpunkt von der katholischen und evangelischen Kirchengemeinde.

In Westerkappeln gab es so einen Sozialpunkt schon einmal im Reinhildis-Haus. Dieser wurde aufgrund der schwachen Nachfrage jedoch wieder aufgelöst. Aber das ist Jahre her.

Zudem gibt es in Westerkappeln die Familienzentren in den kirchlichen Kindergärten. Deren Angebote richteten sich aber vorwiegend an die Familien in den Kitas, meint Frickenstein.

Die CDU-Fraktion weist darauf hin, dass in Nordrhein-Westfalen Sozialarbeit nicht nur an den weiterführenden Schulen, sondern auch an Grundschulen „als Möglichkeit des Zusammenwirkens von Jugendhilfe und Schule zum Gelingen einer psychosozialen Beratung von Schülerinnen und Schülern und deren Elternhäusern“ vorgesehen sei, wie es im Antrag sperrig heißt. Darüber wird bereits am Mittwochabend (6. Februar) im Rat diskutiert.

Das Land NRW setze gegenwärtig jährlich 48 Millionen Euro für Schulsozialarbeit ein, schreiben die Christdemokraten. Diese Mittel seien jedoch befristet, so dass auf politischem Wege auch geklärt werden müsse, inwieweit in Zukunft nach dem Auslaufen einer Landesförderung Geld der Gemeinde bereit gestellt werden müsse, um die Schulsozialarbeit auf Dauer zu gewährleisten.

Die Möglichkeiten der weiterführenden Schulen, Lehrerstellen zu kapitalisieren, wie Anne Frickenstein es nennt, gebe es an den Grundschulen nicht. Das bedeute, dass Geld für Lehrer in die Sozialarbeit umgelenkt werden könne. Deshalb sei auch zu prüfen, so die CDU in ihrem Antrag wörtlich, „inwieweit die mögliche Tätigkeit einer Fachkraft für Schulsozialarbeit auf das Lehrkräftedeputat angerechnet wird“.

 

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