Heute vor 50 Jahren
Frachtschiff auf dem Mittellandkanal gesunken

Westerkappeln -

Auf den Tag genau vor 50 Jahren ereignete sich auf dem Mittelandkanal in Seeste ein Schiffsunglück. Der Chronist des „Tecklenburger Kreisblattes“ schrieb damals von einer Katastrophe.

Dienstag, 19.02.2019, 06:00 Uhr aktualisiert: 19.02.2019, 15:06 Uhr
Ein mit Feinkohle beladenes Frachtschiff versank heute vor 50 Jahren in Seeste auf dem Mittellandkanal
Ein mit Feinkohle beladenes Frachtschiff versank heute vor 50 Jahren in Seeste auf dem Mittellandkanal Foto: Frank Klausmeyer

Heute würde man die Havarie sicher etwas nüchterner beschreiben, zumal kein Mensch zu Schaden kam.

In den Abendstunden des 19. Februar schlug das Güterfrachtschiff VTG 102 der Vereinigten Transportgesellschaft Hamburg in Höhe der erst kurz zuvor demontierten Brücke „Roter Berg“ Leck. Sofort drangen große Mengen Wasser ein und das Schiff ging langsam unter. Am nächsten Morgen lugten nur noch die Aufbauten aus dem Kanal. Geladen hatte der Frachter über 600 Tonnen Feinkohle aus Ibbenbüren, die zu einem Kraftwerk nach Lahde an der Weser gebracht werden sollte.

Die Westerkappelner Feuerwehr hatte damals Schwierigkeiten, den Unglücksort zu erreichen, weil das Tecklenburger Land Mitte Februar im Schnee versunken war, wie wir in unserer Samstagsausgabe ausführlich berichtet haben. Selbst ein Allradfahrzeug der Feuerwehr sei in den Schneewehen stecken geblieben, berichtete die Zeitung am 21. Februar.

Die Pumpen der Feuerwehr und selbst die eines auf dem Kanal passierenden Tankschiffes reichten nicht aus, um den Frachter vor dem Sinken zu bewahren. Noch in der (eisigen) Nacht eilten Taucher aus Duisburg herbei, um sich auf die Suche nach dem Leck zu machen. Sie waren allerdings mit dem Wagen auf der Autobahn liegen geblieben und mussten abgeholt werden. Weil das Schiff sich weiter bedenklich zur Seite neigte, wurden die Taucherarbeiten zunächst unterbrochen.

Wie bei den folgenden Ermittlungen zur Unglücksursache festgestellt wurde, hatte der Schiffsführer im Bereich der demontierten Brücke dem Gegenverkehr nach Steuerbord ausweichen wollen. Dabei kollidierte die schwer beladene und deshalb mit ordentlich Tiefgang fahrende VTG 102 mit einem Felsbrocken, der vom Kanalgrund 1,60 Meter hoch aufragte, und trug dabei ein etwa 0,70 mal 0,70 Meter großes Leck davon.

Im Zuge der Bergungsarbeiten wurde ein Schwesterschiff nach Seeste beordert. Ein Bagger lud die Kohle dann um. Erst eine Woche nach der Havarie stand passendes Gerät zur Verfügung, um das gesunkene Schiff leerzupumpen und zu heben. Das Leck an dem Schiff, dessen Wert im Zeitungsbericht mit etwa 1,2 Millionen Mark beziffert wurde, sei wohl reparabel, hieß es. Der Schaden sei jedoch schwer zu beziffern, da auch Maschinen in Mitleidenschaft gezogen wurden sowie die Kosten für die Bergungsarbeiten und Liegezeiten berücksichtigt werden müssten.

Der Schiffsverkehr kam übrigens durch den Havaristen nicht zum Erliegen. Weil der Kanal im Jahr davor verbreitert worden war, gab es für andere Schiffe genügend Platz zum Passieren.

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