Mobiles Bürgerbüro informiert am Mittwoch über Ausbau des Stromnetzes
Neue Höchstspannungsleitung nach Westerkappeln?

Westerkappeln/Osnabrück -

Der Bürgerdialog Stromnetz, eine Initiative für den offenen und transparenten Austausch zwischen allen Beteiligten rund um den Ausbau des Stromnetzes in Deutschland, macht am kommenden Mittwoch, 6. März, Station in Westerkappeln.

Sonntag, 03.03.2019, 14:52 Uhr aktualisiert: 04.03.2019, 13:44 Uhr
Als Erdkabel sollen die zusätzlichen Stromtrassen teilweise verlegt werden – möglicherweise durch das Osnabrücker Land bis nach Westerkappeln. Im Rathaus der Gemeinde können sich Interessierte am Mittwoch über den Netzausbau informieren.
Als Erdkabel sollen die zusätzlichen Stromtrassen teilweise verlegt werden – möglicherweise durch das Osnabrücker Land bis nach Westerkappeln. Im Rathaus der Gemeinde können sich Interessierte am Mittwoch über den Netzausbau informieren. Foto: dpa

Im Rathaus lädt dann das mobile Bürgerbüro von 8 bis 12.30 und von 14 bis 15.30 Uhr alle Bürger ein, sich über die Energiewende und den Stromnetzausbau in der Region zu informieren. Gefördert wird der Bürgerdialog Stromnetz vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie.

Das Informationsangebot kommt nicht von ungefähr, liegt Westerkappeln doch im Ausbaugebiet: Zwar gibt es noch keine konkrete Empfehlung für die Verläufe geplanter „Stromautobahnen“, allerdings wird die Verbindung vom Startpunkt Heide/West (Schleswig-Holstein) über Wilhelmshaven 2 (Niedersachsen) nach Uentrop (Nordrhein-Westfalen) als eine Art breite Wolke dargestellt. Diese führt von Heide über das Meer nach Wilhelmshaven und von dort gen Süden bis Uentrop. In der Breite reicht sie vom Emsland nahe der niederländischen Grenze im Westen bis nach Bremen im Osten. Auch das Osnabrücker Land und Teile des Kreises Steinfurt liegen in dem möglichen Trassengebiet. Bereits in Planung sind in der Region mehrere 380-kV-Leitungen, die für Wechselstrom ausgelegt sind, darunter eine Leitung von Lüstringen nach Westerkappeln.

Im Landkreis Osnabrück stößt der Bau solcher Höchstspannungsleitungen bereits auf Widerstände. Zwei zusätzliche Höchstspannungsleitungen könnten durch die Region geführt werden – das geht aus dem jüngsten Entwurf des Netzentwicklungsplans der Übertragungsnetzbetreiber hervor. Kreisrat Winfried Wilkens führte insbesondere zwei Gründe an, warum für die Leitungen andere Trassen gewählt werden sollten: „Der Landkreis Osnabrück leistet nicht nur einen erheblichen Beitrag zur Energiewende durch den Ausbau erneuerbaren Energien. Im Osnabrücker Land wurden beziehungsweise werden auch bereits mehrere 380-Kilovolt-Leitungen gebaut.“

„Die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister teilen die Einschätzung von Kreisrat Wilkens voll und ganz“, sagte Reinhard Scholz (CDU), Bürgermeister der Stadt Melle und Sprecher der Bürgermeisterkonferenz der Städte und Gemeinden im Landkreis Osnabrück, auf Anfrage. Der Landkreis sei ein „erheblich vorbelasteter Raum“ mit mehreren geplanten 380-kV-Höchstspannungsleitungen im Nordkreis und im Südosten und vielen Umspannstationen.

Kritik übte Scholz an den aktuellen Planungen für die 380-kV-Leitung, die von Bad Essen-Wehrendorf über das Umspannwerk Osnabrück-Lüstringen nach Gütersloh geführt werden soll. Diese war vom Gesetzgeber als Pilottrasse für eine Teil-Erdverkabelung ausgewiesen worden; in den aktuell ins Raumordnungsverfahren eingebrachten Entwürfen des zuständigen Netzbetreibers Amprion ist bislang aber nur ein vier Kilometer langer Teilabschnitt bei Osnabrück als Erdkabel verzeichnet. Sollte es dabei bleiben, sei das Gesetz „Augenwischerei“, beklagte Scholz. „Wir Bürgermeister bleiben dabei, dass wir eine weitergehende Erdverkabelung auf der Trasse fordern“, stellte er klar.

Vorbehalte äußerte auch Frank Vornholt, Sprecher der Bürgerinitiative (BI) „Keine 380-kV-Freileitung am Teuto“ und unabhängiger Landratskandidat aus Melle. Auch er setzt sich seit Jahren dafür ein, die 380-kV-Leitung von Wehrendorf nach Gütersloh möglichst als Erdkabel unterirdisch zu verlegen. Er befürchte, dass mögliche zusätzliche Leitungen in Zukunft entlang der derzeit in Planung befindlichen Trasse verlegt würden, sagte Vornholt auf Anfrage. Tatsächlich folgt auch der Planungskorridor für die neue 380-kV-Trasse dem Verlauf der bestehenden 220-kV-Leitung.

Zwei Unterschiede gebe es allerdings, erläuterte Vornholt: Zum einen handele es sich bei den beiden im Netzentwicklungsplan genannten Leitungen um Gleichstromtrassen, die weniger Kabel und damit weniger Platz benötigten als die 380-kV-Wechselstromleitung. Zum anderen gelte für diese Gleichstromtrassen der Erdkabelvorbehalt, das heißt, sie müssten unterirdisch verlegt werden – anders als die aktuelle 380-kV-Trasse, die eben nur für eine Teil-Erdverkabelung ausgewiesen sei. „Es ist also gut möglich, dass die 380-kV-Leitung jetzt als Freileitung gebaut wird und in einigen Jahren direkt daneben ein Erdkabel für die neue Gleichstromtrasse verlegt wird“, warnte Vornholt.

Zusätzliche Gleichstrom-Erdkabel sind den Übertragungsnetzbetreibern zufolge notwendig, um den im Norden überschüssig erzeugten Strom in den Süden zu verteilen. Im neuen Entwurf des Netzentwicklungsplans, der ein Szenario für das Jahr 2030 aufzeigt, sehen sie deshalb zwei zusätzliche Stromtrassen vor.

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Kontakt: ' 030/6 09 87 16 70, info@buergerdialog-stromnetz.de, www..buergerdialog-stromnetz.de

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