Kleine Zahlenreise durch die Geschichte des Steinkohlenbergbaus
Ibbenbüren spielte eine Sonderrolle

Tecklenburger Land -

Die Förderung ist lange eingestellt, die Ära des aktiven Steinkohlenbergbaus in Deutschland beendet. Anlass, mal auf das „Schwarze Gold“ in Zahlen zurückzuschauen.

Donnerstag, 07.03.2019, 13:00 Uhr

Den Höhepunkt erreichte die Steinkohleförderung in den 1950er-Jahren mit einer Fördermenge von mehr als 150 Millionen Tonnen im Jahr 1956. 2,5 Millionen Tonnen entfielen 1956 auf Ibbenbüren. 1971 lag mit 2 771 000 Tonnen die Förderung in Ibbenbüren am höchsten.

Mit der sogenannten Kohlekrise ab Ende der 1950er-Jahre wendete sich das Blatt und mit den Förderzahlen ging es in Deutschland abwärts. In Ibbenbüren blieben die Zahlen bis zur Einstellung im August 2018 dagegen ziemlich konstant. 2017 waren es hier noch knapp mehr als eine Million Tonnen.

Auslöser für die Krise 1957 war der aufkommende Verdrängungswettbewerb durch Importenergien, so die Erläuterung des Vereins Statistik der Kohlenwirtschaft dazu. Auf dem Weltenergiemarkt gab es einen Umschwung von der Knappheit zum Überfluss. Besonders die billige US-Steinkohle strömte auf den deutschen Markt, heißt es in „Energie - Politik - Geschichte“, herausgegeben von Jens Hohensee und Michael Salewski.

Pro Fördertag holten die Kumpel zu Spitzenzeiten in Deutschland gut eine halbe Million Tonnen Steinkohle an die Erdoberfläche. In Ibbenbüren lag die größte tägliche Fördermenge Anfang der 1970er-Jahre bei 11 000 Tonnen.

Die auffallend abweichenden, weil im Großen und Ganzen stabilen Zahlen in Ibbenbüren haben einen handfesten Grund, ebenso dass Ibbenbüren zu den letzten verbliebenen Zechen zählte: „Es ist kein Zufall, dass das Bergwerk Ibbenbüren zu den letzten beiden noch aktiven Steinkohlenbergwerken in Deutschland gehört, denn es hat seit je eine Sonderrolle in der Kulisse der deutschen Steinkohleförderung. Das Bergwerk Ibbenbüren repräsentiert ein eigenes Revier mit einer besonderen Kohlequalität (Anthrazit) und einer ganz engen Verknüpfung mit einem fortbestehenden Kraftwerk am Standort direkt nebenan. Diese Voraussetzungen waren in der Gesamtheit bei keinem anderen deutschen Steinkohlenbergwerk gegeben“, erklärt der Verein Statistik der Kohlenwirtschaft.

1988 erreichte die Zahl der Fördertage ihren Tiefstand mit rund 233 Tagen. Der Verein Statistik der Kohlenwirtschaft weiß dazu: „Nachdem Mitte der 1980er Jahre die internationalen Öl- und Gaspreise wieder eingebrochen waren – und sich entsprechende Importe stark verbilligten –, war die deutsche Steinkohle schließlich durch den Konkurrenzdruck zu weiteren Anpassungen in der Förderung gezwungen. Dies setzte sich fort.“

Und führte auf politischer Ebene zu neuen „Kohlerunden“. 1989 wurde vor diesem Hintergrund die „Mikat-Kommission“ eingesetzt. Mit dem Jahrhundertvertrag, befristet bis 1995, sollte die Abnahme deutscher Steinkohle gesichert werden, die durch den sogenannten Kohlepfennig subventioniert wurde. Eine Beanstandung derartiger Absatzhilfen durch das Bundesverfassungsgericht schloss weitere Zuwendungen nach 1995 aus.

Zur Steinkohle-Superzeit gab es 1957 ganze 173 Betriebe in Deutschland, sechs davon in Ibbenbüren. 1974 waren es deutschlandweit keine 50 Betriebe mehr. Der Umschwung auf dem Energiemarkt führte erdrutschartig zu einer großen Zahl an Schließungen und Zusammenlegungen.

2015 war die Gesamtzahl der Betriebe auf drei geschrumpft, einer davon in der hiesigen Bergbauregion, der als letzter schloss., zusammen mit Prosper-Haniel 2018. Als drittletzter machte die Zeche Auguste Victoria in Marl Ende 2015 dicht.

1985 waren die Lager in Ibbenbüren am vollsten, 1993 war dies deutschlandweit der Fall: „Weil die Produktions- und Absatzbedingungen je nach Standort und Kohlequalität unterschiedlich waren. 1985 gab es besondere Probleme für den Absatz von Anthrazitkohle“, nennt der Verein Statistik der Kohlenwirtschaft als Gründe. „Nach 1990 und der Deutschen Einheit verschärften sich die Markt- und Wettbewerbsbedingungen für die deutsche Steinkohle noch mehr, 1993 ergaben sich zusätzliche Auswirkungen des ersten Konjunkturknicks nach dem vorübergehenden Einheitsboom insbesondere beim Stahl (Kokskohle)“, blickt der Verein zurück.

In Ibbenbüren gab es im Jahr 1955 mit 12 250 die meisten Mitarbeiter im Laufe der Zeit. Mit fast einer halben Million Arbeitskräften war 1957 das Spitzenjahr im Ruhrgebiet.

Deutschlandweit wurde insgesamt in diesem Jahr einmalig die 600 000er Grenze überschritten.

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