Amtsgericht verhandelt wegen Gefährdung des Straßenverkehrs
„Kamikaze-Fahrt“ durch den Habichtswald

Westerkappeln/Ibbenbüren/Tecklenburg -

Zeugen sprechen von einem „absolutes Kamikaze-Verhalten“. Die Staatsanwaltschaft wird dem Angeklagten aus Ibbenbüren Gefährdung des Straßenverkehrs in Tateinheit mit Nötigung sowie Unfallflucht vor. Es geht um einen Vorfall im Juni vergangenen Jahres auf der Straße Zum Habichtswald in Westerkappeln.

Sonntag, 10.03.2019, 16:00 Uhr aktualisiert: 10.03.2019, 17:54 Uhr
 
  Foto: dpa

Gefährdung des Straßenverkehrs in Tateinheit mit Nötigung sowie Unfallflucht wirft die Staatsanwaltschaft dem Mann aus Ibbenbüren vor. Der 31-Jährige soll laut Anklage im Juni 2018 auf der schmal ausgebauten und leicht ansteigenden Landesstraße Zum Habichtswald in Westerkappeln eine Weile hinter einem Kleintransporter hin und her pendelnd gefahren sein, ihn dann überholt und nach dem Einscheren sein Fahrzeug aus einer Geschwindigkeit von 110 Stundenkilometern fast zum Stillstand gebracht haben.

Der Fahrer des Transporters konnte noch nach links ausweichen, eine leichte Kollision aber nicht verhindern. Der Schaden soll sich auf 750 Euro belaufen. Der Ibbenbürener soll seine Fahrt Richtung Tecklenburg fortgesetzt haben, ohne sich um das Geschehen zu kümmern.

„Dass ich weitergefahren bin, ist sehr zu bedauern, dafür muss ich mich entschuldigen“, räumte der Ibbenbürener vor dem Amtsgericht Tecklenburg die Unfallflucht ein. Für das eigentliche Unfallgeschehen gibt es seiner Meinung nach gute Gründe. Da der weiße Bulli langsam gefahren sei, habe er ihn überholt.

„Von rechts kam ein Reh aus dem Wald, mehrere standen noch da“, begründet er, warum er nach dem Wiedereinscheren eine Vollbremsung machte. Als das Tier weg war, habe er beim Versuch zu beschleunigen noch den sechsten Gang eingelegt gehabt und sei nicht schnell genug weggekommen. Den nahenden Bulli habe er im Rückspiegel gesehen, auch „einen leichten Anstoßer“ gespürt. „Ich war perplex, weil es hinten geknallt hat und nicht vorn“, versichert er, wie froh er war, heil aus der Sache mit Reh herausgekommen zu sein.

Für den Bullifahrer und seinen Beifahrer stellt sich das Geschehen anders dar. Sie bezeichnen die riskante Fahrweise des Mannes als „absolutes Kamikaze-Verhalten“. Sie seien in normalem Tempo auf der Straße, auf der an dieser Stelle eine Höchstgeschwindigkeit von 70 Kilometern pro Stunde gelte, unterwegs gewesen, als der Unfallverursacher in Schlangenlinien hinter ihnen herfuhr. Für die Vollbremsung nach dem Überholvorgang habe es keinen Grund gegeben. „Da waren keine Rehe“, sind sich Fahrer und Beifahrer sicher.

Gegenüber den Polizeibeamten, die den 31-Jährigen nach dem Unfall schon bei seinem Arbeitgeber in Niedersachsen erwarteten, hatte der Ibbenbürener keine Angaben zum Geschehen gemacht. „Er wollte ohne Anwalt nichts dazu sagen“, erinnert sich ein Beamter vor Gericht.

„Die aktuelle Situation ist sehr belastend für mich“, erklärte der Angeklagte dem Gericht. Dem Bauleiter war die Fahrerlaubnis vorläufig entzogen worden. Seit knapp vier Wochen fährt ihn seine Frau zur Arbeitsstelle, ein Kollege mit ihm zu den Baustellen, die er betreut. Das sei auch für sein Unternehmen logistisch nicht einfach, sagte sein Arbeitgeber, der ebenfalls als Zeuge geladen war.

Ungeachtet der Tatsache, dass das Gericht dem Angeklagten die Fahrerlaubnis wegen dessen Unfallflucht vorläufig entzogen hatte, möchte der Verteidiger durch einen Gutachter klären lassen, ob der mit 1932 Euro brutto abgerechnete Schaden vollständig durch den Kontakt mit dem Fahrzeug seines Mandanten zustande komme.

„Bis das Gutachten da ist, werden sie ohne Führerschein auskommen müssen“, gab der Richter zu bedenken, dass die Höhe des Schadens zwar Einfluss auf die Strafzumessung habe, die vorläufige Entziehung der Fahrerlaubnis aber davon unberührt sei.

Er setzte die Hauptverhandlung aus. Ein Termin erfolgt von Amts wegen.

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